Rottweiler Hotel „Johanniterbad” strebt Erweiterung an

Teil des Kameralamtsgartens soll vorrübergehend Parkplätzen weichen

Der Kameralamtsgarten (links). Ein Teil von ihm soll Parkplätzen weichen. Grund: Das Hotel "Johaniterbad" plant eine Erweiterung. Foto: Peter Arnegger

Das Johan­ni­ter­bad will erwei­tern. Das Rott­wei­ler Hotel, eine der bes­ten Adres­sen in der Regi­on, mit sei­nem Sitz am Ran­de der his­to­ri­schen Innen­stadt, möch­te wach­sen. Ganz wört­lich, näm­lich in die Höhe, um ein Stock­werk. Und das seit 2007. Nun wur­den die Pla­nun­gen öffent­lich.

Der­zeit nicht zugäng­lich: pri­vat genutz­ter Teil des „Kame­ra­l­amts­gar­tens”.

Vom Ran­de des Schwarz­wal­des gelangt man über­all­hin, doch nir­gends ist es so schön wie bei uns! Ein­zig­ar­tig idyl­lisch – hoch über dem Fes­tungs­gra­ben der ältes­ten Stadt Baden-Würt­tem­bergs fin­den Sie unser Hotel.

Eigen­wer­bung des „Johan­ni­ter­bads”.

Still­stand ist Rück­schritt. Im „Johan­ni­ter­bad” im Johann­ser­ort hat man’s immer schon so gehal­ten. Ste­tig wur­de reno­viert und nach­ge­bes­sert, war das letz­te Zim­mer frisch gemacht, fing es beim ers­ten Zim­mer wie­der von vor­ne an. Nun steht eine grö­ße­re Erwei­te­rung an. Tobi­as Mai­er, Küchen­chef und der des Hotels, steht der NRWZ spon­tan Rede und Ant­wort. Denn an die­sem Mitt­woch­abend ist es in der Gemein­de­rats­sit­zung durch­ge­si­ckert: dass Mai­er „irgend­was plant.”

Die­ses „Irgend­was”, das haben Anwoh­ner des Johann­ser­orts, Nach­barn Mai­ers, zum Anlass genom­men, in der Bür­ger­fra­ge­stun­de im Rah­men der Gemein­de­rats­sit­zung nach­zu­ha­ken. Was das „Irgend­was” bedeu­te, woll­ten sie wis­sen. Ihr Wort­füh­rer ist der­je­ni­ge, der einen ummau­er­ten Teil des Kame­ra­l­amts­gar­tens der­zeit gepach­tet hat. Die­ser sehr idyl­li­sche Gar­ten steht ihm und beim Johann­ser­ort­fest sei­nen Nach­barn zur Ver­fü­gung, dann bis spät in die Nacht.

Jetzt soll die­ser Gar­ten weg­fal­len. Park­plät­ze sol­len dort ent­ste­hen. Die­se muss Mai­er aus­wei­sen, wenn er wei­te­re Gäs­te auf­neh­men, wenn er sein Hotel erwei­tern will. Alles nur vor­über­ge­hend, so die Aus­sa­ge von Fach­be­reichs­lei­ter Lothar Huber am Mitt­woch. Nach fünf Jah­ren könn­ten die Park­plät­ze wie­der weg­fal­len. Der Teil des Kame­ra­l­amts­gar­ten wür­de dann der All­ge­mein­heit zur Ver­fü­gung gestellt. Ver­sprach Huber. Die NRWZ hakt bei Mai­er nach. „Das ist der aktu­el­le Stand”, sagt er. Und wo par­ken dann sei­ne Gäs­te? Im neu­en Park­haus Bahn­hof­stra­ße 1? Hier zögert Mai­er und sagt dann noch­mal: „Ja, das ist der aktu­el­le Stand.”

Das plant Mai­er: Das „Johan­ni­ter­bad” soll um ein Geschoss auf­ge­stockt wer­den. „Die Zeit ist rich­tig dafür”, die Geschäfts­zah­len gäben das her „und die nächs­te Genera­ti­on steht bereit”, Mai­ers Nach­fol­ger. Außer­dem soll die bestehen­de Emp­fangs­hal­le des Hotels erwei­tert wer­den. Die aktu­el­le ent­spre­che nicht mehr dem Bedarf sei­ner Kund­schaft. Wäh­rend er das sagt, parkt ein dicker Schwei­zer Gelän­de­wa­gen vor sei­nem Hotel. Ein Paar älte­ren Semes­ters steigt aus. Bes­tens geklei­det. Sanft lächelnd. Mai­er grüßt höf­lich.

Seit 2007 trägt er sich mit dem Gedan­ken, zehn Jah­re schon, seit zwei Jah­ren plant er. Die Plä­ne sind soweit fer­tig, jetzt haben eben auch die Nach­barn Wind davon bekom­men. Der Hotel­chef ver­spricht ihnen, den Umbau ver­träg­lich zu gestal­ten. Und nach­hal­tig. Was ohne­hin sein Leit­mo­tiv sei. Er wis­se, dass er mit sei­nem Betrieb für Ver­kehrs­fluss im Vier­tel sor­ge, aber er wol­le es sich belei­be mit nie­man­dem ver­der­ben, ver­si­chert er.

Mai­er betont im Gespräch mit der NRWZ, dass es ihm wich­tig sei, den Pro­zess mit den Anwoh­nern gemein­sam zu meis­tern. Er wol­le sich kei­ne Fein­de machen, sagt er, kom­me gut mit sei­nen Nach­barn aus.

Was er brau­che, sei­en Park­plät­ze nahe am Hotel. Tou­ris­ten kön­ne man viel­leicht auf­er­le­gen, nach dem Aus­la­den das Auto weg­zu­par­ken und dann ein paar Meter zu lau­fen. Geschäfts­rei­sen­den nicht. Die kämen gestresst an, woll­ten auf dem Zim­mer noch am Lap­top arbei­ten. Und die­se sei­en sei­ne haupt­säch­li­che Kli­en­tel, so Mai­er, der sein Hotel mit 49 Mit­ar­bei­tern betreibt.

Inso­fern geschieht das unab­hän­gig von Test­turm und Hän­ge­brü­cke, ver­si­chert der Hotel­be­trei­ber und Koch. 2007 gab es die­se bei­den ja nicht mal als Idee, wohl aber sei­ne Erwei­te­rungs­plä­ne.

Der Kame­ra­l­amts­gar­ten nun ist ein his­to­ri­sches Fleck­chen in Rott­weil. „Beim staat­li­chen Hoch­bau­amt liegt der abge­schie­de­ne Kame­ra­l­amts­gar­ten. Hier stan­den einst der Johan­ni­ter­turm und die Johan­ni­ter­kir­che, wie sie zum Bei­spiel noch auf der Pür­sch­ge­richts­kar­te von 1564 zu sehen sind”, ver­mer­ken die „Rott­wei­ler Bil­der.” „Ich kom­me hier erst an drit­ter Stel­le bei den Pla­nun­gen”, sagt „Johanniter”-Chef Mai­er. Erst käme das Land, dem der Gar­ten gehört, dann die Denk­mal­schutz­be­hör­de und dann er.

Bald soll das The­ma öffent­lich behan­delt wer­den. Dar­an ist der Stadt­ver­wal­tung eben­so gele­gen wie Mai­er. Bei­de Sei­ten ver­spra­chen, in weni­gen Wochen kon­kre­te Plä­ne vor­le­gen zu wol­len.