Die alte Feuerwache in Rottweil. Foto: gg

Ein neu­es Stadt­mu­se­um auf dem Gelän­de der alten Rott­wei­ler Feu­er­wa­che? Mit die­sen Neu­bau­plä­nen spielt die Stadt­ver­wal­tung der­zeit. Das kam am Ran­de einer Dis­kus­si­on über neue Räu­me für die Rott­wei­ler Stadt­ka­pel­le zuta­ge. Die Grü­nen und FFR im Gemein­de­rat haben die Dis­kus­si­on mit Unter­stüt­zung der FDP los getre­ten. Eigent­lich gegen den Wil­len der Stadt­ver­wal­tung.

Wir befin­den uns in einer ganz frü­hen Pro­jekt­pha­se. Es exis­tie­ren viel­leicht Skiz­zen aber noch kei­ne Berech­nun­gen, kein Zeit­plan, der schon gar nicht. Allen­falls Gedan­ken. Und ein paar Vor­ga­ben: Das Stadt­mu­se­um soll­te end­lich moder­ni­siert wer­den. Die Waf­fen­samm­lung, der umfang­rei­che Nach­lass von Peter „Bür­ger­wehr” See­mann, braucht ein Zuhau­se. Und ein schö­nes, gro­ßes Fas­nets­mu­se­um, das stün­de Rott­weil auch gut an.

In so einer frü­hen Pha­se redet nie­mand von der Stadt­ver­wal­tung öffent­lich über ein Pro­jekt. Und doch: Am Mitt­woch sahen sich Ober­bür­ger­meis­ter Ralf Broß und Co. plötz­lich dazu gezwun­gen. Von Inge­borg Gek­le-Mai­er (Grü­ne) und Hei­de Frie­de­richs (FFR), die bei­de selbst über­rascht davon schie­nen, was sie los getre­ten haben.

Am Anfang war ein Prüf­an­trag der SPD-Frak­ti­on. Ob denn die alte Feu­er­wa­che geeig­net wäre, die Stadt­ka­pel­le auf­zu­neh­men, woll­ten die Genos­sen wis­sen (die NRWZ berich­te­te zuerst). Ist sie nicht, so die Ant­wort der Stadt­ver­wal­tung. Der Grund, im Wesent­li­chen: Ein Umbau wäre zu teu­er und zu auf­wän­dig.

So rich­tig ins Detail ging die Stadt­ver­wal­tung mit ihrer Begrün­dung nicht. Und das wurm­te Gek­le-Mai­er und Frie­de­richs. So sehr, dass sie etwa erklär­ten: „Wir sind nicht zufrie­den! Das wirft mehr Fra­gen auf, als dass es beant­wor­tet. Wir brau­chen Fak­ten!” (Gek­le-Mai­er). Und: „Wir sind unzu­frie­den mit der Ver­wal­tungs­vor­la­ge” (Frie­de­richs, die zudem mut­maß­te, dass die Stadt das Gebäu­de Schlacht­haus­stra­ße 1 absich­ti­lich her­un­ter wirt­schaf­ten wol­le, um es dann leich­ter abrei­ßen zu kön­nen.

Micha­el Ger­lich von der FDP pflich­te­te den bei­den Damen bei: „Man hat den Ein­druck, es gäbe Plä­ne, von denen wir nichts wis­sen. Und das ist unan­ge­nehm.” Der Mann hat­te damit den Nagel offen­bar auf den Kopf getrof­fen.

Denn die Stadt­ver­wal­tung trat direkt die Flucht nach vor­ne an. „Wir agie­ren hier nicht im Nebel her­um”, wies Ober­bür­ger­meis­ter Ralf Broß die auf­ge­kom­me­ne Kri­tik zurück, „wir haben kla­re Vor­stel­lun­gen” mit der alten Feu­er­wa­che. Er riet der noch halb­laut her­um meckern­den Frie­de­richs, „offen zuzu­hö­ren” und bat sie, „erst mal mit zu gehen.”

