Am Samstag geht es los: Die Eröffnung der Rottweiler Fasnet durch das Abstauben der Narrenkleider steht an. Die Abstauber werden durch den Narrenmeister ausgeschickt (ab 10.40 Uhr im Café Schädle, Hauptstraße). Zunftschreiber Frank Huber hat uns im Vorfeld dazu einen Bericht zugeschickt, die NRWZ bringt ihn im Wortlaut.

Kaum sind die Kanonen- und Gewehrläufe der Bürgerwehr vom Neujahrsschießen abgekühlt und kaum hat der Wind den Pulverrauch vertrieben, bricht sich schon der nächste Rottweiler Brauch gewaltig seine Bahn. 34 geschulte Reinigungskräfte in schwarzen Anzügen, weißen Handschuhen und Zylinder bekommen heute vom Narrenmeister eine schweißtreibende Arbeit übertragen. Bis zu zwölf Häuser hat jede der vierzehn Putzkolonnen, bestehend aus 2, manchmal auch 3 oder in wenigen Fällen auch 4 Saubermachern, auf dem Zettel stehen, um dort den Staub der vergangenen elf Monate von Schantle, Biß und Fransenkleidle zu entfernen.

Eine herausfordernde Arbeit, die, wie der Rottweiler zu sagen pflegt, eine besondere Kuttel braucht, denn zwischen 12 und 18 Stunden benötigen die Sauberkeitsexperten, bis allen auf den Zetteln stehenden Häusern eine vornärrische Grundreinigung zuteil wurde. Gelebtes Brauchtum eben. Geschätzt wird diese Tradition von den Bürgersleuten und Zunftmannen aber nicht um des Staubes Willen – denn Staubwischen ist nun wahrlich nicht etwas, um was es sich lohnt eine Kultur der Erinnerung zu entwickeln. Nein, geschätzt werden das Abstauben sowie die Fasnet wegen des verborgenen Kerns, den dieses Brauchtum in sich trägt.

Beim Abstauben geht es um Alt und Jung in Familien, die gemeinsam auf die oft unpünktlichen Saubermacher warten und die Zeit des Wartens mit Geschichten von früher überbrücken, so dass auch die Kleinsten im Familienkreise ein ganz neues Stück Lebenswelt der Eltern oder Großeltern kennenlernen. So wird aus dem wortkargen Opa plötzlich wieder der dynamische Kerl, der die Abstauber vor Jahrzehnten mit Schenkelklopfern zum Lachen brachte, und der heute manchmal strenge Papa erzählt dann auch mal von seinen Ängsten vor den schwarzen Herren im Frack und der gruseligen Federahanneslarve, die auf dem Sofa bereit fürs Abstauben lag.

Beim Abstauben geht es auch um Familien, die in den vergangenen Monaten Schicksalsschläge erfahren haben und die die Zeit mit den Abstaubern wertschätzen, weil diese die Fasnet erwecken und so von dem traurigen Gestern ablenken und das Herz auf das frohere Morgen einstimmen. Beim Abstauben geht es nicht zuletzt um das Nah und Fern in Freundeskreisen. Ehemalige Klassenkameraden oder Nachbarskinder von früher, die sich an Drei König in einem Abstauberhaus treffen, um ihre Freundschaft zu vertiefen oder zu pflegen, weil man sich unterm Jahr berufs- oder familienbedingt nur noch selten trifft.

Das Abstauben zeigt also, dass das Morgen und Übermorgen nicht nur vom Heute, sondern auch vom Gestern und Vorgestern lebt. Wir selbst entscheiden durch das, was wir an diesem Tag tun und wie wir ihn pflegen, was für die, die nach uns kommen, von Bedeutung sein soll. Das ist der tiefere Sinn, warum sich die 34 Abstauber heute auf die Suche nach diesem vermaledeiten Staub machen.

Welch ein Glück, wer solch ein Brauchtum erfahren und leben darf. Alle Bürgersleute, die den Abstauber für ihren strapaziösen Gang Glück wünschen wollen, sind herzlich zur Aussendung der charmanten, stand- und ehrenhaften Staubvernichter eingeladen. Diese erfolgt am Dreikönigstag um 10.40 Uhr vor dem Café Schädle. Sammelstelle für alle Abstauber und alle der Fasnet treu verbundenen Bürgersleute ist ab 21 Uhr das Gasthaus Goldener Apfel. Die Narrenzunft freut sich auf Ihr Kommen.