Schüler der Nell-Breuning Schule im Kaiserpalast mit Ihren begleitenden Lehrern Siegmar Kettner, Erika Gruber und Eva Kirner. Foto: pm

ROTTWEIL – Eine Rei­se­grup­pe der Nell-Bre­u­ning Schu­le bestehend aus 23 Schü­lern des Chi­ne­sisch­kur­ses und drei Leh­rern reis­te ins Reich der Mit­te. Auf der Rund­rei­se in der ers­ten Woche begeg­ne­te den Rott­wei­ler Schü­lern eine facet­ten­rei­che Mischung aus Ver­gan­gen­heit und Moder­ne, aus chi­ne­si­scher Kunst, Archi­tek­tur und Wirt­schafts­boom.

Schü­ler­aus­tausch mit Chi­na – muss das wirk­lich sein? Geht es nicht noch wei­ter weg? Lohnt sich das? Was sol­len Schü­ler denn dort ler­nen? Klar, Chi­na ist längst eine Super­macht. Chi­na hat Frank­reich als wich­tigs­ten Han­dels­part­ner Deutsch­lands abge­löst und deut­sche Unter­neh­men bekla­gen die feh­len­de Chi­na-Kom­pe­tenz deut­scher Schul­ab­sol­ven­ten. Aber natür­lich könn­te man auch Bücher über Chi­na lesen, um etwas über Land und Leu­te zu erfah­ren. Jedoch: „Ziel unse­res Schü­ler­aus­tau­sches ist es, ech­tes Inter­es­se an Chi­na mit sei­ner Kul­tur und sei­nen Men­schen zu wecken. Erst durch per­sön­li­che Begeg­nung ent­steht Wert­schät­zung für den jeweils ande­ren, so Sieg­mar Kett­ner, Lei­ter der Beruf­li­chen Gym­na­si­en an der NBS.

Die auf­re­gen­de Rei­se begann in Peking mit dem Besuch der kai­ser­li­chen Paläs­te in der Ver­bo­te­nen Stadt, der Gro­ßen Mau­er in Bada­ling und dem Platz des himm­li­schen Frie­dens. Die mit Bus und Zug zurück­ge­leg­te Rund­rei­se führ­te wei­ter in die alte Kai­ser­stadt Xi´an, wo man die welt­be­rühm­te Ter­ra­cot­ta-Armee besich­tig­te und eine Rad­tour auf der 14 km lan­gen Stadt­mau­er unter­nahm. Ein Höhe­punkt der ers­ten Woche war sicher­lich die Boots­fahrt auf dem West­la­ke bei Hang­zhou.

Die zwei­te Woche ver­brach­te die deut­sche Dele­ga­ti­on dann bei der Part­ner­schu­le in Shang­hai. Gleich bei der Fahrt in die 26 Mil­lio­nen-Stadt wur­de allen klar, dass man es hier in Chi­na mit ande­ren Grö­ßen­ver­hält­nis­sen zu tun hat. Herz­lich war dann das ers­te Auf­ein­an­der­tref­fen zwi­schen deut­schen Schü­lern und ihren Gast­fa­mi­li­en am Oster­sonn­tag auf dem Schul­hof der ‚High School Affi­lia­ted to Shang­hai Uni­ver­si­tiy´, so der offi­zi­el­le Name der NBS-Part­ner­schu­le.

In den Fami­li­en erleb­ten die deut­schen Schü­ler dann Unter­schie­de aber auch Gemein­sam­kei­ten haut­nah. Wäh­rend einer­seits das Bezah­len im Super­markt und an der Tank­stel­le mit dem Han­dy völ­lig selbst­ver­ständ­lich ist, haben ande­rer­seits nicht alle chi­ne­si­schen Haus­hal­te immer war­mes Was­ser.
Auch der Schul­be­such an der Part­ner­schu­le lös­te bei den deut­schen Schü­lern mehr als ein­mal Ver­wun­de­rung aus.

Der Mon­tag­mor­gen begann mit einem Fah­nen­ap­pell. „Unglaub­lich, wie stolz alle Chi­ne­sen auf ihr Land und unse­re Gast­schü­ler beson­ders auch auf ihre eige­ne Schu­le sind“ beton­te ein NBS- Schü­ler durch­aus mit Bewun­de­rung in der Stim­me nach­dem die Gast­schü­ler ihre Hym­ne gesun­gen hat­ten. Die Schul­uni­for­men und die Tat­sa­che, dass ein Schü­ler auf­ste­hen muss, wenn ihn der Leh­rer dran nimmt, und dass sich am Ende der Stun­de alle ver­nei­gen war für die Schü­ler aus Rott­weil eben­falls ver­blüf­fend. „Da haben wir schon eher ein locke­res Ver­hält­nis zu unse­ren Leh­rern“, stell­te eine deut­sche Schü­le­rin fest.

Dass alle chi­ne­si­schen Schü­ler an ihrer Schu­le täg­lich ein reich­hal­ti­ges Mit­tag­essen ein­neh­men, das zudem fast kos­ten­los ist, war eine wei­te­re neue Erkennt­nis. Über­haupt; die unter­schied­li­chen Ess­ge­wohn­hei­ten waren Dau­er­the­ma bei den deut­schen Schü­lern und so man­cher war froh, nach der Rück­kehr end­lich wie­der Bre­zel und Maul­ta­schen zu bekom­men.
Für die Rott­wei­ler Schü­ler stand u.a. Unter­richt im tra­di­tio­nel­len chi­ne­si­schen Sche­ren­schnitt und Kung-Fu auf dem Pro­gramm. Das Bas­ket­ball-Län­der­spiel zwi­schen den Rott­wei­ler Schü­lern und einer Schul­aus­wahl der Gast­schu­le war der sport­li­che Höhe­punkt der Woche.

Neben dem Ken­nen­ler­nen der Part­ner­schu­le stan­den auch zahl­rei­che Besich­ti­gun­gen auf dem Pro­gramm. Natür­lich durf­te dabei der Besuch des Shang­hai-Towers nicht feh­len, der mit sei­nen 630 Metern das zweit­höchs­te Gebäu­de der Welt und zwei­ein­halb mal so hoch wie der Rott­wei­ler Auf­zug-Test­turm ist. Dass eine Stadt ein­fach erst am Hori­zont auf­hört, war ein unver­gess­li­cher Ein­druck. Für die Schü­ler­grup­pe der Nell-Bre­u­ning Schu­le zeig­te sich, dass Chi­na ange­sichts sei­ner glit­zern­den und super­mo­der­nen Bau­wer­ke auf der Suche nach einem Platz auf der Welt­büh­ne schon weit vor­ne ange­langt ist. Nach einer Woche Shang­hai hieß es dann beim Abschied „see you again in Rott­weil“. Der Gegen­be­such der chi­ne­si­schen Schü­ler fin­det im Juli statt.