Das Gebäude am Friedrichsplatz bietet Platz für 15 Bewohner des Psychiatrischen Rehabilitationsbereichs.Foto: pm

ROTTWEIL – Und wie­der wur­den die Umzugs­kar­tons gepackt. Nach­dem man letz­tes Jahr das ers­te Haus im voll­sta­tio­när dezen­tral unter­stütz­ten Woh­nen auf der Sali­ne bezo­gen hat­te, ist man Mit­te Okto­ber aus der Wohn­grup­pe Stadt aus­ge­zo­gen. Fünf Jah­re lang war die Wohn­grup­pe Stadt für bis zu 39 Bewoh­ner des Psych­ia­tri­schen Reha­bi­li­ta­ti­ons­be­rei­ches des Lui­sen­heims ein Ort des Zuhau­se-Seins. Jetzt ist das „alte“ Spi­tal leer­ge­räumt, bis auf ein paar Staub­flu­sen viel­leicht, die noch über das Par­kett wehen.

Der eine oder ande­re Bewoh­ner hat sich mit dem Umzug schwer­ge­tan. Kein Wun­der, war es doch ein gro­ßer, zum Teil angst­be­setz­ter Schritt. Unsi­cher­heit hat sich breit­ge­macht und das Leben spiel­te sich eine Zeit­lang in einer Art Zwi­schen­raum ab. Etwas ging zu Ende und das Neue fühl­te sich noch fremd und unge­wohnt an. Für psy­chisch kran­ke Men­schen eine enor­me Belas­tung.

Trotz der umfas­sen­den Ände­rung der Lebens­si­tua­ti­on haben die Bewoh­ner den Umzug bes­tens gemeis­tert: der Aus­zug aus dem alten Spi­tal bedeu­te­te näm­lich, in die eige­nen vier Wän­de zie­hen zu kön­nen. Für eini­ge Bewoh­ner eine ganz neue Erfah­rung. Kei­ne Groß­grup­pe mehr, son­dern das häus­li­che Zusam­men­le­ben von maxi­mal fünf Bewoh­nern in einer eige­nen, gemein­schaft­lich genutz­ten Woh­nung. 

Lei­der sind see­lisch behin­der­te Men­schen immer noch ver­stärkt von Benach­tei­li­gung in unse­rer Gesell­schaft betrof­fen. Sie erhal­ten in der Regel kei­nen bezahl­ba­ren Wohn­raum und kön­nen häu­fig kei­nen eigen­stän­di­gen Miet­ver­trag abschlie­ßen. Die­ser Umstand führt dazu, dass vie­le Trä­ger, so auch das Vin­zenz von Paul Hos­pi­tal Rott­weil, als Haupt­mie­ter Wohn­raum anmie­tet und die­sen als Heim­platz im Rah­men des dezen­tra­len Woh­nens den Betrof­fe­nen zur Ver­fü­gung stellt. Der Fokus liegt dabei kon­se­quent auf der Bewäl­ti­gung des All­ta­ges. Die Bewoh­ner erhal­ten im Rah­men eines wei­test­ge­hend mobi­len Per­so­nal­ein­sat­zes pass­ge­naue Unter­stüt­zungs­leis­tun­gen, um am Leben in der Gemein­de – mit Nach­barn, Ein­kaufs­mög­lich­kei­ten, Frei­zeit­an­ge­bo­ten und so wei­ter teil­ha­ben zu kön­nen.

Grup­pen­fo­to in den neu­en Räum­lich­kei­ten am Fried­richs­platz. Foto: pm

Das neu ange­mie­te­tes Haus am Fried­richs­platz ist ein abso­lu­ter Glücks­tref­fer. Auf­ge­teilt in drei Woh­nun­gen bie­tet die­ses his­to­ri­sche Gebäu­de Platz für 15 Bewoh­ner. In einem denk­mal­ge­schütz­ten Haus zu woh­nen, ist immer etwas Beson­de­res – und damit sind nicht nur die schie­fen Türen gemeint. Das Haus über­zeugt auf Anhieb durch sei­nen Charme und sei­ne ein­zig­ar­ti­ge Atmo­sphä­re: modern aus­ge­stat­te­te und kom­for­ta­ble Woh­nun­gen, die auf wun­der­ba­re Wei­se mit Holz­bal­ken­de­cken und Erkern har­mo­nie­ren. Ein Haus mit Geschich­te, das mit­ten im Zen­trum von Rott­weil, den Blick auf die   Pre­di­ger­kir­che, die Schwä­bi­sche Alb und den Rott­wei­ler Test-Turm lenkt.

Ein Blick, der im Sin­ne des Bun­des­teil­ha­be­ge­set­zes ganz neue Per­spek­ti­ven eröff­net: hin zu mehr Frei­heit, gleich­be­rech­tig­ter Teil­ha­be, Selbst­be­stim­mung und last but not least auch zu mehr Selbst­ver­ant­wor­tung.