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Dienstag, 10. Dezember 2019
Start Rott­weil Rott­wei­ler Schu­len nur für Rott­wei­ler Schü­ler?

Rottweiler Schulen nur für Rottweiler Schüler?

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Rott­weil. Eigent­lich geht’s der Stadt gut. Sie ist schul­den­frei. Doch sie gibt mehr aus, als sie ver­dient – und das wird in zwei, drei Jah­ren unwei­ger­lich zu neu­en Schul­den füh­ren. Dies lässt wie­der­um ein­zel­ne Rott­wei­ler Stadt­rä­te über­le­gen, wo Geld gespart wer­den kann. Man­ches stand bald fest – so ist ein geplan­tes, teu­res Park­haus jetzt auf der Streich­lis­te. Aber es gibt auch ehe­ma­li­ge Tabus, die plötz­lich kei­ne mehr sind. Etwa die­ses: Soll vom Image des Schul­stand­orts abge­rückt wer­den? Rott­wei­ler Schu­len nur für Rott­wei­ler Schü­ler?

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Eine ers­te Emp­feh­lung an die Stadt­rä­te Rott­weils, nach­dem ihre Idee von der begrenz­ten Schü­­ler-Zuwan­­de­­rung bekannt gewor­den ist. Quel­le: Face­book

Ein beson­ders pre­kä­res Bei­spiel: das Dros­­te-Hül­s­hoff-Gym­­na­­si­um. Es muss saniert oder neu errich­tet wer­den, was bei­des nach aktu­el­len Berech­nun­gen unge­fähr gleich teu­er kom­men wird. Eine Sanie­rung liegt bei 12.4 Mil­lio­nen Euro, ein kom­plet­ter Neu­bau käme auf rund 14,7 Mil­lio­nen. Also wohl Neu­bau.

Das Pro­blem ist aber ein ande­res: Am Bei­spiel des DHG ”wird klar, wie rat­los, ja hilf­los wir sind.” So sag­te es der Stadt­rat der Frei­en Wäh­ler und ehe­ma­li­ge Leh­rer Wal­ter Steg­mann bei der Haus­halts­ver­ab­schie­dung am Mitt­woch im Gemein­de­rat. Er sag­te auch: ”Wir wis­sen nicht, wie wir die Sanie­rung oder bes­ser – unter dem Gesichts­punkt der Nach­hal­tig­keit – einen Neu­bau stem­men sol­len, wir wis­sen jedoch, dass bau­li­cher Zustand und Raum­be­darf jeweils aus­ge­spro­chen pro­ble­ma­tisch ist und dass die­ses Gym­na­si­um sich gleich­zei­tig eines gro­ßen Zuspruchs gera­de auch bei aus­wär­ti­gen Schü­lern erfreut.”

Was er damit – blu­ten­den Her­zens, wie er erwähn­te – trans­por­tie­ren will: Rott­weil gibt auch viel Geld aus, um Schul­stand­ort zu sein für die umlie­gen­den Gemein­den, um Schü­ler aus ihren Werk­re­al­schu­len vor Ort weg­zu­lo­cken auf den Cam­pus in der Kreis­stadt. Rott­weil müs­se sich also über­le­gen, inwie­weit die­ser Sta­tus auf­recht erhal­ten wer­den sol­le.

Dem Land müs­se das Dilem­ma ver­mit­telt und deut­lich wer­den, dass die Kom­mu­ne über die rei­nen Sach­kos­ten­bei­trä­ge für die Schü­ler hin­aus Hil­fe brau­che oder womög­lich über den gro­ßen Zustrom aus dem Umland ein­mal kri­tisch nach­den­ken müs­se, sag­te Steg­mann.

Im Klar­text: Ent­we­der, die Zuschüs­se vom Land stei­gen, oder der Zustrom wird begrenzt.

”Dahin­ter zeigt sich aber ein grund­sätz­li­cher Zwie­spalt”, so Steg­mann wei­ter: ”Einer­seits sind wir stolz auf Rott­weil als Bil­dungs­stand­ort, wir haben viel getan und tun immer noch viel für die Kin­der­gär­ten, für die Schu­len, für die Gym­na­si­en, mit fle­xi­blen Öff­nungs­zei­ten, mit guter Per­so­nal­aus­stat­tung, mit Ganz­ta­ges­be­treu­ung, mit Schul­so­zi­al­ar­beit und so wei­ter im Sin­ne von Ver­ein­bar­keit von Fami­lie und Beruf. Aber ande­rer­seits sto­ßen wir an Gren­zen.” Das bedeu­te, dass das Leit­bild Rott­weils als Schul­stand­ort ”an die finan­zi­el­len Gege­ben­hei­ten” ange­passt wer­den müs­se.

