1.4 C
Rottweil
Dienstag, 10. Dezember 2019
Start Rott­weil Wan­der­of­fen­si­ve und eine App, aber kein frei­es WLAN: Wie der Tou­ris­mus in…

Wanderoffensive und eine App, aber kein freies WLAN: Wie der Tourismus in Rottweil nach vorne kommen soll

-

ROTTWEIL, 9. Okto­ber (gg) – Gro­ßer Tag in Anzug, Hemd und Kra­wat­te für Ulrich Döbe­r­ei­ner. Der Rott­wei­ler Tou­ris­mus­ma­na­ger prä­sen­tier­te ges­tern Abend eine Wan­der­of­fen­si­ve und eine neue Rot­t­­weil-App. Das fand Anklang beim Gemein­de­rat, nicht jedoch ein ein frei­es Gra­­tis-WLAN in der Innen­stadt.

360 ‘Gefällt mir’-Klicks auf die Fra­ge, wer alles in Rott­weil ein frei­es WLAN, einen Gra­­tis-Zugang ins Inter­net in der Innen­stadt will. So vie­le hat der Schwarz­wäl­der Bote bis­lang auf sei­ner Face­book­sei­te gesam­melt, und das sind fast zehn Pro­zent sei­ner Face­book-Freun­­­de. Eine gan­ze Men­ge, möch­te man mei­nen. All die­je­ni­gen wird der Gemein­de­rat ges­tern Abend ent­täuscht haben. Denn ein sol­ches frei­es WLAN, wie von Tou­ris­mus­ma­na­ger Döbe­r­ei­ner vor­ge­schla­gen, wird es bis auf wei­te­res nicht geben.

Mit die­sem Ange­bot hät­te die Stadt­ver­wal­tung ‘um ein paar Jah­re den Zug ver­passt’, glaubt etwa Ein­zel­händ­ler und Stadt­rat Jörg Stauss (Freie Wäh­ler). Für das Geld kön­ne man den Tou­ris­ten, die sich der Kos­ten wegen scheu­ten, im Aus­land, in Rott­weil ins Netz zu gehen, auch gleich ein Han­dy schen­ken – in zwei Jah­ren soll der Auf­bau und Betrieb eines über die Innen­stadt gespann­ten WLAN-Net­­zes die Stadt rund 15.000 Euro kos­ten.

Eben­so sah es Micha­el Hezel (SPD). Der Tech­­nik-Freak, der in der Sit­zung ger­ne mit sei­nem iPho­ne 6 plus spielt, bemän­gel­te, dass das geplan­te Rott­wei­ler WLAN-Netz gera­de mal mit 2 MBit / Sekun­de arbei­ten sol­le. Das LTE-Netz, das es seit ein paar Wochen auch in Rott­weil gebe, schaf­fe 50 Mal mehr. Tat­säch­lich fan­gen heu­te übli­che Inter­net­zu­gän­ge zuhau­se beim zehn­fa­chen an. Und dort muss man die Lei­tung nicht mit ‘zig oder gar hun­der­ten ande­ren tei­len, wie das bei einem öffent­li­chen WLAN-Netz der Fall wäre.

Dann noch Sicher­heits­be­den­ken – dem WLAN-Betrei­ber muss man die Han­dy­num­mer oder eine gül­ti­ge E‑Mail-Adres­­se über­tra­gen, sonst wird man nach zehn Minu­ten raus­ge­schmis­sen. Nichts, was Hezel tun wür­de, da er den Anbie­ter nicht kennt.

Unklar auch die gesund­heit­li­che Situa­ti­on: Wie stark strah­len die Anten­nen?

Außer­dem kom­me heu­te jeder Smart­pho­nen­ut­zer mit einer Flat­rate daher, kön­ne über­all ins Inter­net, wo er eben Emp­fang habe, argu­men­tier­ten die Räte. Rott­weil brau­che da kei­nen teu­ren Zugang schaf­fen.

All das steht aber offen­bar gegen den Wunsch der Nut­zer. Des­halb will der Gemein­de­rat in knapp 14 Tagen noch­mal drü­ber dis­ku­tie­ren. Bis dahin wur­de Döbe­r­ei­ners Vor­schlag ver­scho­ben.

Neue Wan­der­of­fen­si­ve

Leich­ter hat­te es der Tou­ris­mus­ma­na­ger mit sei­ner Wan­der­of­fen­si­ve. Dafür hat­te er sich Hans-Georg Sie­vers geholt, der ein Pla­nungs­bü­ro für Wan­der­tou­ris­mus in Emmen­din­gen betreibt, und damit vom boo­men­den Volks­spaß Wan­dern leben kann, wie er lächelnd erklär­te. Ohne­hin lächel­ten er und Döbe­r­ei­ner viel, denn das Kon­zept, das sie am Mitt­woch­abend dem Gemein­de­ratssaus­schuss vor­stell­ten, fand Anklang.

Dem­nach soll das gesam­te Wan­der­we­ge­netz des Schwä­bi­schen Alb­ver­eins im Stadt­ge­biet über­prüft und gege­be­nen­falls über­ar­bei­tet wer­den. Wo es die Wan­der­ver­ei­ne, etwa auch der Schwarz­wald­ver­ein, wegen älter wer­den­den Mit­glie­dern nicht mehr selbst schaff­ten, das Wege­netz in Ord­nung zu hal­ten, wol­le die Stadt ein­grei­fen. Sie will hoch­wer­ti­ge Stre­cken anbie­ten, gut aus­ge­schil­dert und geschickt ver­mark­tet, denn die Men­schen hät­ten heu­te wenig Zeit, sie woll­ten einen Erfolg sehen, wenn sie sich auf Tour begä­ben, argu­men­tier­te der Wan­der­ex­per­te Sie­vers.