In der Fol­ge leg­te sich Stadt­bau-Chef Peter Hau­ser fest: „Es läuft auf einen Abbruch hin­aus.” Und sein Boss, Bau-Fach­be­reichs­lei­ter Lothar Huber ergänz­te, dass der Stand­ort in die Ent­wick­lungs­ach­se Näge­les­gra­ben-Innen­stadt gehö­re. Dort kön­ne, nach einem Abriss, ein Wohn- und Geschäfts­haus ent­ste­hen. „Es gibt schon den ein oder ande­ren Inter­es­sen­ten”, so Huber.

Und eben: das neue Rott­wei­ler Stadt­mu­se­um. „Der Stand­ort Altes Feu­er­wehr­ge­rä­te­haus kommt in Betracht”, so Broß, „wir den­ken in die Rich­tung.”

Aber was ist nun mit der Stadt­ka­pel­le? Der Kapel­le, die seit ewi­gen Zei­ten, so scheint’s, auf einen gro­ßen Pro­be­raum war­tet, in dem sie mit allen Musi­kern zusam­men kom­men kann, und in dem die Hor­nis­ten nicht den Kla­ri­net­tis­ten auf dem Schoß sit­zen müs­sen, wie es der Musi­ker und Stadt­rat Dr. Jür­gen Mehl for­mu­lier­te.

Dar­auf hat die Stadt­ver­wal­tung wei­ter­hin kei­ne Ant­wort. Sie habe, als es damals um das alte WKD-Gebäu­de ging, das dem alten Feu­er­wehr­haus direkt gegen­über liegt, schon geprüft, ob nicht Klas­sen­räu­me in einer der städ­ti­schen Schu­len, ob nicht die Stall- oder die Stadt­hal­le geeig­net wären, berich­te­te Broß. Sind sie alle nicht, erklär­te er wei­ter.

Broß beton­te aller­dings auch, dass die Stadt ihre Kapel­le – inklu­si­ve Voll­zeit-Diri­gent und kos­ten­lo­sem Pro­be­raum – mit jähr­lich um die 100.000 Euro unter­stüt­ze. Das dür­fe nicht ver­ges­sen wer­den. Und dass Stadt­ver­wal­tung und Stadt­ka­pel­le auch in einem engen Kon­takt mit­ein­an­der stün­den, dass sei­tens der Musi­ker und deren Vor­stands auch gro­ßes Ver­ständ­nis für die Situa­ti­on der Stadt herr­sche.

Was die Ver­wal­tung jeden­falls ver­mei­den will, ist eine vor­über­ge­hen­de Nut­zung der alten Feu­er­wa­che. Auch nicht für Wohn­zwe­cke – denn just in die­sen Tagen leert sich das Haus Schlacht­haus­stra­ße 1 qua­si von selbst, gehen die Bewoh­ner der drei Miet­ein­hei­ten, zie­hen um, ohne dass sie an die Luft gesetzt wer­den müss­ten. Was der Stadt auch die Mög­lich­keit eröff­ne, das Gebäu­de etwa abzu­rei­ßen, wenn die Nach­nut­zung beschlos­sen sei. 

Bei­de Häu­ser, WKD-Gebäu­de und Feu­er­wa­che, Schlacht­haus­stra­ße 2 und 1, ste­hen nach Aus­kunft der Stadt nicht unter Denk­mal­schutz. Sie sol­len nun einer „guten Stadt­ent­wick­lung zuge­führt” wer­den, wie Stadt­bau-Chef Hau­ser erklär­te. Wer weiß – viel­leicht am Ende ein Muse­um mit Pro­be­räu­men auch für die Stadt­ka­pel­le?

Die Dis­kus­si­on dar­über läuft, und dank zwei­er Stadt­rä­tin­nen jetzt auch öffent­lich. Wäre es nach der CDU, den Frei­en Wäh­lern und gar auch der den Prüf­an­trag stel­len­den SPD gegan­gen, wären die Plä­ne bis auf wei­te­res geheim geblie­ben. Denn die­se Frak­tio­nen hat­ten sich bereits mit der ursprüng­li­chen Ant­wort der Stadt­ver­wal­tung zufrie­den gege­ben.