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Rottweil
Samstag, 22. Februar 2020

Wohngruppe Stadt zieht an den Friedrichsplatz

ROTTWEIL – Und wieder wurden die Umzugskartons gepackt. Nachdem man letztes Jahr das erste Haus im vollstationär dezentral unterstützten Wohnen auf der Saline bezogen hatte, ist man Mitte Oktober aus der Wohngruppe Stadt ausgezogen. Fünf Jahre lang war die Wohngruppe Stadt für bis zu 39 Bewohner des Psychiatrischen Rehabilitationsbereiches des Luisenheims ein Ort des Zuhause-Seins. Jetzt ist das „alte“ Spital leergeräumt, bis auf ein paar Staubflusen vielleicht, die noch über das Parkett wehen.

Der eine oder andere Bewohner hat sich mit dem Umzug schwergetan. Kein Wunder, war es doch ein großer, zum Teil angstbesetzter Schritt. Unsicherheit hat sich breitgemacht und das Leben spielte sich eine Zeitlang in einer Art Zwischenraum ab. Etwas ging zu Ende und das Neue fühlte sich noch fremd und ungewohnt an. Für psychisch kranke Menschen eine enorme Belastung.

Trotz der umfassenden Änderung der Lebenssituation haben die Bewohner den Umzug bestens gemeistert: der Auszug aus dem alten Spital bedeutete nämlich, in die eigenen vier Wände ziehen zu können. Für einige Bewohner eine ganz neue Erfahrung. Keine Großgruppe mehr, sondern das häusliche Zusammenleben von maximal fünf Bewohnern in einer eigenen, gemeinschaftlich genutzten Wohnung. 

Leider sind seelisch behinderte Menschen immer noch verstärkt von Benachteiligung in unserer Gesellschaft betroffen. Sie erhalten in der Regel keinen bezahlbaren Wohnraum und können häufig keinen eigenständigen Mietvertrag abschließen. Dieser Umstand führt dazu, dass viele Träger, so auch das Vinzenz von Paul Hospital Rottweil, als Hauptmieter Wohnraum anmietet und diesen als Heimplatz im Rahmen des dezentralen Wohnens den Betroffenen zur Verfügung stellt. Der Fokus liegt dabei konsequent auf der Bewältigung des Alltages. Die Bewohner erhalten im Rahmen eines weitestgehend mobilen Personaleinsatzes passgenaue Unterstützungsleistungen, um am Leben in der Gemeinde – mit Nachbarn, Einkaufsmöglichkeiten, Freizeitangeboten und so weiter teilhaben zu können.

Gruppenfoto in den neuen Räumlichkeiten am Friedrichsplatz. Foto: pm

Das neu angemietetes Haus am Friedrichsplatz ist ein absoluter Glückstreffer. Aufgeteilt in drei Wohnungen bietet dieses historische Gebäude Platz für 15 Bewohner. In einem denkmalgeschützten Haus zu wohnen, ist immer etwas Besonderes – und damit sind nicht nur die schiefen Türen gemeint. Das Haus überzeugt auf Anhieb durch seinen Charme und seine einzigartige Atmosphäre: modern ausgestattete und komfortable Wohnungen, die auf wunderbare Weise mit Holzbalkendecken und Erkern harmonieren. Ein Haus mit Geschichte, das mitten im Zentrum von Rottweil, den Blick auf die   Predigerkirche, die Schwäbische Alb und den Rottweiler Test-Turm lenkt.

Ein Blick, der im Sinne des Bundesteilhabegesetzes ganz neue Perspektiven eröffnet: hin zu mehr Freiheit, gleichberechtigter Teilhabe, Selbstbestimmung und last but not least auch zu mehr Selbstverantwortung.

 

 

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