Unterwegs zu Rottweils einstigen Badestuben

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Eines der Rottweiler Bäder: Das Olgabad in der Tuttlinger Straße. Foto: Stadtarchiv

ROTTWEIL – Am kom­men­den Sonn­tag um 11 Uhr trifft sich der Rott­wei­ler Geschichts- und Alter­tums­ver­ein im Rah­men des lau­fen­den Jah­res­pro­gramms zu sei­ner nächs­ten stadt­ge­schicht­li­chen Füh­rung auf dem Park­platz beim Kapu­zi­ner. Mit Dr. Win­fried Hecht sol­len bei einem ein­stün­di­gen Rund­gang die eins­ti­gen Rott­wei­ler Bad­stu­ben erkun­det wer­den, wobei Gäs­te selbst­ver­ständ­lich herz­lich will­kom­men sind.

In der Geschich­te Rott­weils als ältes­ter Stadt Baden-Würt­tem­bergs spie­len zwi­schen den Ther­men von Arae Fla­viae und dem heu­ti­gen Aqua­sol die Bad­stu­ben der Reichs­stadt­zeit eine kul­tur­ge­schicht­lich wich­ti­ge Rol­le. Schon zum Rott­wei­ler Königs­hof in der Mit­tel­stadt lässt sich eine Bad­stu­be in Rott­weil-Alt­stadt im Neckar­tal in Bezie­hung bringen.

Im spät­mit­tel­al­ter­li­chen Rott­weil hat­ten die Bür­ger der Stadt dann die Wahl zwi­schen gleich vier Bad­stu­ben, wenn sie für Sau­ber­keit und Gesund­heit etwas tun woll­ten. So konn­te die Zahl der Bad­stu­ben auch auf die beacht­li­che Lebens­qua­li­tät der Reichs­stadt auf dem Höhe­punkt ihrer Ent­wick­lung hin­wei­sen. Zusätz­lich gab es vor den Mau­ern der Stadt ja auch noch das Bett­lins­bad und den Jung­brun­nen, wenn es um das eige­ne kör­per­li­che Wohl­erge­hen ging.

Dabei gab man sich eini­ge Mühe. In den Bad­stu­ben stand nicht nur qua­li­fi­zier­tes Per­so­nal aus dem Hand­werk der Bader und Sche­rer zur Ver­fü­gung, um die Kund­schaft etwa beim Ader­lass zu betreu­en, viel­mehr waren so gut wie alle Bad­stu­ben mit einem gas­tro­no­mi­schen Ange­bot ver­bun­den und hat­ten außer­dem für die sons­ti­ge Unter­hal­tung dies und jenes zu bie­ten. So war der Bade­spaß der Bevöl­ke­rung in aller Regel eini­ges wert, was wie­der­um den Eigen­tü­mern der ent­spre­chen­den Ein­rich­tun­gen von Nut­zen war. Hier sind bei­spiels­wei­se die Rott­wei­ler Johan­ni­ter und Domi­ni­ka­ner zu nen­nen oder Rott­weils Spital.

Das 16. Jahr­hun­dert brach­te für die Bade­sit­ten wie über­all auch tief grei­fen­de Ver­än­de­run­gen. Nicht nur dass Bade­stu­ben als Stät­ten der Unmo­ral zuneh­mend in Ver­ruf gerie­ten, viel­mehr ver­stärk­ten sich die Hin­wei­se, dass man sich beim Baden und den Kon­tak­ten mit ande­ren Bade­freun­den leicht mit schwe­ren Krank­hei­ten anste­cken konn­te, gegen die lan­ge Zeit kaum ein Kraut gewach­sen schien.

Außer­dem erwies sich die Ver­sor­gung der Bad­stu­ben mit Holz als Brenn­ma­te­ri­al zuneh­mend als schwie­rig. Vor die­sem Hin­ter­grund ver­rin­ger­te sich die Zahl der ent­spre­chen­den Ein­rich­tun­gen rasch und ähn­lich wie die bis­her übli­che Häu­fig­keit, mit der die Bad­stu­be in Anspruch genom­men wur­de. Erst im 19. Jahr­hun­dert ent­wi­ckel­te sich eine neue Bade­kul­tur, die sich auch bei uns aller­dings zunächst eher an geeig­ne­ten Stel­len am Ufer von Flüs­sen und Wei­hern entwickelte.