Sollen nackengestützte und damit stressfreie Ausblicke vom Feldherrenhügel bei der Testturmbaustelle aus liefern: neue Turmmöbel. Foto: Uwe Nester
Sollen nackengestützte und damit stressfreie Ausblicke vom Feldherrenhügel bei der Testturmbaustelle aus liefern: neue Turmmöbel. Foto: Uwe Nester

Rott­weil sei die „Stadt der Tür­me.“ Das ist zen­tra­le Bot­schaft des Stadt­mar­ke­tings die­ser Tage. Des­sen Lei­ter André Lom­sky glaubt: Die Stadt muss dar­auf vor­be­rei­tet wer­den, dass der Turm im Okto­ber 2016 in Betrieb gehen wer­de. Und mit ihm Deutsch­lands höchs­te Aus­sichts­platt­form. Die soll ger­ne auch Tou­ris­ten anlo­cken.

Baustelle im Abendlicht: der ThyssenKrupp-Testturm bei Rottweil. Foto: Uwe Nester
Bau­stel­le im Abend­licht: der thyssenkrupp-Test­turm bei Rott­weil. Foto: Uwe Nes­ter

Rott­weil (gg). Aus dem Mar­ke­ting­bü­ro des Rott­wei­ler Wirt­schafts­för­de­rers André Lom­sky kom­men – wenn auch schick gestal­tet – teils eher gewöhn­li­che Wer­be­ma­te­ria­li­en. Auf­kle­ber, Post­kar­ten, Fly­er, bei­spiels­wei­se. Teils kom­men aber auch Über­ra­schun­gen: Neu­er­dings ste­hen etwa an der Test­turm­bau­stel­le Holz­gat­ter, an die die Besu­cher sich leh­nen kön­nen, wenn sie dem Test­turm beim Wach­sen zuse­hen wer­den. Manns­ho­he Nacken­stüt­zen nach einer Idee des Rott­wei­ler Bau­amts­lei­ters Lothar Huber in einer Umset­zung der Holz­ma­nu­fak­tur aus dem Neckar­tal.

Rottweils Wirtschaftsförderer und Stadtvermarkter André Lomsky. Foto: pm
Rott­weils Wirt­schafts­för­de­rer und Stadt­ver­mark­ter André Lom­sky. Foto: pm

Lom­sky begrün­det die unge­wöhn­li­chen Möbel damit, dass, wenn der Turm in die­sem Som­mer bereits sei­ne Höhe von 246 Metern erreicht hat, der mit­wach­sen­de Kran fünf Minu­ten benö­ti­ge, um die Las­ten hoch­zu­zie­hen. Und gege­be­nen­falls eine län­ge­re Zeit, um sie im Beton­schacht wie­der abzu­sen­ken. So lan­ge in den Him­mel zu star­ren, stren­ge die Nacken­mus­ku­la­tur an, wes­halb schnell für Erleich­te­rung gesorgt wor­den sei. Lom­sky glaubt, dass sich das lohnt: Am Turm wer­de immer was los sein, denn alles, was drin instal­liert wer­den müs­se, neh­me den Weg über den Kran, wer­de von oben hin­ein­ge­las­sen.

Bereits jetzt hat ein gewis­ser Bau­stel­len­tou­ris­mus ein­ge­setzt. Des­halb gibt es Park­plät­ze, die die Stadt­ver­wal­tung für ver­gleichs­wei­se wenig Geld – 5000 Euro im Jahr – beim Turm­nach­barn, -enthu­si­as­ten und Rei­se­un­ter­neh­mer Hans Kel­ler ange­mie­tet hat. 90 Minu­ten kön­nen Besu­cher dort kos­ten­los ihren Wagen abstel­len. Wege zum Turm sol­len defi­niert und aus­ge­schil­dert wer­den.

Auch plant die Stadt­ver­wal­tung, Müll­ei­mer auf­zu­stel­len. Toi­let­ten ste­hen schon, für die­se hat offen­bar Turm­bau­er Thyssen­Krupp gesorgt.

