Notsicherung einer Rippe von unten gesehen. FOTO: Berthold Hildebrand

ROTTWEIL – Was da her­aus kam, stand anfäng­lich nicht auf der Agen­da der geplan­ten Maß­nah­men zur Müns­ter­re­no­va­ti­on. „Im Rah­men der lau­fen­den Innen­sa­nie­rung kamen und kom­men die Restau­ra­to­ren den raum­um­schlie­ßen­den Flä­chen so nahe wie sonst nie. Dabei zeig­te sich in den Gewöl­be­scha­len ein Riss­bild, das Anlass zur Sor­ge gab”, so der lei­ten­de Archi­tekt Dr. Ste­fan Blum.

Ist der Bau in Bewe­gung? Woher kom­men die fei­nen Ris­se, die gehäuft im Süd­schiff zu beob­ach­ten sind? So begann im Som­mer 2016 eine Erkun­dung, die die­ser Tage mit der Defi­ni­ti­on der not­wen­di­gen Maß­nah­men ihren Abschluss in der theo­re­ti­schen Bear­bei­tung fand und jetzt ergän­zend zu den sons­ti­gen Arbei­ten umge­setzt wer­den muss.

Es zeig­te sich, dass eini­ge der Rip­pen­stü­cke gelo­ckert sind. Über der Kan­zel hängt gar ein Rip­pen­stück nur noch ein­sei­tig gehal­ten unter den Gewöl­be­kap­pen – ein sehr gefähr­li­cher Zustand. Aber wie kam es zu die­sen Miss­stän­den?“, fragt Blum. Haben es wort­ge­wal­ti­ge Pre­di­ger ver­gan­ge­ner Jahr­zehn­te etwa geschafft, dass der Him­mel über ihnen ins Wan­ken geriet?

Blum sagt, die Geo­me­trie der Gewöl­be sei eher schwie­rig. Die Rott­wei­ler Gewöl­be­flä­chen sei­en nur sehr wenig gebo­gen. Das mache sie an sich schon sehr anfäl­lig. Aber die­se grund­ge­leg­te Erkennt­nis brach­te eben noch kei­nen Auf­schluss dar­über, war­um wo wel­che Schä­den ein­ge­tre­ten sei­en. Durch die akri­bi­sche Unter­su­chung von Restau­ra­tor Fabi­an Scho­rer sei man der Sache letzt­lich auf die Spur gekom­men: Fast über­all dort, wo Schä­den vor­han­den sind, zeig­ten sich auch Spu­ren zurück­lie­gen­der Bear­bei­tung.

Mit einem Metall­de­tek­tor konn­te nach­ge­wie­sen wer­den, dass sämt­li­che gelo­cker­te Rip­pen kein ver­bin­den­des Metall­stück zur Nach­bar­rip­pe haben. Auch fehl­te dort der Blei­ver­guss zwi­schen den Rip­pen, der für die Kraft­schlüs­sig­keit unter den netz­ar­tig ver­bun­de­nen stei­ner­nen Bau­tei­len sorgt. Es sei deut­lich gewor­den, dass dort wo Schä­den vor­han­den sind, in der letz­ten Sanie­rung 1915 nur bedingt sach­ge­recht gear­bei­tet wur­de. So fällt der lau­fen­den Maß­nah­me die Kor­rek­tur der 1915 geschaf­fe­nen Situa­ti­on zu.

Dass der­art kom­ple­xe Auf­ga­ben­stel­lun­gen viel Zeit und gro­ßes Fach­wis­sen benö­ti­gen, liegt auf der Hand. Durch das enga­gier­te Bemü­hen des Ver­wal­tungs­aus­schus­ses konn­te Dr. Ralph Eger­mann aus Karls­ru­he als bera­ten­der Sta­ti­ker gewon­nen wer­den. Mit sei­ner Hin­zu­zie­hung war es mög­lich, ein ziel­ge­rich­te­tes Kon­zept zu ent­wi­ckeln, das in den nächs­ten Tagen umge­setzt wer­den wird“, so Blum.

Nun gehe es Im Wesent­li­chen dar­um, die gelo­cker­ten Rip­pen gegen­ein­an­der zu fes­ti­gen und so den sta­ti­schen Ver­bund wie­der her­zu­stel­len. Dazu bedie­ne sich der Restau­ra­tor zu ganz über­wie­gen­den Tei­len tra­di­tio­nel­ler Metho­den: So wird etwa Blei zwi­schen den Rip­pen ein­ge­stemmt, wo es heu­te fehlt. Das Gute dabei: Trotz der gro­ßen Bedeu­tung und Wirk­sam­keit der ein­zel­nen Repa­ra­tu­ren wird nur mini­mal ein­ge­grif­fen. So kann auch hier mög­lichst viel über­lie­fer­te Sub­stanz erhal­ten und in die Zukunft geführt wer­den. Und, so Blum: „Sehen wird man von den Repa­ra­tu­ren im Raum nichts“.

Im Anschluss an die Jah­res­ver­samm­lung der Müns­ter­bau­hüt­te am Frei­tag, 31.März im Müns­ter­st­üb­le hält Restau­ra­tor Fabi­an Scho­rer gegen 21:30 Uhr einen Vor­trag über die Arbei­ten im Rah­men der Innen­re­no­va­ti­on des Müns­ters.

Befes­ti­gung der Not­si­che­rung, von oben gese­hen. Foto: Bert­hold Hil­de­brand