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Dienstag, 29. September 2020

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Sucker: „Weniger schlecht sein ist noch nicht gut.“

ROTTWEIL – Eine besondere Jahresmitgliederversammlung der Rottweiler Grünen: Landtagskandidatin Sonja Rajsp war zu Besuch. Ebenso Annette Reif, die danach strebt, Bundestagskandidatin im Wahlkreis Rottweil-Tuttlingen zu werden. Ihre Konkurrentin Ina Schultz ließ die Versammlung herzlich grüßen. Das Hauptreferat hielt diesmal keine „Externer“, sondern Frank Sucker. Er stellte die Denkschule Cradle to Cradle vor, die in Öko-Wissenschaft und Wirtschaft wachsenden Zuspruch findet.

Mit dem Rechenschaftsbericht des Ortsvorstands sprang Hubert Nowack für die erkrankte Sprecherin Maria Sinner ein. Er blickte auf ein Jahr mit personellen und von Corona bedingtenTurbulenzen zurück. Herb war der Wegzug von Vorstandsmitglied Stefan Mauch, der sich so sehr fürs Radfahren in Rottweil stark machte. Und Corona bremste gnadenlos geplante Aktivitäten aus. Nach dem Rückzug von Stefan Mauch und Frank Sucker vom Vorstand prägen nun diese Gesichter die Grünenspitze: Maria Sinner, Hubert Nowack, Vera Niedermann-Wolf, Andreas Rebmann und Johanna Knaus.

Fraktionssprecherin Ingeborg Gekle-Maier erinnerte an ein Jahr voller Tatkraft. „Mir macht es viel Freude, in dieser tollen Fraktion zu wirken“, meinte sie. In Sachfragen möchte sie immer wieder Fraktionsgrenzen überwinden. Manchmal komme es so zu überraschenden Allianzen – etwa beim Pestizidstopp auf städtischen Pachtflächen bis zur Landesgartenschau 2028. Bemerkenswert schien ihr auch der grüne Impuls zur „Wiederbelebung“ der Innenstadt nach dem Corona-Lockdown. Und erwartungsvoll schaute sie darauf, ob Verwaltung und Gemeinderat die „Klimaschutzstadt Rottweil“ als weiteres Leitbild verankern. Alle waren sich einig, wie überfällig es ist, endlich auch den Schutz der Lebensgrundlagen ins Zentrum der Stadtentwicklung zu rücken.

Sonja Rajsp mischt als Mitglied des Landesvorstand eng an der Erarbeitung des Wahlprogramms mit. Man spürte ihre Freude daran. Besonders glücklich machte sie, dass ihr Werben für eine regionale „Solidarische Landwirtschaft“, die Landwirten über ein Netzwerk mit privaten Kunden ein festes Einkommen gewährt, nun ins Programm einfließt.

Die Natur kennt keine Abfälle. Die verschwenderische Blütenfülle eines Kirschbaums kehrt rückstandslos in Naturkreisläufe zurück. Davon lässt sich die Denkschule Cradle to Cradle („Von der Wiege zur Wiege“) leiten, die Frank Sucker vorstellte. Ihr geht es um ein innovatives Design von Produkten, das von vornherein Abfälle und Schadstoffe ausschließt. Alle Stoffe zirkulieren in technischen oder biologischen Kreisläufen. Deponien oder Müllverbrennung – das war einmal. Zu schön um wahr zu sein? Als Gegenbeleg hielt Sucker das allererste Buch in der Hand, das problemlos kompostierbar ist und er nannte prominente Unternehmen, die von dieser Vision fasziniert sind.

Imposant ist etwa das Verwaltungsgebäude im niederländischen Venlo, das seine Umgebungsluft sogar reinigt. Oft bestimmen Verzichtsappelle die Diskussionen über Nachhaltigkeit. Diese Denkschule sprengt diese Denkmuster: Statt den negativen ökologischen Fußabdruck lediglich zu minimieren, können Menschen als Teil der Natur einen positiven Fußabdruck hinterlassen. Sucker: „Weniger schlecht sein ist noch nicht gut.“ Provokante Thesen, die in der Versammlung kontroverse Beiträge provozierten.

Vertiefende Info: Cradle to Cradle: https://c2c-ev.de

 

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