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Montag, 6. April 2020
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    Testturm Rottweil: Nackenstützen für die Besucher

    Rottweil sei die „Stadt der Türme.“ Das ist zentrale Botschaft des Stadtmarketings dieser Tage. Dessen Leiter André Lomsky glaubt: Die Stadt muss darauf vorbereitet werden, dass der Turm im Oktober 2016 in Betrieb gehen werde. Und mit ihm Deutschlands höchste Aussichtsplattform. Die soll gerne auch Touristen anlocken.

    Baustelle im Abendlicht: der ThyssenKrupp-Testturm bei Rottweil. Foto: Uwe Nester
    Baustelle im Abendlicht: der ThyssenKrupp-Testturm bei Rottweil. Foto: Uwe Nester

    Rottweil (gg). Aus dem Marketingbüro des Rottweiler Wirtschaftsförderers André Lomsky kommen – wenn auch schick gestaltet – teils eher gewöhnliche Werbematerialien. Aufkleber, Postkarten, Flyer, beispielsweise. Teils kommen aber auch Überraschungen: Neuerdings stehen etwa an der Testturmbaustelle Holzgatter, an die die Besucher sich lehnen können, wenn sie dem Testturm beim Wachsen zusehen werden. Mannshohe Nackenstützen nach einer Idee des Rottweiler Bauamtsleiters Lothar Huber in einer Umsetzung der Holzmanufaktur aus dem Neckartal.

    Rottweils Wirtschaftsförderer und Stadtvermarkter André Lomsky. Foto: pm
    Rottweils Wirtschaftsförderer und Stadtvermarkter André Lomsky. Foto: pm

    Lomsky begründet die ungewöhnlichen Möbel damit, dass, wenn der Turm in diesem Sommer bereits seine Höhe von 246 Metern erreicht hat, der mitwachsende Kran fünf Minuten benötige, um die Lasten hochzuziehen. Und gegebenenfalls eine längere Zeit, um sie im Betonschacht wieder abzusenken. So lange in den Himmel zu starren, strenge die Nackenmuskulatur an, weshalb schnell für Erleichterung gesorgt worden sei. Lomsky glaubt, dass sich das lohnt: Am Turm werde immer was los sein, denn alles, was drin installiert werden müsse, nehme den Weg über den Kran, werde von oben hineingelassen.

    Bereits jetzt hat ein gewisser Baustellentourismus eingesetzt. Deshalb gibt es Parkplätze, die die Stadtverwaltung für vergleichsweise wenig Geld – 5000 Euro im Jahr – beim Turmnachbarn, -enthusiasten und Reiseunternehmer Hans Keller angemietet hat. 90 Minuten können Besucher dort kostenlos ihren Wagen abstellen. Wege zum Turm sollen definiert und ausgeschildert werden.

    Auch plant die Stadtverwaltung, Mülleimer aufzustellen. Toiletten stehen schon, für diese hat offenbar Turmbauer Thyssen­Krupp gesorgt.

    Zeigt eine "Innovationsachse Stuttgart-Zürich", in deren Mitte der Rottweiler Testturm stehen wird: Anzeigenmotiv der Wirtschaftsförderung Rottweil. Grafik: Stadt Rottweil
    Zeigt eine „Innovationsachse Stuttgart-Zürich“, in deren Mitte der Rottweiler Testturm stehen wird: Anzeigenmotiv der Wirtschaftsförderung Rottweil. Grafik: Stadt Rottweil

    Wichtig ist Lomsky nun – und er setzt damit an sich auch nur eine vehemente Forderung des Rottweiler Einzelhandels, organisiert im Gewerbe- und Handelsverein, um –, dass Turmbaustelle und Innenstadt verknüpft werden. So sollen auf dem Berner Feld beim Testturm wie auch in der Innenstadt beim Kapellenturm große Infoboxen die beiden Orte miteinander verknüpfen. Die in Rottweil steht schon, die auf dem Berner Feld verzögert sich wegen Lieferschwierigkeiten des Anbieters.

    Bei der Baustelle ist auch bereits so eine Art Feldherrenhügel entstanden – ein definierter Platz, auf dem sich Touristen versammeln können. Gefahrlos, gewissermaßen.

    Lomsky plant zudem, spezielle Stadtführungen, die Einbindung des Turms ins Stadtinfosystem und ins Rad- und Wanderwegenetz.

    Klar wird: Lomsky hat zwei Stoßrichtungen: Er will die Bürger auf das vorbereiten, was in wenigen Monaten auf sie zugekommen sein wird. Er will sie mit Aufklebern, Postkarten, Broschüren positiv einstimmen auf den riesigen Turm, der bald die ganze Stadtsilhouette beherrschen wird – und klar machen, dass Rottweil immer schon eine Stadt der Türme gewesen ist, deshalb der neue nur ein weiterer sein werde.

    Postkartenserie "Stadt der Türme". Grafik: Stadt Rottweil
    Postkartenserie „Stadt der Türme“. Grafik: Stadt Rottweil

    Lomsky will zudem auch Touristen interessieren für den Testturm. Und er will sie, deren Zahl er noch nicht kennt, mittels Infomaterialien und Schildern einladen, freundlich empfangen, vor Ort informieren und zudem noch für die Stadt selbst interessieren. Man kann sagen: Das Marketing wächst mit dem Turm, wächst mit den Ansprüchen. Auch die Ausstattung der Baustelle im Sinne des Tourismus wächst quasi mit dem Turm. Etwa was die Mülleimer betrifft. Lomsky: „Es wird spannend, zu sehen, wie schnell die voll sind. Auch da werden wir Erfahrungen sammeln müssen.“ Lomsky will reagieren, aber auch bereit sein.

    Kunstdruck Tradition trifft Innovation". Grafik: Stadt Rottweil
    Kunstdruck Tradition trifft Innovation“. Grafik: Stadt Rottweil

    Dabei beschäftigt sich der Wirtschaftsförderer und Stadtvermarkter mit vielerlei Dingen. Etwa auch mit einer kleinen Klappkarte, die vermitteln soll, wie sich der Testturm einmal anfühlen wird, wenn er erst von seiner lichtdurchlässigen Membrane umhüllt ist. Genau diese will Lomsky als „Give-away“, wie sowas in der Sprache eines Marketingmannes heißt, verteilen lassen. Die echte Mem­brane zum anfassen. Auch hier aber steckt der Teufel im Detail: Der für die Karten verwendete Stoff muss erst noch etwa 14 Tage in der Sonne liegen, damit er die richtige Farbe erhält, das später helle Weiß.

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