Derbe Satire: Der Postillon macht sich über Heckler & Koch lustig.
Derbe Satire: Der Postillon macht sich über Heckler & Koch lustig.

Auf der­be Wei­se macht sich das Online-Sati­re­ma­ga­zin „Der Pos­til­lon” über den Obern­dor­fer Waf­fen­her­stel­ler Heck­ler & Koch lus­tig. Die NRWZ hat den Bei­trag auf Face­book geteilt – und bekommt auf die Müt­ze.

Rott­weil (gg). „Dep­pen”, „gewis­sen­lo­se Tin­ten­pis­ser”, „Voll­pfos­ten”, „kennt ihr mie­sen Schrei­ber­lin­ge kein Gewis­sen? Man soll­te euch in Tin­te ersäu­fen” – einer der Fans der NRWZ-Face­book­sei­te ver­gaß sei­ne Erzie­hung gänz­lich. Doch auch ande­re mach­ten ihrem Ärger Luft: „So ein Rotz .…. so Nach­rich­ten braucht kein Mensch”, kom­men­tiert einer, Oder: „Juhu die NRWZ macht jetzt einen auf Bild Zei­tung, nur in schlecht!”. Und: „Sor­ry, aber ihr tickt doch nicht rich­tig!”. Und, deut­lich fei­ner for­mu­liert: „Also ich fin­de des nicht lus­tig nich­mal als Sati­re. Da seid ihr etwas zu weit gegan­gen.” Den­noch: „Schwach­sinn – was soll die­se Mel­dung.”

Das sind Reak­tio­nen von NRWZ.de-Facebookfans auf ein Pos­ting der Redak­ti­on am Mitt­woch. Ein knap­pes, das nur aus dem Wort „Fund­stück” und einem Zwin­ker-Smi­ley bestan­den hat­te. Doch es hat­te es in sich. Mäch­tig.

Der von der NRWZ geteil­te Bei­trag stamm­te vom Pos­til­lon – eigent­lich bekann­ter­ma­ßen ein Online-Sati­re­ma­ga­zin mit sehr gro­ßer Fan­ge­mein­de, das kein Blatt vor den Mund nimmt. Abso­lut gar kein Blatt. Über den Waf­fen­her­stel­ler Heck­ler & Koch, als Unter­neh­men und Her­stel­ler des umstrit­te­nen G36-Gewehrs immer auch Gegen­stand der Bericht­erstat­tung der NRWZ. schrieb der Pos­til­lon einen der­ben Bei­trag unter dem Titel: „Aus Scham: G36-Kon­struk­teur ver­sucht schon seit Tagen, sich mit G36 zu erschie­ßen.”

Zitat: „Obern­dorf am Neckar (dpo) – Es ist wie ver­hext. Bereits seit meh­re­ren Tagen ver­sucht Waf­fen­kon­struk­teur Mar­kus F. ver­zwei­felt, sich das Leben zu neh­men, weil er die Kri­tik an dem von ihm ent­wor­fe­nen Sturm­ge­wehr HK G36 nicht ertra­gen kann.” So lei­tet der Pos­til­lon eine – natür­lich fik­ti­ve – Geschich­te über einen vor­geb­lich selbst­mord­ge­fähr­de­ten HK-Mit­ar­bei­ter ein. Dann wird geschil­dert, wie die­ser Mann, F., offen­bar ver­zwei­felt ver­sucht, sich mit einem G36 zu erschie­ßen. ” Seit­dem ertö­nen regel­mä­ßig Schüs­se und lei­ses Flu­chen aus dem Haus des 43-Jäh­ri­gen in Obern­dorf am Neckar.”

Die Pos­til­lon-Pos­se gip­felt in der Aus­sa­ge: „Eine Erstür­mung sei­nes Anwe­sens hält die Poli­zei für unnö­tig. Bis­her gebe es kei­ne Hin­wei­se dar­auf, dass sich in dem Haus eine gefähr­li­che Waf­fe befin­de, so die Beam­ten.”

Der Bei­trag wird vie­le, vie­le Male geteilt. Auch die NRWZ teilt ihn auf ihrer Face­book­sei­te – und gilt fort­an als schlecht nach­ge­mach­te Bild-Zei­tung und als Nest­be­schmut­zer. Ein Leser etwa erklärt, die NRWZ sol­le nicht „die aus der Luft gegrif­fe­ne Dif­fa­mie­rung eines deut­schen (und zudem welt­weit aner­kann­ten) Mar­ken­un­ter­neh­mens aus den eige­nen Rei­hen … unter­stüt­zen.” Als die Redak­ti­on ant­wor­tet, dass sie ihre Auf­ga­be nicht dar­in sieht, ein Unter­neh­men „zu unter­stüt­zen”, ändert der Leser sei­ne Argu­men­ta­ti­on: „Ich den­ke nicht, dass ein Unter­neh­men, wel­ches wahr­schein­lich mehr Mit­ar­bei­ter hat als die NRWZ Leser, die Unter­stüt­zung sel­bi­ger über­haupt nötig hat (und dabei sei bemerkt: nein, ich arbei­te NICHT dort). Und allein das Einreihen/Nachplappern der ‚Gro­ßen‘ bringt einen selbst kein Stück vor­an.”

Die Redak­ti­on kommt aus dem Stau­nen nicht her­aus – und gibt an der Stel­le auf. Das Ziel vor allem die­ses Lesers scheint nicht, eine Dis­kus­si­on zu füh­ren über Sinn und Unsinn von Sati­re, über Erlaub­tes und Uner­laub­tes, über die Men­ge des Spotts, die der­je­ni­ge zu ertra­gen habe, der den Scha­den hat. Son­dern: Die NRWZ soll ange­klagt wer­den. Scheiß-Bou­le­vard­blatt, elen­des.

Man­che Leser rei­ben sich eben­falls ein wenig ver­wun­dert die Augen. Einer etwa fin­det die „H&K‑Fanboys und ‑girls” lus­tig, „die der Fir­ma einen Hei­li­gen­schein ver­pas­sen wol­len.” Ein ande­rer meint bis­sig: „Sati­re setzt Humor und Intel­li­genz voraus.Beim Feh­len einer die­ser Zuta­ten geht der Schuss nach hin­ten los.…leider…”

Beschwich­ti­gun­gen und Erklä­run­gen wer­den von den NRWZ-/Pos­til­lon-Kri­ti­kern aber igno­riert.

Auch auf Twit­ter wird das The­ma bespro­chen, im Kurz­nach­rich­ten­stil, wie es dort üblich ist. „Ers­tes Gebot: Ken­ne dei­ne Ziel­grup­pe”, rät da einer der NRWZ. Und schickt einen Smi­ley hin­ter­her.

Ok. wir gehen in uns. Den­ken nach. Über unse­re Ziel­grup­pe.

Ein ers­tes Zwi­schen­er­geb­nis die­ses Denk­pro­zes­ses liegt bereits vor: Wir sind uns eigent­lich kei­ner Schuld bewusst. Und zitie­ren eine uns geneh­me Mei­nung, eben­falls auf der NRWZ.de-Facebookseite gepos­tet: „Ich wüss­te ger­ne, wie vie­le von den Leu­ten, die hier schrei­en, die Sati­re geht gar nicht, Anfang des Jah­res ‚Je suis char­lie‘ geschrien oder geschrie­ben haben!”

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