Testturm Rottweil: Jetzt soll er beleuchtet werden

Thyssenkrupp plant, die Öffnungszeiten der Aussichtsplattform zu erweitern

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Das Beleuchtungskonzept. Grafik: Hess GmbH Licht + Form

Der Thys­sen­krupp-Test­turm in Rott­weil soll nach einer Mit­tei­lung des Unter­neh­mens in weni­gen Wochen auch nachts von Wei­tem erkenn­bar sein: Gemein­sam mit der Stadt Rott­weil sei­en ges­tern die Wei­chen für eine hel­le und kla­re Beleuch­tung des Wahr­zei­chens gestellt wor­den, teilt Thys­sen­krupp mit. Die frost­sen­si­blen Vor­ar­bei­ten für die dau­er­haf­te Licht­in­stal­la­ti­on haben dem­nach bereits begon­nen. Schon im Janu­ar soll das höchs­te Gebäu­de Baden-Würt­tem­bergs in der Dun­kel­heit in war­mem Licht erstrah­len.

Wie von den Archi­tek­ten Wer­ner Sobek mit Hel­mut Jahn geplant, wird der Thys­sen­krupp-Test­turm von unten nach oben ring­för­mig ange­strahlt. Per­fekt syn­chron zur spitz zulau­fen­den Form der Glas­fa­se­rum­hül­lung läuft auch die Stär­ke der geplan­ten Beleuch­tung nach oben hin aus.

Mit weni­gen Aus­nah­men, so in den tie­fen Nacht­stun­den zwi­schen 1 Uhr und 5 Uhr, und wäh­rend der regel­mä­ßi­gen Wan­de­rung der Zug­vö­gel zwi­schen Brut­stät­te und Win­ter­quar­tier, soll das Licht das gan­ze Jahr über strah­len. Für die Anbrin­gung der Beleuch­tung ist die Fir­ma Hess GmbH Licht + Form aus Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen zustän­dig. Sie setzt 24 Strah­ler im Außen­ring direkt am Turm, der so genann­ten Ber­me, und 20 wei­te­re Strah­ler außer­halb die­ser Ber­me ein. Die Leuch­ten wür­den in Son­der­ge­häu­sen ein­ge­bracht, so dass kei­ne stö­ren­den Mas­ten zum Ein­satz kom­men, so Thys­sen­krupp in sei­ner Mit­tei­lung wei­ter.

Turm­ma­na­ge­rin Bea­te Höhn­le, die den höchs­ten Arbeits­platz des Bun­des­lan­des genießt und des­halb das Wahr­zei­chen der Inge­nieurs­kunst in allen Wet­ter­la­gen und Jah­res­zei­ten kennt, freut sich auf des­sen opti­sche Voll­endung: „Die erleuch­te­te tex­ti­le Archi­tek­tur des Turms in der Nacht ver­brei­tet einen ganz beson­de­ren Zau­ber. Wirkt der Turm dank sei­ner Stoff­hül­le schon tags­über schlank und edel, so defi­niert ihn das Licht im Dun­keln erst recht als ein­la­den­des, trans­pa­ren­tes Wahr­zei­chen mit star­ker Aus­strah­lung.“

Die Beleuch­tung hat eine Ände­rung des städ­te­bau­li­chen Ver­tra­ges zwi­schen Thys­sen­krupp und der Stadt Rott­weil erfor­der­lich gemacht. Ursprüng­lich war eine indi­rek­te Beleuch­tung vor­ge­se­hen. Nach Abschluss des Ver­trags stell­te sich jedoch her­aus, dass die­se nicht die gewünsch­te opti­sche Wir­kung erzielt und eine Instal­la­ti­on tech­nisch pro­ble­ma­tisch wäre, teilt Thys­sen­krupp mit.

Die Archi­tek­ten und Licht­pla­ner hät­ten dar­auf­hin eine direk­te Beleuch­tung ent­wi­ckelt, die den Umwelt­an­for­de­run­gen des Bebau­ungs­plans gerecht wer­de und nun auch die Zustim­mung des Rott­wei­ler Gemein­de­rats fand. „Für die Men­schen in Rott­weil und der gesam­ten Regi­on ist der Test­turm zu einem neu­en Wahr­zei­chen gewor­den. Dank der Beleuch­tung wird der Turm bald auch nachts sei­ne gan­ze Strahl­kraft und Fas­zi­na­ti­on ent­fal­ten“, freut sich Rott­weils Ober­bür­ger­meis­ter Ralf Broß. „Rott­weil erhält ein High­light im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes. Damit ist die Kon­zep­ti­on voll­endet, mit der die Archi­tek­ten Hel­mut Jahn und Wer­ner Sobek bereits bei der Pro­jekt­vor­stel­lung die Bür­ger­schaft begeis­tert haben.“

Zudem plant Thys­sen­krupp erwei­ter­te Öff­nungs­zei­ten der Aus­sichts­platt­form in 232 Metern Höhe ab 2019. An 52 zusätz­li­chen Tagen im Jahr, im Schnitt also ein wei­te­rer Tag pro Woche, soll dann Deutsch­lands höchs­te Besu­cher­platt­form Gäs­te will­kom­men hei­ßen.

