Wegen „Irritationen zwischen Stadtverwaltung und Investor”: Stadtrat Jäger will Dialoggruppe zur Hängebrücke

Stadtrat sieht Projekt gefährdet

Freude über das Abstimmungsergebnis beim Bürgerentscheid über die Hängebrücke: die Stadträte Karl-Heinz Weiß (Freie Wähler, links) und Jens Jäger (fraktionslos). Foto: Ralf Graner

Wegen der zuerst von der NRWZ ver­mel­de­ten „Irri­ta­tio­nen zwi­schen Stadt­ver­wal­tung und Inves­tor”: Stadt­rat Jens Jäger (frak­ti­ons­los) hat eine Dia­log­grup­pe zum The­ma Fuß­gän­ger- Hän­ge­brü­cke in Rott­weil bean­tragt. Zugleich hat die Eber­hardt-Grup­pe um den Inves­tor Gün­ter Eber­hardt eine offi­zi­el­le Stel­lung­nah­me ange­kün­digt. Hin­ter­grund ist die über­ra­schen­de Ent­wick­lung hin zu einem zwei­ten Inves­tor, mit dem die Stadt hin­ter den Kulis­sen offen­bar längst ver­han­delt.

Eigent­lich ist alles klar. 71,6 Pro­zent der Wäh­ler haben beim Bür­ger­ent­scheid Ja zur Hän­ge­brü­cke gesagt. Der Brü­cken­bau­er soll­te Gün­ter Eber­hardt sein. Ihm hat­te in einer Nacht im Juni 2015 Netz­wer­ker Alfons Bürk vor­ge­schla­gen, sein Geld in eine Ver­bin­dung von Test­turm und Rott­wei­ler Innen­stadt für Fuß­gän­ger zu inves­tie­ren.

Doch es läuft anders. Nach­dem Inves­tor Eber­hardt erklärt hat­te, er wol­le sich zunächst auf die kür­ze­re Ver­si­on mit 606 Meter beschrän­ken, hat sich ein zwei­ter Inves­tor ange­bo­ten (wir berich­te­ten): Joa­chim Glatt­haar, er ist Chef der Glatt­haar-Fer­tig­kel­ler GmbH in Schram­berg-Wald­mös­sin­gen. Sei­ne Plä­ne sind schon wei­ter gedie­hen, als bis­her bekannt. Er erklär­te gegen­über der NRWZ, dass er über die umstrit­te­nen Grund­stü­cke am Stein­bruch und am Schaf­wa­sen ver­han­delt habe und mit den Eigen­tü­mern Bene­dikt Becker und Kurt Schel­len­berg einig sei – und das bereits seit drei Mona­ten. Die bei­den Flä­chen sind nötig, um die län­ge­re Ver­si­on der Brü­cke mit 800 Metern zu rea­li­sie­ren.

Die Stadt­ver­wal­tung schweigt dazu bis­her. Sie ver­han­delt offen­bar mit zwei Inves­to­ren – ohne den einen aber über die Gesprä­che mit dem ande­ren zu infor­mie­ren. Ohne­hin tut sich die Stadt anschei­nend mit Eber­hardt schwer. Bei einem Orts­ter­min nahe dem Ber­ner Feld, als der Bau­aus­schuss einen mög­li­chen Ein­stiegs­punkt der Brü­cke inspi­zier­te, begrüß­te ihn kei­ner offi­zi­ell, kei­ner bat ihn nach vorn, kei­ner frag­te ihn nach sei­nem Kon­zept. Die kom­plet­te Stadt­spit­ze mit Ober­bür­ger­meis­ter, Bür­ger­meis­ter und drei Fach­be­reichs­lei­tern war damals vor Ort.

