Auf dem Schulhof der Maximilian-Kolbe-Schule leben 180 Hühner im Hühnermobil. Foto: pm

ROTTWEIL-HAUSEN – Über 100 fri­sche Eier gibt es täg­lich an der Maxi­mi­li­an-Kol­be-Schu­le in Rott­weil. An einem Tag waren es sogar 133, ein Spit­zen­wert für die 180 Hüh­ner, die in einem Hüh­ner­mo­bil auf der Wie­se neben der Schu­le leben. Die Koope­ra­ti­on der Schu­le mit der Angus-Ranch der Fami­lie Jauch zeigt, was regio­na­le Ver­net­zung für Schu­len kon­kret bedeu­ten kann und wie Koope­ra­tio­nen so gestal­tet wer­den kön­nen, dass bei­de Part­ner pro­fi­tie­ren.

Susan­ne Jauch erhält von der Schu­le die Mög­lich­keit zur Nut­zung der gro­ßen Wie­sen­flä­che und die Schu­le hat end­lich die Mög­lich­keit, ihre Lage zwi­schen Orts­rand und Wald so zu nut­zen, wie sie es sich schon immer gewünscht hat: Sie kann Tie­re auf dem Schul­ge­län­de hal­ten.

Ent­stan­den ist die­se beson­de­re Zusam­men­ar­beit durch eine Kol­le­gin, die im Ganz­tags­be­reich an der Maxi­mi­li­an-Kol­be-Schu­le gear­bei­tet hat und mit den Kin­dern im Rah­men eines AG-Ange­bots den Hof ihrer Freun­din Susan­ne Jauch besuch­te. Mitt­ler­wei­le arbei­tet auch Susan­ne Jauch im Ganz­tags­be­reich und lei­tet die Tier-AG in eige­ner Regie. Der Rin­der­stall ihrer Fami­lie liegt nur fünf Geh­mi­nu­ten von der Schu­le ent­fernt und dort gibt es immer etwas zu tun und zu erle­ben. An einem kal­ten Vor­mit­tag im Janu­ar machen sich 22 Schü­ler auf den Weg, Hof­hund Moriz ist auch dabei. Drei Tage zuvor ist ein Kälb­chen gebo­ren, und das möch­ten die Kin­der natür­lich ken­nen ler­nen.

Die Ganz­tags­an­ge­bo­te für die Klas­sen 5–7 sind in den Schul­vor­mit­tag inte­griert. Eine sol­che Rhyth­mi­sie­rung ist nicht nur för­der­lich für die Kon­zen­tra­ti­ons­fä­hig­keit und den Bio­rhyth­mus der Kin­der. Für Tag­heim­lei­ter Mar­kus Mauch bedeu­tet das Ange­bot am Vor­mit­tag auch, dass die Wich­tig­keit von Lern­or­ten und Lern­ge­le­gen­hei­ten jen­seits von Klas­sen­zim­mer und Bil­dungs­plan in der Gestal­tung des Schul­tags ange­mes­se­nen berück­sich­tigt wird.

Das Hüh­ner­mo­bil, ein mobi­ler Hüh­ner­stall, ist nicht nur eine tol­le Erwei­te­rung für die Aktio­nen des Ganz­tags­an­ge­bots, son­dern auch ein neu­er Stütz­punkt in der Mit­tags­frei­zeit. Nach dem Mit­tag­essen tum­meln sich die Kin­der auf der Wie­se bei den Hüh­nern und Häh­nen. Eine tol­le Gele­gen­heit, um mit den Tie­ren zu spie­len, sie zu strei­cheln und her­um zu tra­gen.  Als Huhn an der Maxi­mi­li­an-Kol­be-Schu­le kann man das Leben genie­ßen.

Doch dass ein Hüh­ner­le­ben nicht ewig währt, gehört auch zu den The­men, mit denen sich die Kin­der beschäf­ti­gen. Das Hüh­ner­mo­bil erfüllt für Susan­ne Jauch auch einen wirt­schaft­li­chen Zweck. Das heißt, es ist wich­tig, genü­gend Kun­den zu fin­den, die bereit sind, für ein Bio-Ei einen fai­ren Preis zu zah­len. Der liegt aktu­ell bei 50 cent pro Stück. Neben den Eiern wer­den auch die Hähn­chen und Hüh­ner ver­kauft. In Rott­weil wer­den Zwei­nut­zungs­hüh­ner gehal­ten. Anders als in der indus­tri­el­len Pro­duk­ti­on, wo Hüh­ner­ras­sen gehal­ten wer­den, die ent­we­der vie­le Eier legen oder viel Fleisch anset­zen, sind die Zwei­nut­zungs­hüh­ner sowohl Eier- als auch Fleisch­lie­fe­ran­ten.

Sie haben mehr Zeit, sich zu ent­wi­ckeln und des­halb eine län­ge­re Lebens­zeit, sie legen nicht jeden Tag ein Ei und müs­sen nicht schnell Fleisch anset­zen. Susan­ne Jauch begreift ihre Ange­bo­te für die Schüler*innen auch als Ernäh­rungs- und Ver­brau­cher­bil­dung. Es ist nicht immer ein­fach nach­zu­voll­zie­hen, woher die Pro­duk­te genau kom­men, die wir kau­fen, wie Tie­re gehal­ten wer­den, wie sich der Preis zusam­men­setzt und was genau drin steckt im Huhn oder Hähn­chen.

Ein Posi­tiv-Bei­spiel kön­nen die Schü­ler­hier haut­nah erle­ben und in der Men­sa oder am hei­mi­schen Ess­tisch auch schme­cken. Denn die Eier wer­den natür­lich auch vor Ort an die Schul­ge­mein­schaft ver­kauft und in der Men­sa ver­ar­bei­tet. Von den Tie­ren, die aktu­ell im Hüh­ner­mo­bil sind, wer­den sich die Kin­der erst in ein­ein­halb Jah­ren ver­ab­schie­den müs­sen.

So lan­ge dau­ert es noch, bis sie schlacht­reif sind. Aber schon jetzt wird spe­ku­liert, ob nicht doch eini­ge Tie­re vor dem Sup­pen­topf geret­tet wer­den kön­nen. Die Kin­der suchen schon Pfle­ge­fa­mi­li­en für ihre Lieb­lings­tie­re oder wol­len ihre Eltern über­re­den, ein Huhn im hei­mi­schen Gar­ten zu hal­ten.

Alle Aspek­te der Nutz­tier­hal­tung spie­len eine Rol­le und wer­den dis­ku­tiert. Für die Schü­ler an der Maxi­mi­li­an-Kol­be-Schu­le sind Land­wirt­schaft und Tier­hal­tung nichts, was nur in Bil­der­bü­chern und Fil­men statt­fin­det. Sie sind mit­ten­drin im Gesche­hen, ken­nen sich aus und wis­sen, wie das Ei auf den Tisch kommt.