Rott­weil – Nach einem nahe­zu acht­mo­na­ti­gen Straf­pro­zess und 22 Ver­hand­lungs­ta­gen mit 69 Zeu­gen und sie­ben Gut­ach­tern im Fall der Prü­gel­at­ta­cke, die kurz vor Weih­nach­ten 2015 fast ein Todes­op­fer gefor­dert hät­te, hat die Ers­te Schwur­ge­richts­kam­mer des Land­ge­richts Rott­weil am Mitt­woch das Urteil ver­kün­det. Die bei­den Ange­klag­ten wur­den wegen ver­such­ten Tot­schlags und vor­sätz­li­cher Kör­per­ver­let­zung zu Haft­stra­fen von zehn bezie­hungs­wei­se neun Jah­ren ver­ur­teilt.

Sie haben nach Über­zeu­gung des Gerichts am 19. Dezem­ber 2015 gegen 5.15 Uhr der­art auf einen zufäl­lig auf der Stra­ße ange­trof­fe­nen Mann mit vier Zen­ti­me­ter dicken Stö­cken ein­ge­schla­gen, dass er schwers­te Schä­del­ver­let­zun­gen erlitt.

Er wer­de „ein Leben lang“ dar­un­ter lei­den, erklär­te Karl­heinz Mün­zer, der Vor­sit­zen­de Rich­ter. Bis heu­te sei der 21-Jäh­ri­ge arbeits­un­fä­hig, er lei­det unter Epi­lep­sie-Anfäl­len und dem­nächst muss sei­ne Schä­del­de­cke zum zwei­ten Mal auf­ge­schnit­ten wer­den, um eine Titan­plat­te ein­zu­set­zen – mit unge­wis­sem Aus­gang.

Das Opfer ist Koch mit der Abschluss-Note 1,0 nach der Leh­re, hat aber durch die Tat sowohl sei­nen Geschmacks- als auch sei­nen Geruchs­sinn ver­lo­ren. Ob er bei­des je wie­der erlan­gen wer­de, sag­te Mün­zer.

Sei­ne ein­ein­halb­stün­di­ge Urteils­be­grün­dung mach­te deut­lich, dass das Gericht auf Indi­zi­en ange­wie­sen war, die sich aller­dings nach Ansicht der drei Pro­fi- und zwei Lai­en­rich­ter zu einem stim­mi­gen Mosa­ik zusam­men­ge­fügt haben.

Der Raus­wurf aus einem Club in den frü­hen Mor­gen­stun­den war Aus­lö­ser für die Tat. Die bei­den rumä­ni­schen Staats­bür­ger, heu­te 34 und 38 Jah­re alt, sei­en alko­ho­li­siert und „mas­siv ver­är­gert“ gewe­sen“, sag­te der Vor­sit­zen­de Rich­ter. „Sie fühl­ten sich gede­mü­tigt, der Lächer­lich­keit preis­ge­ge­ben und ver­höhnt.“

In ihrer ohn­mäch­ti­gen Wut bewaff­ne­ten sie sich mit Stö­cken und such­ten nach Opfern. Dabei tra­fen sie auf zwei Freun­de, die auf ein Taxi war­te­ten. Der eine konn­te flüch­ten, der ande­re war mit sei­nem Han­dy beschäf­tigt und ent­kam so den Tätern nicht mehr recht­zei­tig.

Sie schlu­gen min­des­tens 30 Sekun­den auf den ste­hen­den und dann lie­gen­den Mann ein“, erklär­te Mün­zer. „Sie woll­ten ihn tot­schla­gen und lie­ßen ihn lie­gen – im Glau­ben, dass er stirbt.“

Die Ange­klag­ten nah­men das Urteil ohne äuße­re Gefühls­re­gung ent­ge­gen.