Die­sel­ben – bis vor kur­zem noch undenk­ba­ren, nun aber laut for­mu­lier­ten – Gedan­ken etwa auch bei der SPD. Deren Spre­cher Ralf Arm­le­der etwa möch­te ”dar­über hir­nen, wie vie­le Schü­ler und für wel­ches Umland Rott­weil sei­ne Gym­na­si­en prä­sen­tie­ren soll.” Er aber gab vor, nicht gleich ”am Schul­stand­ort krat­zen” zu wol­len.

Begrenz­te Zuwan­de­rung zu den Rott­wei­ler Gym­na­si­en also? Die­se For­de­rung ist ange­sichts dro­hen­der Schul­den in Rott­weil und damit ein­her gehen­der inten­si­ver Aus­ga­ben­kri­tik kei­ne ver­werf­li­che mehr.

Ein Plan, der sofort inten­siv dis­ku­tiert und beur­teilt wird. So pos­tet ”Hazel Grace” auf der NRWZ.de-Facebookseite das Bild von einer Glas­kup­pel über Rott­weil, die Klein­stadt also her­me­tisch abge­rie­gelt gegen alles Böse von außen. ”Hazel Grace”: ”Tschul­di­gung aber das konn­te ich mir jetzt ein­fach nicht ver­knei­fen …”

Adri­an Muric mut­maßt, dass die Rott­wei­ler Gemein­de­rä­te gar so unver­fro­ren sein könn­ten, die Schü­ler aus den Rott­wei­ler Teil­or­ten aus­zu­sper­ren. Davon war kei­ne Rede – aber es wird die Sache für ihn nicht bes­ser machen, wenn klar ist, dass Die­tin­ger, Deiß­lin­ger und Dun­nin­ger gemeint sind. Und Vil­lin­gen­dor­fer, Zim­mer­ner und, und, und. Muric schreibt: ”Wohl ein Scherz, oder? Haben Kin­der aus Teil­or­ten also künf­tig nicht mehr das Recht auf Bil­dung bzw die Mög­lich­keit auf Grund ihres Wis­sens und ihrer Intel­li­genz sich dem­entspre­chend wei­ter ent­wi­ckeln zu kön­nen, weil man ihnen den Besuch auf die­sen Schulen ver­wei­gert, da sie nicht aus Rott­weil sind? Wo soll das noch enden? So kann man natür­lich ganz klar Ab-und Ausgrenzen.…..Gespart gehört an ande­ren Stellen…aber bestimmt nicht da. Werd mich nun hüten, zu schrei­ben an wel­chen Stel­len, aber ich bin mir sicher, das die Mehr­heit der ‘”nor­ma­len” Bür­ger wis­sen, wo mit Sicher­heit ein­zu­spa­ren ist!”

Den­nis Hen­ry Rott­ler denkt wei­ter: ”Und fol­ge­rich­tig Frei­bur­ger Unis nur für Frei­bur­ger, oder will sich Rott­weil künf­tig noch ne Uni­ver­si­tät leis­ten? Das kos­tet aber ein paar Euros mehr als die ein­ge­spar­ten Gym­na­si­as­ten.”

”Jum­bo Zucker­bä­cker” hat vie­le Fra­ge­zei­chen übrig für die­se Idee: ”????? kann nur von Dumpf­ba­cken kom­men! Dür­fen nur noch Rott­wei­ler ins Aqa­sol? oder …” Er ergänzt: ”Und ich könn­te aus dem ”Steh­greif” vie­le Pos­ten im Rat­haus strei­chen!!! das wäre Ein­spa­rung! oben ange­fan­gen.”

”Mo Ne Schmie­der” macht die Sache zum Eklat für die Stadt. Sie erklärt: ”Gut zu wis­sen.… wir ste­hen gera­de vor genau die­ser Ent­schei­dung. Die Rott­weil Gym­na­si­en waren in enger Aus­wahl. In dem Fall bin ich ja froh, dass es GUTE Alter­na­ti­ven gibt, so kön­nen wir uns die Besich­ti­gun­gen auch spa­ren. Wenn Rott­weil sich das leisten kann.… aber eins ist sicher, wenn Rott­weil unse­re Kin­der nicht haben will, dann bekommt ihr auch nicht unser Geld, ich kann gut woan­ders ein­kau­fen. WIR sind nicht auf Rott­weil ange­wie­sen. Dan­ke für so viel Fami­li­en­freund­lich­keit.”