Um so vie­le Besu­cher wie mög­lich von dem erwei­ter­ten Ange­bot pro­fi­tie­ren zu las­sen, sol­len die Bonus­ter­mi­ne bei­spiels­wei­se erneut in die Schul­fe­ri­en­zeit von Baden-Würt­tem­berg sowie auf beson­de­re Regio­nal­ter­mi­ne fal­len. „Die­ses Vor­ge­hen hat sich bereits 2018 bewährt, als die Bür­ger den gesam­ten August Zugang zur Platt­form hat­ten“, so Bea­te Höhn­le. „Sobald wir die neu­en Ter­mi­ne für 2019 fest­ge­legt haben, aktua­li­sie­ren wir sie auf unse­rer Inter­net­sei­te.“ Rund 240.000 Besu­cher haben inzwi­schen den spek­ta­ku­lä­ren Aus­blick über die umlie­gen­de Land­schaft genie­ßen kön­nen.

Der Turm zeigt die von uns erhoff­te Magnet­wir­kung und ist damit ein enor­mer Impuls für unse­re tou­ris­ti­sche Ent­wick­lung“, betont Rott­weils Bür­ger­meis­ter Dr. Chris­ti­an Ruf laut Thys­sen­krupp. Die erwei­ter­ten Öff­nungs­zei­ten und ande­re Rah­men­be­din­gun­gen wur­den in einem zusätz­li­chen tou­ris­ti­schen Ver­trag fest­ge­hal­ten, dem der Gemein­de­rat eben­falls zustimm­te. „Der Ver­trag gibt unse­ren Tou­ris­ti­kern Pla­nungs­si­cher­heit und gewährt Thys­sen­krupp als Betrei­ber des Turms gleich­zei­tig die not­wen­di­ge Fle­xi­bi­li­tät bei den For­schungs­ar­bei­ten im Test­turm“, erklärt Ruf den Zweck des Ver­trags­werks. „Vor allem dür­fen sich aber die Besu­cher des Turms aus nah und fern auf zusätz­li­che Öff­nungs­ta­ge freu­en, die sicher­lich ganz gut zur eige­nen Frei­zeit­pla­nung pas­sen wer­den.“

Für die Außen­haut des Turms haben Indus­trie­klet­te­rer den Turm wäh­rend der Bau­pha­se in knapp 17.000 Qua­drat­me­ter Glas­ge­we­be­fa­ser ein­ge­hüllt. Das poly­mer­be­schich­te­te Gewe­be ver­leiht dem Bau nicht nur das gewis­se Etwas, son­dern schützt ihn auch vor inten­si­ver Son­nen­ein­strah­lung und redu­ziert die Eigen­be­we­gung des Gebäu­des, indem sie die Kräf­te des Win­des zer­legt.

Zu den Zukunfts­tech­no­lo­gi­en, die in Rott­weil getes­tet wer­den, zählt ins­be­son­de­re die neu­es­te Auf­zugs­ge­nera­ti­on, der MULTI. Im Test­turm sind drei der zwölf Turm­schäch­te für das neue MUL­TI-Sys­tem vor­ge­se­hen. Als Antrieb kommt die Magnet­schwe­be­tech­no­lo­gie aus dem Trans­ra­pid zum Ein­satz. Die­se hat eine Viel­zahl von Vor­tei­len: Durch die seil­lo­se Kon­struk­ti­on kön­nen – gleich einem moder­nen Pater­nos­ter – meh­re­re Auf­zugs­ka­bi­nen in einem Schacht betrie­ben wer­den. Das erhöht die Beför­de­rungs­ka­pa­zi­tät um bis zu 50 Pro­zent und redu­ziert gleich­zei­tig den Platz­be­darf des Auf­zugs im Gebäu­de. Dazu kön­nen sich die Auf­zü­ge sowohl seit­wärts als auch ohne Limit in die Höhe bewe­gen, was eine nie dage­we­se­ne Archi­tek­tur der Gebäu­de erlaubt.