Verzögerungen beim JVA-Neubau wegen Differenzen mit Architekten – doch jetzt soll es losgehen

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Das Finanzministerium Baden-Württemberg informiert in einer Pressemitteilung über die bevorstehende Erschließung des Standorts „Esch“ für den Neubau der Justizvollzugsanstalt Rottweil. Die Zusammenarbeit mit einem beauftragtem Architekturbüro sei beendet, die Planungen laufen aber weiter, der Sieger-Entwurf des Architekturwettbewerbs wird weiterverfolgt. Die ENRW will mit dem Verlegen der Leitungen in wenigen Tagen beginnen.

„Der Naturausgleich ist uns ein wichtiger Bestandteil des Gesamtprojektes, die ersten Maßnahmen gehen wir jetzt an“, so Thomas Steier, Leiter von Vermögen und Bau Amt Konstanz, gemäß einer eigenen Mitteilung seiner Behörde, die für die Umsetzung der Baumaßnahme zuständig ist. Das Amt koordiniert den geplanten Neubau der Justizvollzugsanstalt (JVA) im Gewann Esch. Im Zuge der bevorstehenden Erschließungsmaßnahmen stehen in den kommenden Tagen notwendige Gehölzrodungen an.

Hierzu müssen ab dem Bereich der L 424-Abfahrt zum Hofgut Neckarburg und entlang des Neckartal-Radweges Bäume gefällt und Sträucher gerodet werden. Die Waldarbeiten werden voraussichtlich ab 15.02.2021 unter der Regie des städtischen Forstes in Kooperation mit einem lokalen Unternehmer durchgeführt. Als Koordinator vor Ort fungiert der Rottweiler Revierförster Hans-Joachim Häberle. Im Rahmen der Bauleitplanung hat sich das Land verpflichtet, auf einer rund 4.000 m² großen Fläche, unweit des JVA-Neubaus, Ersatzaufforstungen vorzunehmen.

Für den Zeitraum der Forstarbeiten wird es auf der Zufahrt zum Hofgut Neckarburg Einschränkungen geben. Hierfür bittet Vermögen und Bau alle Besucher und Verkehrsteilnehmer um Verständnis.

Nach den vorbereitenden Maßnahmen wird das Land den ökologischen Ausgleich schon im Vorgriff auf den bevorstehenden Neubau starten. Als erster Schritt einer umfangreichen Ausgleichskonzeption werden mit Beginn der Vegetationsphase sogenannte Lerchenfenster im Rottweiler Gewann „Auf Weinreben“ eingerichtet.
Lerchenfenster sind speziell angelegte Ackerflächen, auf denen die bedrohte Vogelart „Feldlerche“ brüten und Nahrung finden kann. Weitere Maßnahmen, welche in der Bauleitplanung entwickelt wurden, werden folgen. Eine davon wird das Freischneiden der „verwilderten“ Wachholderheide am Neckartalhang östlich vom Baugrundstück sein. Hier sind Büsche zu entfernen und so das Wachholdergehölz freizulegen. Die künftige Landschaftspflege wird dort durch eine Beweidung erfolgen.

Nachdem der Gemeinderat der Stadt Rottweil im Dezember 2020 den Bebauungsplan für den Neubau beschlossen hat, ist dieser mit der Veröffentlichung der amtlichen Bekanntmachung Anfang Februar 2021 rechtskräftig, informiert darüber hinaus das Finanzministerium. Damit können im Frühjahr die Vorwegmaßnahmen zur Erschließung des rund 22 Hektar großen Geländes starten. Es entsteht eine Zufahrtsstraße und das Gelände wird an Wasser, Abwasser, Strom und Gas angeschlossen.