Es soll zwei beson­ders schö­ne, soge­nann­te Para­dies­we­ge geben, die sich in ein Kon­zept ein­rei­hen, das die Land­krei­se Rott­weil und Schwar­z­­wald-Baar gemein­sam ange­hen. Einer führt durchs Eschach­tal, einer star­tet an der Rui­ne Neckar­burg. Dann sind – nach Anre­gung von Bür­gern – Kapel­len­we­ge geplant, die nicht zur Stadt­ka­pel­le führ­ten, wie OB Ralf Broß ver­schmitzt bemerk­te, son­dern zu klei­nen Kapel­len am Weges­rand. ‘Ein schö­nes The­ma, spi­ri­tu­ell besetzt, das ist Wan­dern mit Sinn’, argu­men­tier­te Sie­vers, der glaubt, dass sol­che Wege gut ange­nom­men wür­den bei der Kund­schaft. Und dann sind ein­zel­ne Rund­we­ge im Bereich der Orts­tei­le Rott­weils geplant sowie zwei Stadt­rund­we­ge, einer etwa führ­te dann zum thys­sen­krupp-Tes­t­­turm auf dem Ber­ner Feld.

60.000 Euro will die Stadt sich den Spaß kos­ten las­sen – für neue, mög­lichst ein­heit­li­che Schil­der, Mar­kie­rungs­zei­chen etwa an Bäu­men, Wan­der­infor­ma­ti­ons­ta­feln und die Pla­nungs­ar­bei­ten, also etwa auch Sie­vers Leis­tung.

Der Gemein­de­rats­aus­schuss fand’s gut, wenn­gleich manch ein Stadt­rat nicht glaubt, dass so son­der­lich vie­le neue Tou­ris­ten an- und auf Wege rund um Rott­weil gelockt wer­den könn­ten.

Eine neue App gibt’s auch

Und dann ist Rott­weil neu­er­dings auch in den ein­schlä­gi­gen Online-Stores von Goog­le und Apple ver­tre­ten – mit einer App für Smart­pho­nes mit den Betriebs­sys­te­men Andro­id oder iOS. Dar­in: knap­pe Tex­te, Adres­sen, Tele­fon­num­mern, Links zu Web­sites der Sehens­wür­dig­kei­ten der Stadt. Auch ein Kar­ten­aus­schnitt, der mit den Sehens­wür­dig­kei­ten aber noch nicht ver­linkt ist. Auch anders­her­um funk­tio­niert es nicht – der Anwen­der kann sich etwa nicht zum Stadt­mu­se­um füh­ren las­sen. Dazu wird er Goog­le brau­chen oder einen alter­na­ti­ven Such- und Kar­ten­dienst wie Bing. Den­noch ist man sei­tens der Stadt ganz stolz auf die neue App, die bereits 418 Mal aus einem der Stores her­un­ter gela­den und dann instal­liert wor­den ist. Böse Zun­gen frag­ten da lei­se: Und wie oft ist die App wie­der run­ter­ge­flo­gen? Die­se Fra­ge blieb unbe­ant­wor­tet.

Leser­brief

Zum The­ma Wan­der­of­fen­si­ve hat uns bereits ein Leser­brief erreicht. Unser Leser Ger­hard Gur­reck aus Büh­lin­gen ist selbst einer, der sich mit Wan­­der­we­ge-Vor­­­schlä­gen bei der Stadt­ver­wal­tung ein­bringt. Er schreibt: ‘Das Pro­jekt Wan­der­of­fen­si­ve, wel­ches von Herrn Döbe­r­ei­ner, sei­tens der Stadt­ver­wal­tung und Herrn Sie­vers, vom Pla­nungs­bü­ro, ent­wi­ckelt und vor­ge­stellt wur­de, ist aus mei­ner Sicht abso­lut sinn­voll und auch drin­gend erfor­der­lich. Ein­mal führt es dazu, dass die bestehen­de, teil­wei­se unvoll­stän­di­ge Aus­schil­de­rung, erneu­ert bezie­hungs­wei­se ver­ein­heit­licht wür­de.

Dar­über hin­aus könn­ten in allen Orts- und Stadt­tei­len zusätz­li­che Rund- und Wan­der­tou­ren, mit rela­tiv gerin­gem Auf­wand, ange­bo­ten wer­den.
Die­ses passt, mei­ner Ansicht nach, her­vor­ra­gend zum soeben beschlos­se­nen Turm­pro­jekt, wel­ches ja, wie erhofft, vie­le Besu­cher nach Rott­weil brin­gen wird. Ich kann mir vie­le aus­wär­ti­ge Besu­cher vor­stel­len, wel­che bei dem gran­dio­sen Aus­blick von der Aus­sichts­platt­form, danach
den Wunsch haben, zum Bei­spiel, eine Wan­de­rung im herr­li­chen Eschach­tal zu unter­neh­men. Vor­aus­ge­setzt es gibt dort, oder zu ande­ren Zie­len, ent­spre­chend mar­kier­te Rou­ten.

Die im Anschluss vor­ge­stell­te Tou­­ris­­mus-App der Stadt Rott­weil, ist dazu, bei ent­spre­chen­der Opti­mie­rung, eine her­vor­ra­gen­de Ergän­zung.
Ver­ehr­tes Stadt­par­la­ment bzw. Stadt­ver­wal­tung, ich mei­ne, Sie sind auf dem rich­ti­gen Wege, geben Sie die­sem guten Kon­zept eine Chan­ce und ihre Zustim­mung.’

Ger­hard Gur­reck, Büh­lin­gen

 

- Adver­tis­ment -