Und Ralf Hube argu­men­tiert: ”Wer an Bil­dung spart wird frü­her oder spä­ter ver­lie­ren. Anstatt sich mal wie­der der ach so bösen Jugend und Kin­dern zuzu­wen­den und sei es den aus­wär­ti­gen Kin­der soll­te mal wie­der Geld in die Hand genom­men wer­den und ihnen eine Per­spek­ti­ve bie­ten. Aber alle wun­dern sich über die Jun­gend die den Rat­ten­fän­gern von heu­te nach­lau­fen.”

Auch Mario Schnei­der sieht es so: ”Spa­ren zu Las­ten der Bil­dung hat lang­fris­tig noch kei­nem was gebracht”, gefolgt von einem zwin­kern­den Smi­ley.

Und Manu­el Brun­nen­kant wähnt sich in der Sati­re­ab­tei­lung: ”Dann kön­nen sie ja das glei­che auf Poli­zei, Kran­ken­haus, Stra­ßen, Ein­kaufs­mög­lich­kei­ten anwen­den. Eige­ner Mikro­kos­mos! Mal sehen wo das noch hin­führt…”

Dies alles etwa eine Stun­de, nach­dem die NRWZ auf Face­book noch aus der Gemein­de­rats­sit­zung her­aus von der neu­en Ent­wick­lung berich­tet hat­te. Hier der Kom­men­tarstrang:

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4 Kommentare

  1. Ich ver­steh die gan­ze Dis­kus­si­on nicht. Uns fehlt Geld? Wie­so, kön­nen wir für die Infra­struk­tur­maß­nah­me des Turms so viel Geld aus­ge­ben, wo er uns doch angeb­lich nichts kos­ten wird?

  2. Die Gym­na­si­en sind Schu­len mit über­ört­li­cher Bedeu­tung. In sol­chen Fäl­len muß ähn­lich wie bei den Beruf­li­chen Schu­len der Land­kreis als Betrei­ber auf­tre­ten. Dann hören sol­che Dis­kus­sio­nen auf. Denn in der Tat ist es nicht Auf­ga­be einer Stadt, die Aus­bil­dung eines Teil der Kin­der aus den Nach­bar­ge­mein­den zu finan­zie­ren.

    Kom­mu­nen soll­ten nur dort als Schul­trä­ger auf­tre­ten, wo haupt­säch­lich die Kin­der aus die­ser Gemein­de aus­ge­bil­det wer­den, ggf. kön­nen Kom­mu­nen auch zusam­men­ar­bei­ten als Schul­trä­ger.

    Die bes­te Lösung wäre aber immer noch, wenn das Land die Finan­zie­rung aller Schul­ar­ten kom­plett über­neh­men wür­de. Sonst fängt mor­gen noch die Debat­te dar­über an, daß wir hier die Aus­bil­dung von Inge­nieu­ren finan­zie­ren, die mor­gen im Groß­raum Stutt­gart arbei­ten und dort für Steu­er­ein­nah­men sor­gen.

  3. Teil 2 – Hof­fen die Rott­wei­ler ”Gscheit­le” etwa dar­auf, dass wenn die Umland­ge­mein­den kei­ne Bil­dung mehr abbe­kom­men, dass dann dort die Kri­mi­na­li­tät steigt und damit die Anzahl der Insas­sen im Rott­wei­ler Gefäng­niss – und somit auch die Ein­nah­men im Städt­sä­ckel? Lie­ber Rott­wei­ler Nar­ren­rat, sor­ry Gemein­de­rat, wenn ihr euch da nicht mal ver­rech­net hat. Zukunfts­fä­hig­keit und Weit­blick sieht anders aus. Vie­leicht hilft da ja der Turm um mal über die engen Stadt­mau­ern zu schau­en.

  4. Ich wuss­te es ja schon immer die Rott­wei­ler sind komi­sche Leut. Alle Welt redet von Bil­dung, Fach­kräf­te­man­gel über­all. Mit dem neu­en Turm will man inno­va­ti­ve Unter­neh­men anlo­cken. Aber wenn es um die Bil­dung geht will man das Stadt­tor zuschlies­sen. Frem­de uner­wünscht? Alle? Nicht alle! Für Straf­tä­ter schei­nen die Rott­wei­ler Obe­ren das Stadt­tor weit zu öff­nen. Eine ganz neue Art der ”Will­kom­mens­kul­tur”. Hof­fen die Rott­wei­ler ”Gschei­te­le

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