Unterdessen gehen die Planungen für den Neubau im Amt Konstanz des Landesbetriebs Vermögen und Bau Baden-Württemberg weiter. Zwar musste die Zusammenarbeit mit dem extern beauftragten Architekturbüro im Februar 2021 wegen inhaltlicher Differenzen und damit einhergehenden zeitlichen Verzögerungen beendet werden. Doch alle Arbeiten, die bis zur Beauftragung eines neuen Planungsbüros umzusetzen sind, werden fortgeführt. „Die Justizvollzugsanstalt Rottweil mit insgesamt rund 25.000 Quadratmetern Nutzungsfläche ist ein großes und bedeutendes Bauvorhaben für das Land“, sagte Finanzstaatssekretärin Gisela Splett am Freitag. „Die Menschen in Rottweil haben sich mit vielen Ideen und enormem Engagement in verschiedenen Beteiligungsformaten eingebracht. Umso wichtiger ist es, dass wir dieses Vorhaben bestmöglich umsetzen. Um das zu gewährleisten, werden wir umgehend ein neues Planungsbüro suchen.“

In dem geplanten Neubau entstehen 500 Haftplätze. Die Haftgebäude machen etwa ein Drittel des gesamten Gebäudekomplexes aus. Um insgesamt sieben Innenhöfe werden zudem neben einer Torwache Räume für Arbeitsbetriebe, Schule, Krankenversorgung, Küche und Seelsorge gebaut. Besuchsräume sind ebenso geplant wie eine Sporthalle.

Im Landeshaushalt 2020/21 sind 26 Millionen Euro für die Planung des Neubaus sowie die Vorwegmaßnahmen zur Erschließung etatisiert. Für die Umsetzung der Vorwegmaßnahmen ist mit einer Bauzeit von bis zu eineinhalb Jahren zu rechnen. Für den Gebäudekomplex der JVA läuft derzeit die sogenannte Entwurfsplanung. Dabei werden die Pläne soweit konkretisiert, dass ein Planungskonzept vorliegt, bei dem alle für den Bau und die Umsetzung notwendigen Aspekte berücksichtigt sind. Auf Basis der Entwurfsplanung können die Gesamtbaukosten für das Bauvorhaben berechnet werden.

ENRW verlegt Leitungen für neuen Gefängnisstandort

Rottweil. Die Energieversorgung Rottweil (ENRW) führt im Auftrag des Landesbetriebs Vermögen und Bau vorbereitende Anschlussarbeiten für die künftige Justizvollzugsanstalt (JVA) durch. Je nach Witterung beginnen die Arbeiten bereits am Montag, 15. Februar.

Die Bauarbeiten starten an der Kapelle in der Schwarzwaldstraße in Richtung des Kreisverkehrs am Hegneberg in der Oberndorfer Straße. Von dort aus verlegt die ENRW Leitungen für Strom, Erdgas, Wasser und Abwasser, die zur zukünftigen JVA führen und die notwendige Infrastruktur für die Großbaustelle bilden. Die Leitungen verlaufen über den Neckartalradweg bis in den Bereich Im Esch. Ab 2022 sollen die Bauarbeiten zur Erstellung der JVA beginnen.

Gute Nachrichten für Verkehrsteilnehmer: Zunächst kann der Straßenverkehr regulär fließen. Erst ab voraussichtlich Mitte Mai ist in der Oberndorfer Straße im Bereich Hegneberg mit Beeinträchtigungen zu rechnen.

Weitere Informationen

Den Planungen für den Neubau der JVA Rottweil und der demnächst beginnenden Erschließung des Geländes sind ein umfangreicher Standortsuchlauf und ein breiter Beteiligungsprozess vorangegangen. Im September 2015 stimmten die Bürgerinnen und Bürger von Rottweil darüber ab, ob am Standort Esch ein Gefängnis gebaut werden soll. Sie entschieden sich mehrheitlich dafür. Die Bürgerbeteiligung wurde auch im weiteren Verfahren fortgesetzt. So ist eine Vielzahl an Anregungen aus einer Beteiligungsgruppe in den Auslobungstext für den Planungswettbewerb eingeflossen.

An dem offenen, zweiphasigen, interdisziplinären Planungswettbewerb für den Neubau der JVA Rottweil beteiligten sich 2017 und 2018 mehr als 50 Bewerbergemeinschaften. Im Juni 2018 entschied sich das Preisgericht aus freien Architekten und Freianlagenplanern, Vertreterinnen und Vertretern des Landesbetriebs Vermögen und Bau Baden-Württemberg, der Stadt Rottweil, des Staatsministeriums, des Ministeriums für Finanzen und des Ministeriums der Justiz und für Europa für den Vorschlag des Architekturbüros Obermeyer Planen + Bauen mit el:ch landschaftsarchitekten aus München. Seither laufen die Planungen auf Basis des Siegerentwurfs. Dieser Entwurf wird weiterverfolgt.

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