Wolfgang Vater (links) verband die Geschichte und die Bedeutung des Heilig-Kreuz-Münsters auf beeindruckende Art mit der Rottweiler Geschichte und dem politischen Zeitgeschehen der zurückliegenden Jahrhunderte.Foto: King

ROTTWEIL – „Dies ist ein Got­tes­haus und kein Muse­um.“ Dies stell­te Wolf­gang Vater bei der Füh­rung durch das Hei­lig-Kreuz-Müns­ter in Rott­weil gleich ein­mal klar. Wenn es nicht von vorn­her­ein allen Teil­neh­mern bei die­ser ganz beson­de­ren Ver­an­stal­tung der CDU-Senio­ren-Uni­on bewusst gewe­sen wäre, dann hät­ten die ein­zig­ar­ti­ge sakra­le Atmo­sphä­re und die sehr fein­füh­lig und fun­diert vor­ge­tra­ge­nen Erläu­te­run­gen durch den pro­fun­den Ken­ner Wolf­gang Vater dies mehr als deut­lich gemacht.

Er ver­stand es, sein umfas­sen­des Wis­sen die­ser Kir­che durch die zahl­rei­chen Hin­wei­se auch „auf Din­ge, die man nicht so oft sieht“, die man als Laie eher über­sieht, und mit sei­ner Schil­de­rung aller ver­tre­te­nen Stil­epo­chen allen Betei­lig­ten so nahe­zu­brin­gen, dass die atem­lo­se Stil­le und das Stau­nen fast zwangs­läu­fig war. Vor allem ver­stand es Wolf­gang Vater glän­zend, die Geschich­te des Müns­ters (im Jah­re 1950 war die Kir­che von Bischof Carl Josef Leiprecht, dem frü­he­ren Stadt­pfar­rer von Hei­lig Kreuz und damals seit einem Jahr Ober­hir­te des Bis­tums) in Zusam­men­hang zu brin­gen mit der Rott­wei­ler Geschich­te und den poli­ti­schen Gege­ben­hei­ten der ver­schie­de­nen guten wie auch schwie­ri­gen Zei­ten.

Kul­tur- und Zeit­ge­schich­te, reli­giö­ses Leben, die Bewun­de­rung über das so gut erhal­te­ne ein­zig­ar­ti­ge Ensem­ble der Glas­fens­ter und poli­tisch bri­san­te Bezü­ge gin­gen auf eine beein­dru­cken­de Art und Wei­se inein­an­der über.

Wenn ganz hin­ten in der Kir­che, nahe­zu ver­steckt, die Figur des hei­li­gen Josef Maria und das Kind schützt – eine ganz unge­wöhn­li­che erschei­nen­de Holz­plas­tik  -, dann konn­te Wolf­gang Vater auch die­se über­ra­schen­de Dar­stel­lung aus der dama­li­gen Zeit  deu­ten: die Natio­nal­so­zia­lis­ten woll­ten den 1. Mai als Tag des deut­schen Arbei­ters bege­hen. Der Künst­ler, Otto Kopp, in Rott­weil und Schram­berg zu Hau­se, schuf die­ses Werk, um damit Josef als den Schutz­herrn der Arbei­ter dem NS-Gedan­ken­gut ent­ge­gen­zu­set­zen. Wie auch der Blick nach oben zum Netz­ge­wöl­be als dem „Stein gewor­de­nen Him­mel“ und vie­le wei­te­re Details eine Teil­neh­me­rin wohl stell­ver­tre­tend für vie­le es so aus­drück­te: „Ich bin ja oft in die­ser Kir­che. Aber so vie­les habe ich nicht gewusst und sehe es nun mit ande­ren Augen.“

So blieb dem Kreis­vor­sit­zen­den der Senio­ren-Uni­on nur noch, sei­nem Vor­stands­mit­glied Wolf­gang Vater für die Füh­rung zu dan­ken, mit der die gut 40 Teil­neh­mer ein­tau­chen konn­ten in meh­re­re Jahr­hun­dert Zeit- und Sakral­ge­schich­te in Rott­weil. Bis hin zu der vor zwei Jah­ren abge­schlos­se­nen letz­ten gro­ßen Reno­vie­rung des Hei­lig-Kreuz-Müns­ters.

Ein­drü­cke, die blie­ben und die auch beim anschlie­ßen­den Früh­schop­pen in der Gast­stät­te „Zur Hoch­brü­cke“ wei­ter ver­tieft wur­den.