Ste­fan Wal­li­ser brennt es des­halb unter den Nägeln. Er macht das Mar­ke­ting für die „Brü­cken­bau­er”. Nach­dem die NRWZ am Frei­tag­abend noch­mal mit einer Ver­öf­fent­li­chung nach­ge­legt hat, will Wali­ser mit einem offi­zi­el­len State­ment des obers­ten Brü­cken­bau­ers, Eber­hardt, an die Öffent­lich­keit. Mut­maß­lich mit der Bot­schaft, dass der Beweh­rungs­bau­er aus Hohen­ten­gen wei­ter­hin unein­ge­schränkt hin­ter dem Pro­jekt ste­he. Allein: Wal­li­ser bekommt aus Urlaubs­grün­den der­zeit kein „Go” für sei­ne Mit­tei­lung. Er schreibt am Sonn­tag­abend, nach­dem er ab Sams­tag mehr­fach mit der NRWZ Kon­takt auf­ge­nom­men hat­te: „Auf mehr­fa­che Nach­fra­ge woll­te ich Ihnen heu­te ger­ne eine Mit­tei­lung und ein State­ment sei­tens der Fir­ma Eber­hardt zur aktu­el­len Situa­ti­on rund um die Hän­ge­brü­cke zusen­den. Lei­der konn­te ich den Pro­jekt­ver­ant­wort­li­chen, Roland Haag, nicht errei­chen und daher habe ich auch kei­ner­lei Frei­ga­be für eine Pres­se­mit­tei­lung. Ich bit­te Sie daher um Geduld.”

Jens Jäger. Foto: pm

Unter­des­sen will ein ande­rer Licht ins Dun­kel brin­gen. Er will errei­chen, dass die Ver­hand­lun­gen mit dem oder den Inves­to­ren für die Hän­ge­brü­cke „kon­struk­tiv und lösungs­ori­en­tiert” ver­lau­fen. Will die­se Ver­hand­lun­gen offen­bar aus dem stil­len Käm­mer­lein an die Öffent­lich­keit brin­gen und einem grö­ße­ren Per­so­nen­kreis zugäng­lich machen. Bereits am 30. Okto­ber, auf Basis damit der ers­ten Berich­te der NRWZ schrieb Stadt­rat Jens Jäger (frak­ti­ons­los) an den Ober­bür­ger­meis­ter: „Ich stel­le hier­mit den Antrag zur Ein­be­ru­fung (Bil­dung) einer Dia­log­grup­pe zum The­ma Fuß­gän­ger-Hän­ge­brü­cke in Rott­weil.”

Die ers­ten guten Schrit­te zum Pro­jekt bis hin zu einem posi­ti­ven Bür­ger­ent­scheid schei­nen der­zeit getrübt zu sein”, kon­sta­tiert Jäger in sei­nem Schrei­ben, das er am heu­ti­gen Sonn­tag an die NRWZ geschickt hat. Die im Raum ste­hen­den und von den Medi­en kom­mu­ni­zier­ten „Irri­ta­tio­nen zwi­schen Stadt­ver­wal­tung und Inves­tor” stell­ten kei­ne guten Vor­aus­set­zung dar, um die­ses „für Rott­weil wich­ti­ge Pro­jekt” vor­an zutrei­ben und zeit­nah umzu­set­zen. „Eher sehe ich, dass die­ses Pro­jekt gefähr­det ist”, so Jäger.

Um  in den wei­te­ren Ver­hand­lun­gen „kon­struk­tiv und lösungs­ori­en­tiert” zu agie­ren, sol­len, so Jäger, in die­ser Dia­log­grup­pe alle betei­lig­ten Sei­ten zu Wort kom­men: Die Stadt­ver­wal­tung, der vor­ran­gi­ge Inves­tor (Bau­herr und Pla­ner), der mög­li­che wei­te­re Inves­tor, die Grund­stücks­ei­gen­tü­mer und Ver­tre­ter des Gemein­de­rats.

Jäger schließt: „Offe­ne, ver­trau­ens­bil­den­de und wür­di­gen­de Kom­mu­ni­ka­ti­on soll­te hier zen­tral sein.”