Nie geplant: ein buntes Kinder-Windrädle auf der Testturm-Spitze. Doch wird es dort auch keine richtige Windkraftanlage geben. Fotomontage: Schwarzwälder Bote
Nie geplant: ein buntes Kinder-Windrädle auf der Testturm-Spitze. Doch wird es dort auch keine richtige Windkraftanlage geben. Fotomontage: Schwarzwälder Bote

Es ging ihnen nie um ein bun­tes Kin­der­wind­räd­le auf der Spit­ze des thyssenkrupp-Test­turms, auch wenn ein sol­chen Bild kur­siert. Es ging ihnen um die Gewin­nung erneu­er­ba­rer Ener­gie, um den Turm als ener­ge­ti­sches Leucht­turm­pro­jekt. Nun geben die Leu­te vom Arbeits­kreis Kli­ma­schutz der Loka­len Agen­da 21 auf. Sie konn­ten kei­nen der Pro­jekt­ver­ant­wort­li­chen begeis­tern.

Der ganze Turm, das ganze Windrädle. Fotomontage: Schwarzwälder Bote
Der gan­ze Turm, das gan­ze Wind­räd­le. Foto­mon­ta­ge: Schwarz­wäl­der Bote

Rott­weil (gg). Ein Wind­rad auf des Tur­mes Spit­ze, in den Far­ben des Regen­bo­gens: Die­ses Bild zeig­te die ört­li­che Tages­zei­tung. Den Arbeits­kreis-Mit­glie­dern aber ging es offen­bar um etwas ande­res: um ein 100-Kilo­watt-Wind­rad ganz oben und eine 300-Kilo­watt-Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge an der Fas­sa­de. Das lag für die Ener­gie­kämp­fer auf der Hand: Die Turm­spit­ze bie­te die höchs­te Naben­hö­he in Deutsch­land und Wind­ge­schwin­dig­kei­ten wie an der Küs­te. Auf die Turm­fas­sa­de fal­le kein Schat­ten, wes­halb die Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge sehr leis­tungs­fä­hig sein kön­ne. Einen Strom­ertrag von 300.000 Kilo­watt­stun­den errech­ne­ten die Agenda­leu­te, was nach ihren Anga­ben 600 Men­schen mit Haushats­strom ver­sor­gen kön­ne. Ver­gleichs­ver­brau­cher: Johan­nes Haug vom Agen­da-Arbeits­kreis Kli­ma­schutz.

So steht es in einer Pres­se­infor­ma­ti­on, die mehr eine Stich­wort­samm­lung ist. Die davon berich­tet, dass Rott­weils Ober­bür­ger­meis­ter Ralf Broß sich im August 2013 in einem Schrei­ben an den Arbeits­kreis noch für den Turm als „Leucht­turm­pro­jekt für erneu­er­ba­re Ener­gi­en” aus­ge­spro­chen habe. Und es berich­tet davon, dass thyssenkrupp selbst so wer­be: „Nach­hal­ti­ger Ein­satz für Kli­ma und Umwelt ist für uns eine wich­ti­ge Auf­ga­be.” Die Sta­tik – „wäre kein Pro­blem, müss­te gege­be­nen­falls neu berech­net wer­den”, argu­men­tiert der Arbeits­kreis. Bei sehr hohen Wind­ge­schwin­dig­kei­ten kön­ne das Wind­rad auch gestoppt wer­den. Der Bebau­ungs­plan müs­se halt geän­dert wer­den.

Selbst den Lan­des-Umwelt­mi­nis­ter Franz Unter­stel­ler hat­ten die Agenda­leu­te für ihre Anlie­gen inter­es­siert. Bei der Besich­ti­gung der Bau­stel­le auf dem Ber­ner Feld frag­te er nach den Chan­cen einer  Wind­kraft­an­la­ge auf dem Test­turm. Doch auch ihm gegen­über zeig­te sich thyssenkrupp-Euro­pa­chef Alex­an­der Kel­ler skep­tisch: Solch ein Wind­rad kön­ne den Turm zusätz­lich zum Schwin­gen brin­gen, außer­dem sei­en die Test­be­din­gun­gen für die Auf­zü­ge in Gefahr.

Wei­ter gab der Arbeits­kreis nicht auf, doch jetzt, nach Mona­ten erfolg­lo­sen Wer­bens, reicht es. „Lei­der haben unse­re Bemü­hun­gen, den Test­turm zu einem Leucht­turm­pro­jekt für erneu­er­ba­re Ener­gie zu machen, kei­nen Erfolg gehabt”, schreibt Johan­nes Haug in einer E-Mail am Frei­tag­mor­gen der NRWZ. 

thyssenkrupp hat­te zuvor noch einen Ansprech­part­ner genannt. Die­ser habe sich viel Zeit genom­men, so Haug. Sie hät­ten über sta­ti­sche The­men gespro­chen, Haug hör­te her­aus, dass es eigent­lich kein Pro­blem gewe­sen wäre, ein ordent­li­ches Wind­rad auf den Turm zu set­zen. Aber das woll­te außer den Arbeits­kreis­leu­ten ein­fach nie­mand wirk­lich.

Haug bleibt auch nach dem Gespräch mit dem Esse­ner thyssenkrupp-Pro­jekt­lei­ter dabei, immer­hin ist er selbst Inge­nieur und Pla­ner: „Es wäre Arbeit gewe­sen, tech­nisch aber mög­lich.” Doch sei es jetzt eben zu spät. Die Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge an der Fas­sa­de hat­ten Haug & Co. schon recht früh­zei­tig auf­ge­ge­ben – bei der geplan­ten trans­pa­ren­ten Fas­sa­den­mem­bran pas­se die eben nicht.

An Aus­sa­gen des Ober­bür­ger­meis­ters zwei­felt Haug zwar noch, aber er gibt auf. So hat­te Broß im Okto­ber 2014 laut Haug noch gesagt, das Wind­rad sto­ße bei den Behör­den auf arten­schutz­recht­li­che Beden­ken, doch habe Haug bei sei­nen Recher­chen im zustän­di­gen Land­rats­amt nichts der­glei­chen bestä­tigt bekom­men.

Wie auch immer: Die Gewin­nung erneu­er­ba­rer Ener­gi­en am Test­turm ist nicht im Inter­es­se der Betei­lig­ten. Das hat Haug ver­stan­den.

Auf Nach­fra­ge der NRWZ sagt er: „Wir sind schon lan­ge an dem The­ma dran, haben gleich damit begon­nen, für erneu­er­ba­re Ener­gi­en zu wer­ben, als der Turm­bau bekannt wur­de. Jetzt aber ist der Zug abge­fah­ren.” Zwar sei der Turm noch nicht gebaut, aber die Pla­nung ste­he längst

Wir sind auch etwas ent­täuscht. Der Wil­le ist ein­fach nicht da.” Immer­hin inves­tie­re der Auf­zug­bau­er in Ener­gie­rück­ge­win­nung, in spar­sa­me Auf­zug­sys­te­me, trös­tet sich Haug. Aber rege­ne­ra­ti­ve Ener­gi­en am, Rott­wei­ler Test­turm, das wär’s für ihn halt gewe­sen.