Umgeworfen: das grüne Bücherregal in Rottweil. Foto: gg

Das Rott­wei­ler Bücher­re­gal hat die Nacht zum Tag der Deut­schen Ein­heit nicht über­lebt. Offen­bar Van­da­len haben die ehe­ma­li­ge Tele­fon­zel­le umge­wor­fen. Das grün ange­stri­che­ne Gehäu­se ging dabei ent­zwei.

Update: Die Poli­zei wur­de infor­miert. Mit ver­ein­ten Kräf­ten haben zwei Strei­fen­be­am­te das Tele­fon­häus­chen wie­der auf­ge­rich­tet und sam­meln jetzt die Bücher ein. Damit kei­ner auf die Idee kom­me, noch mehr kaputt zu machen, erklär­te eine Beam­tin. Zeu­gen für den Vor­fall gebe es bis­lang kei­ne.

Kein schö­ner Anblick am Diens­tag­mor­gen. Wäh­rend es in Rott­weil wie aus Eimern gießt, liegt ein aus­ran­gier­tes Tele­fon­häus­chen in der Obe­ren Haupt­stra­ße. Sein Gehäu­se ist an meh­re­ren Stel­len zer­bro­chen. Bücher quel­len her­aus und lie­gen im Dreck.

Offen­bar muss­ten Van­da­len in der Nacht ihr Müt­chen küh­len. Dies­mal hat kein Blu­men­topf dran glau­ben müs­sen, dies­mal haben sie das grü­ne öffent­li­che Bücher­re­gal umge­wor­fen. Es war offen­bar nicht im Boden ver­an­kert wor­den.

Bild aus bes­se­ren tagen: das Rott­wei­ler Bücher­re­gal. Foto: pri­vat

Etwas mehr als zwei Jah­re hat es damit in der Nische am ehe­ma­li­gen Post­amt gestan­den. Sei­nen Sinn fass­te Kul­tur­amts­lei­ter Mar­co Schaf­fert sei­ner­zeit, im August 2015, bei der Ein­wei­hung so zusam­men: „Das zur Sei­te geleg­te, alte Buch kann wie­der leben­dig wer­den und ist ande­ren von Nut­zen.“ Er hat­te ein Buch mit­ge­bracht und stell­te es ins Regal.

Vom Pots­da­mer Groß­fried­hof für aus­ge­dien­te Tele­fon­zel­len wie­der­be­lebt zurück in die Rott­wei­ler All­tags­kul­tur: Die­sen aben­teu­er­li­chen Weg hat­te das öffent­li­che Rott­wei­ler Bücher­re­gal hin­ter sich, das mit­ten im Wochen­markt­ge­wu­sel ein­ge­weiht wor­den war. Vie­le Inter­es­sier­te stan­den damals erwar­tungs­voll drum her­um, berich­te­te der Orts­ver­ein der Grü­nen sei­ner­zeit. In der Hand hat­ten sie dem­nach Tüten mit Büchern, um das neue Bücher­re­gal zu fül­len.

Es soll­te ein Zei­chen gegen ver­stau­ben­de Bücher sein. Wer Lese­stoff benö­tig­te, soll­te sich im Rott­wei­ler Regal gra­tis bedie­nen kön­nen. In eini­gen deut­schen Städ­ten gibt es sol­che  öffent­li­chen Bücher­re­ga­le, etwa auch in Rott­weils Nar­ren-Part­ner­stadt Über­lin­gen.

Das Regal ist gut fre­quen­tiert gewe­sen, immer wie­der öff­ne­ten Men­schen die ehe­ma­li­ge Tele­fon­zel­le, um sich drin­nen nach einem von ihnen noch unge­le­se­nen Schmö­ker umzu­schau­en. Oder sie stell­ten was neu­es hin­ein, ein bereits gele­se­nes Buch.

Fotos: gg