Rund 200 interessierte Besucher beim Herbstsymposium für Psychiatrie und Psychotherapie

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Rund 200 Fachleute und interessierte Besucher konnte Geschäftsführer Thomas Brobeil beim 26. Rottweiler Herbstsymposium im Vinzenz von Paul Hospital begrüßen. Foto: Pfautsch

ROTTWEIL – Das Vin­zenz von Paul Hos­pi­tal Rott­weil hat­te zum 26. Rott­wei­ler Herbst­sym­po­si­um für Psych­ia­trie und Psy­cho­the­ra­pie ein­ge­la­den. Rund 200 inter­es­sier­te Besu­cher ver­folg­ten die Bei­trä­ge unter dem Leit­the­ma „Krank­sein im Span­nungs­feld von Innen­welt und Außen­welt“.

Dr. Bri­git­te Bos­se, Lei­te­rin des Trau­ma­in­sti­tuts Mainz, wid­me­te ihr Refe­rat dem The­ma der dis­so­zia­ti­ven Iden­ti­täts­stö­rung, frü­her auch unter dem Begriff der mul­ti­plen Per­sön­lich­keit beschrie­ben. In Fol­ge von schwe­rer früh­kind­li­cher Trau­ma­ti­sie­rung mit schwe­rer Ver­nach­läs­si­gung, kör­per­li­chen Miss­hand­lun­gen, sexu­el­lem Miss­brauch oder auch ritu­el­ler Gewalt kann es zu Dis­so­zia­tio­nen (Abtren­nun­gen) kom­men. Es ent­ste­hen ver­schie­de­ne, wech­seln­de Per­sön­lich­keits­an­tei­le, die getrennt und nicht mit­ein­an­der ver­ein­bar im Per­sön­lich­keits­re­per­toire abge­legt sind. The­ra­pie ist mög­lich und erfolg­ver­spre­chend, aber schwie­rig, lang­wie­rig und braucht ein sehr gutes the­ra­peu­ti­sches Netz­werk.

Prof. Dr. med. Mar­tin Lam­bert vom Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Ham­burg-Eppen­dorf berich­te­te in sei­nem anschau­li­chen Vor­trag von sei­nen Erfah­run­gen in der Früh­erken­nungs­am­bu­lanz und beton­te die Not­wen­dig­keit der recht­zei­ti­gen Behand­lung von psy­chi­schen Erkran­kun­gen. Er konn­te in ein­drucks­vol­ler Wei­se auf­su­chen­de Behand­lungs­for­men wie das „Cri­sis Reso­lu­ti­on and Home Tre­at­ment (CRHT)“ oder „Asser­ti­ve Com­mu­ni­ty Tre­at­ment (ACT)“ im Ham­bur­ger Modell der Inte­grier­ten Ver­sor­gung ver­an­schau­li­chen. Es zei­gen sich hier im Ver­gleich zur Stan­dard­be­hand­lung nied­ri­ge­re Behand­lungs­ab­brü­che, signi­fi­kan­te Ver­bes­se­run­gen hin­sicht­lich Psy­cho­pa­tho­lo­gie, Lebens­qua­li­tät und Behand­lungs­zu­frie­den­heit und ein Rück­gang von Zwangs­ein­wei­sun­gen.

Prof. Dr. Ger­hard Esch­wei­ler, Lei­ter des Ger­ia­tri­schen Zen­trums und Ober­arzt der psych­ia­tri­schen Uni­ver­si­täts­kli­nik Tübin­gen beleuch­te­te umfas­send das The­ma Delir im Alter, Dif­fe­ren­ti­al­dia­gnos­tik und aktu­el­le The­ra­pie­stra­te­gi­en, wobei deut­lich wur­de, dass es sich um ein syn­droma­les Stö­rungs­bild han­delt, das in ers­ter Linie durch eine akut auf­ge­tre­te­ne Ver­wirrt­heit domi­niert und eine the­ra­peu­ti­sche Her­aus­for­de­rung für alle Fach­ge­bie­te inner­halb der Medi­zin und auch für alle dar­in befind­li­chen Berufs­grup­pen dar­stellt.

Trotz Ein­sicht in die Such­ter­kran­kung und Bereit­schaft, sich einer qua­li­fi­zier­ten The­ra­pie zu unter­zie­hen, sind Alko­hol- bzw. Dro­gen­rück­fäl­le stän­di­ge Beglei­ter der Sucht­kran­ken. Des­halb besteht ein wich­ti­ger sucht­the­ra­peu­ti­scher Ansatz dar­in, die Kran­ken in die Lage zu ver­set­zen, dro­hen­de Rück­fäl­le mög­lichst recht­zei­tig zu erken­nen, um ihnen wirk­sam begeg­nen zu kön­nen. Prof. Ste­fan Schmidt von der Uni­ver­si­tät Frei­burg stell­te in sei­nem Refe­rat eine in den ver­gan­ge­nen Jah­ren in den USA ent­wi­ckel­te Metho­de der Rück­fall­prä­ven­ti­on vor, die sich auf Acht­sam­keit als Lebens­hal­tung grün­det. Dabei kommt es für den Kran­ken dar­auf an, kon­se­quent die Fähig­keit zu kul­ti­vie­ren, mit sei­nen Gedan­ken und Gefüh­len nüch­tern und bewusst in der Gegen­wart zu sein, um so eige­ne, oft tief ver­an­ker­te, krank­ma­chen­de Denk- und Ver­hal­tens­mus­ter als sol­che zu erken­nen und die Rück­fall­ge­fahr durch die bewuss­te Wahl alter­na­ti­ver, nicht sucht­be­zo­ge­ner Ver­hal­tens­wei­sen zu mini­mie­ren. Die­ser The­ra­pie­an­satz wird inzwi­schen welt­weit mit Erfolg ange­wandt.

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