Zeigt eine "Innovationsachse Stuttgart-Zürich", in deren Mitte der Rottweiler Testturm stehen wird: Anzeigenmotiv der Wirtschaftsförderung Rottweil. Grafik: Stadt Rottweil
Zeigt eine „Inno­va­ti­ons­ach­se Stutt­gart-Zürich”, in deren Mit­te der Rott­wei­ler Test­turm ste­hen wird: Anzei­gen­mo­tiv der Wirt­schafts­för­de­rung Rott­weil. Gra­fik: Stadt Rott­weil

Wich­tig ist Lom­sky nun – und er setzt damit an sich auch nur eine vehe­men­te For­de­rung des Rott­wei­ler Ein­zel­han­dels, orga­ni­siert im Gewer­be- und Han­dels­ver­ein, um –, dass Turm­bau­stel­le und Innen­stadt ver­knüpft wer­den. So sol­len auf dem Ber­ner Feld beim Test­turm wie auch in der Innen­stadt beim Kapel­len­turm gro­ße Info­bo­xen die bei­den Orte mit­ein­an­der ver­knüp­fen. Die in Rott­weil steht schon, die auf dem Ber­ner Feld ver­zö­gert sich wegen Lie­fer­schwie­rig­kei­ten des Anbie­ters.

Bei der Bau­stel­le ist auch bereits so eine Art Feld­her­ren­hü­gel ent­stan­den – ein defi­nier­ter Platz, auf dem sich Tou­ris­ten ver­sam­meln kön­nen. Gefahr­los, gewis­ser­ma­ßen.

Lom­sky plant zudem, spe­zi­el­le Stadt­füh­run­gen, die Ein­bin­dung des Turms ins Stadt­in­fo­sys­tem und ins Rad- und Wan­der­we­ge­netz.

Klar wird: Lom­sky hat zwei Stoß­rich­tun­gen: Er will die Bür­ger auf das vor­be­rei­ten, was in weni­gen Mona­ten auf sie zuge­kom­men sein wird. Er will sie mit Auf­kle­bern, Post­kar­ten, Bro­schü­ren posi­tiv ein­stim­men auf den rie­si­gen Turm, der bald die gan­ze Stadt­sil­hou­et­te beherr­schen wird – und klar machen, dass Rott­weil immer schon eine Stadt der Tür­me gewe­sen ist, des­halb der neue nur ein wei­te­rer sein wer­de.

Postkartenserie "Stadt der Türme". Grafik: Stadt Rottweil
Post­kar­ten­se­rie „Stadt der Tür­me”. Gra­fik: Stadt Rott­weil

Lom­sky will zudem auch Tou­ris­ten inter­es­sie­ren für den Test­turm. Und er will sie, deren Zahl er noch nicht kennt, mit­tels Info­ma­te­ria­li­en und Schil­dern ein­la­den, freund­lich emp­fan­gen, vor Ort infor­mie­ren und zudem noch für die Stadt selbst inter­es­sie­ren. Man kann sagen: Das Mar­ke­ting wächst mit dem Turm, wächst mit den Ansprü­chen. Auch die Aus­stat­tung der Bau­stel­le im Sin­ne des Tou­ris­mus wächst qua­si mit dem Turm. Etwa was die Müll­ei­mer betrifft. Lom­sky: „Es wird span­nend, zu sehen, wie schnell die voll sind. Auch da wer­den wir Erfah­run­gen sam­meln müs­sen.“ Lom­sky will reagie­ren, aber auch bereit sein.

Kunstdruck Tradition trifft Innovation". Grafik: Stadt Rottweil
Kunst­druck Tra­di­ti­on trifft Inno­va­ti­on”. Gra­fik: Stadt Rott­weil

Dabei beschäf­tigt sich der Wirt­schafts­för­de­rer und Stadt­ver­mark­ter mit vie­ler­lei Din­gen. Etwa auch mit einer klei­nen Klapp­kar­te, die ver­mit­teln soll, wie sich der Test­turm ein­mal anfüh­len wird, wenn er erst von sei­ner licht­durch­läs­si­gen Mem­bra­ne umhüllt ist. Genau die­se will Lom­sky als „Give-away“, wie sowas in der Spra­che eines Mar­ke­ting­man­nes heißt, ver­tei­len las­sen. Die ech­te Mem­brane zum anfas­sen. Auch hier aber steckt der Teu­fel im Detail: Der für die Kar­ten ver­wen­de­te Stoff muss erst noch etwa 14 Tage in der Son­ne lie­gen, damit er die rich­ti­ge Far­be erhält, das spä­ter hel­le Weiß.