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Rottweil
Donnerstag, 12. Dezember 2019
Start Rott­weil Stets ein offe­nes Ohr für die mensch­li­chen Schick­sa­le

Stets ein offenes Ohr für die menschlichen Schicksale

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ROTTWEIL – Als „Stadts­he­riff“ dürf­te Gerold Mar­tin vie­len Rott­wei­lern noch im Gedächt­nis sein. Seit gut einem Jahr ist der ehe­ma­li­ge Mit­ar­bei­ter des Ord­nungs­am­tes zwar mitt­ler­wei­le im Ruhe­stand, doch sei­nen Dienst für die Stadt Rott­weil hat er nicht ganz ein­ge­stellt: Er betreut die städ­ti­sche Obdach­lo­sen­un­ter­kunft Oms­dor­fer Hang 16.

Mon­tags und don­ners­tags ist Gerold Mar­tin von 9 bis 12 Uhr in der Obdach­lo­sen­un­ter­kunft am Oms­dor­fer Hang 16 anzu­tref­fen und ver­sieht hier sei­ne Haus­­meis­­ter- und Büro­tä­tig­kei­ten. Die Tür zu sei­nem Büro steht ein­la­dend offen. Immer wie­der kom­men Bewoh­ner, um Wasch­mar­ken zu holen, oder ihre Sor­gen und Nöte mit­zu­tei­len. Gerold Mar­tin kennt sie alle, er hat stets ein offe­nes Ohr für ihre Anlie­gen. Neben Ele­na Sadow­ski von der Spit­tel­müh­le der Arbei­ter­wohl­fahrt, die eine zusätz­li­che sozia­le Betreu­ung für die Anwoh­ner anbie­tet, ist Mar­tin der wich­tigs­te Ansprech­part­ner der Bewoh­ner vor Ort. „Ich mache mei­nen Job hier, weil die Leu­te Hil­fe brau­chen. Den­noch ist es auch ganz wich­tig, sich klar abzu­gren­zen“, sagt er. Die Bewoh­ner wis­sen das, und doch ist Gerold Mar­tin sozu­sa­gen ihr „Sprach­rohr zur Welt“.

Jede Stadt muss Not­un­ter­künf­te für Men­schen bereit­stel­len, die kurz­fris­tig obdach­los gewor­den sind. Oft sind dies Men­schen in kri­ti­schen Lebens­si­tua­tio­nen, die bei­spiels­wei­se mit ihrer Ver­schul­dung nicht mehr zurecht­ka­men und ihre Woh­nung durch eine Zwangs­räu­mung ver­lo­ren haben. Ziel ist aller­dings, dass die Bewoh­ner mög­lichst nur kur­ze Zeit in der Unter­kunft ver­wei­len und wie­der eige­nen Wohn­raum und Arbeit fin­den. Doch das ist offen­bar nur sel­ten der Fall, bedau­ert Gerold Mar­tin.

Die Rott­wei­ler Not­un­ter­kunft ist immer gut belegt. Die Bewoh­ner sind zwi­schen 24 und 75 Jah­re alt, ihre Schick­sa­le ganz unter­schied­lich. Wenn die Leu­te hier ankom­men, dann brin­gen sie nicht mehr als einen Kof­fer oder ein paar Tüten mit – mehr haben sie nicht mehr. Manch­mal kom­men sogar gan­ze Fami­li­en an, die dann in den grö­ße­ren Eck­woh­nun­gen, die um die 40 Qua­drat­me­ter zäh­len, unter­kom­men. Die Ein­zel­woh­nun­gen sind klei­ner. Eine Woh­nung, das so genann­te Not­fall­zim­mer, wird nur kurz­fris­tig ver­ge­ben. „Bei­spiels­wei­se dann, wenn die Poli­zei nachts jeman­den auf­greift“, erklärt Mar­tin. Eini­gen Bewoh­nern sind Betreu­er zur Sei­te gestellt, die zunächst ver­su­chen die Men­schen wie­der in Arbeit zu brin­gen oder aber in geeig­ne­te The­ra­pi­en oder Hei­me zu ver­mit­teln. Doch das sei schwie­rig, hat Mar­tin beob­ach­tet.

Gerold Mar­tin hat zu den Bewoh­nern im Lau­fe der Zeit ein Ver­trau­ens­ver­hält­nis auf­ge­baut und legt gro­ßen Wert dar­auf, dass die Unter­künf­te men­schen­wür­dig sind. „Wenn eine Woh­nung frei wird, dann wird sie erst mal her­ge­rich­tet, bevor sie neu ver­ge­ben wird“, erklärt er wäh­rend er einer Frau Wasch­mar­ken ver­teilt. Gleich neben sei­nem Büro gibt es einen Wasch­raum mit Wasch­ma­schi­ne und Trock­ner – bei­des wird rege genutzt. Ganz in der Nähe, im Gebäu­de Oms­dor­fer Hang 2, ist das Stadt­teil­bü­ro des Quar­tiers­ma­nage­ments Oms­dor­fer Hang ein­ge­rich­tet. Hier gibt es regel­mä­ßi­ge Früh­stücks­an­ge­bo­te oder Spie­le­nach­mit­ta­ge, die auch den Bewoh­nern der Obdach­lo­sen­un­ter­kunft offen ste­hen.

Gerold Mar­tin dreht der­weil noch­mals sei­ne Run­de, schaut, ob bei den Bewoh­nern alles in Ord­nung ist und unter­hält sich mit denen, die ohne­hin gera­de unter­wegs sind. Die Arbeit hier berei­tet ihm sicht­lich Freu­de. „Ich wer­de das auch noch eine Wei­le machen“, lässt er wis­sen.

 

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