Spenden durch Weingenuss aus Zwölfliterflaschen namens Balthasar

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Eine Flasche voller Schokolade gabs von Nina und Michael Grimm fürs Kinderhospiz. Foto: pm

ROTTWEIL – Michael Grimm, Weinhändler aus Rottweil, hatte  ein einschneidendes Erlebnis. “Ich musste für ein Dinner nach London, und unterwegs zum Flughafen hab ich im Radio die Geschichte eines Vaters gehört. Er berichtete, wie er mit seinem Kind zum Sterben des Kindes nach Hamburg fahren musste, weil es im Süden kein Kinder Hospiz gab.

Es gibt etwa 3000 Kinder, die zum frühen Sterben verurteilt sind. In Stuttgart gibt es jetzt acht Plätze. Und wofür geben wir Steuerzahler nochmals sonst so viel Geld aus?” fragte er sich.  Als glücklicher Vater zweier gesunder Kinder berührte Michael Grimm das sehr. Wie konnte man helfen? Klar. Einfach ne Spende. Wird gleich erledigt, wenn er wieder zuhause ist, dachte er sich. Im Flugzeug dann stieß er in der Bordzeitung auf eine kleine Anzeige des Kinderhospizes Balthasar in Olpe.

Das brachte Michael Grimm auf eine weitere Idee. Gerade erst war die Ausstellung  im Forum Kunst eröffnet worden, für das er die 15-Liter-Flaschen, genannt Nebukadnezar, gespendet hatte, die dann von Künstlern gestaltet wurden. Balthasar ist die nächstkleinere Flaschengröße nach Nebukadnezar, da passen zwölf Liter rein. “Da war mir klar, was zu tun ist.”

Grimm schickte Mails an etliche seiner Kunden, und der Rücklauf war großartig. Er lud sie ein, feine Tröpfchen in eben diesen 12-Liter-Flaschen zu kaufen. Und er schrieb an verschiedene Weingüter in Bordeaux und bat um Angebote für Zwölfliterflaschen. Er selbst schlug dann 20 Prozent drauf,  “(+19 MwSt fürs Finanzamt, da der Schäuble hierbei wohl nicht mitmacht), die Nina und ich komplett dem Kinderhospiz spenden werden. Diese Offerte ist eine Non-Profit-Aktion. Wenn wir hier etwas bewegen können, ist das gut für Sie UND die Kinder.”

Ein Weingut, das er ebenfalls angeschrieben hatte, ist das Château Pape-Clement, zu dem Grimm einen guten Draht hat. “Bernard Magrez stellt uns die letzten Zwölf-Liter-Flaschen zweier Châteaux zur Verfügung. Die meisten hat er zwar verkauft, aber von den Weinen hat er noch was im Keller. Mit dem abgebildeten Label wird es deshalb keine weiteren Jahrgänge mehr geben. Somit auch noch eine Rarität!!!”

Sein Appell an die Kunden: “Sicher haben Sie Lust, einen guten Wein zu genießen und dieses gute Gefühl dabei zu haben, auch etwas für andere getan zu haben. In diesem Fall für todgeweihte Kinder.”

Und das kam an: “Wir konnten bereits 5000 Euro an das Kinderhospiz in Olpe und 1500 Euro nach Stuttgart überweisen. Nun kamen aber schon wieder Bestellungen hinzu. Weitere 2000 Euro werden wir wohl in Kürze überweisen können.”, schreibt der engagierte Weinhändler, der die Aktion weiterführen will.

Da aber die Kinder und ihre Eltern davon nur indirekt etwas mitbekommen, haben sich Michael und Nina Grimm noch etwas einfallen lassen. “Wir räumten kurzerhand die Süßigkeitenabteilung des Culinara und füllten eine Zwölfliter-Balthazarflasche mit Schokobons und schickten die süße Weinflasche. nach Olpe.”

Und Grimm schreibt: “Ich habe schon auch eine härtere Seite. Aber nicht, wenn es um Kinderschicksale geht. Da bin ich ein absolutes Weichei. Und es war klar, dass Nina und ich, auch aus Dankbarkeit für unsere gesunden Kinder, einen kleinen Tropfen auf diesen heißen Stein gießen wollen.”