Wozu mach‘ ich das eigentlich?”

Jugendliche Teilnehmer finden Gemeinderatssitzung "sterbenslangweilig"

Mehr als 180 Schülerinnen und Schüler konnten Themen auch direkt mit Oberbürgermeister Ralf Broß besprechen. Fotos: pm

Das ers­te Kin­der- und Jugend­hea­ring im gut gefüll­ten Son­nen­saal des Kapu­zi­ners war ein vol­ler Erfolg.“ Das sagt die Stadt selbst. Die Teil­neh­mer und man­che Beob­ach­ter sehen das aber anders, vor allem nach der Prä­sen­ta­ti­on der Ergeb­nis­se im Gemein­de­rat.

20 Jugend­li­che waren am Mitt­woch in den Rats­saal gekom­men, sogar eine hal­be Stun­de frü­her, um sich von Her­bert Stemm­ler, dem Lei­ter des Kin­der- und Jugend­re­fe­rats (KiJu) die Sitz­ord­nung erklä­ren zu las­sen. „Wir dach­ten eigent­lich, dass wir jetzt noch­mal bespre­chen, wie wir die Prä­sen­ta­ti­on machen“, wun­der­te sich eine 18-jäh­ri­ge Teil­neh­me­rin. Dann eine „ster­bens­lang­wei­li­ge“ Sit­zung des Kul­tur-, Sozi­al- und Ver­wal­tungs­aus­schus­ses, die kurz­fris­tig vor­ge­zo­gen wur­de. „Da haben nicht mal die Gemein­de­rä­te zuge­hört, die haben sich neben­her unter­hal­ten und geges­sen“, sagt die jun­ge Frau, und die Räte hät­ten sich stän­dig wie­der­holt, alle das­sel­be gesagt.

Zwei Stun­den dau­er­te es, eini­ge gin­gen inzwi­schen nach Hau­se, bis Her­bert Stemm­ler end­lich die Ergeb­nis­se vor­stell­te, zwei Mäd­chen durf­ten dann reden. „Wir hät­ten auch ger­ne etwas dazu gesagt“, meint die 18-Jäh­ri­ge. Und eine 16-Jäh­ri­ge zeig­te sich ent­täuscht, „wir haben uns nicht wahr­ge­nom­men gefühlt. Das war unnö­ti­ge Zeit­ver­schwen­dung.“ Und: „Wozu mach‘ ich das eigent­lich?”

Dass dann der Gemein­de­rat über die Ide­en der Jugend­li­chen sprach, statt direkt bei ihnen nach­zu­fra­gen, konn­ten die Mäd­chen und ihre Freun­din­nen nicht ver­ste­hen. „Ich wer­de bei der Arbeits­grup­pe für Rock am Turm wei­ter­ma­chen. Aber auf sol­che Gemein­de­rats­sit­zun­gen hab ich kei­nen Bock mehr“, sagt die 18-Jäh­ri­ge.

Bür­ger­meis­ter Dr. Chris­ti­an Ruf jedoch betont: „Im Gemein­de­rat ging es nun dar­um, über den Auf­takt der Jugend­par­ti­zi­pa­ti­on zu berich­ten und Gemein­de­rat sowie Öffent­lich­keit an der leb­haf­ten Atmo­sphä­re und den vie­len Ide­en teil­ha­ben zu las­sen. Wie es wei­ter­geht, ist bereits in der Grund­kon­zep­ti­on des Jugend­hea­rings gere­gelt: Es wird Arbeits­grup­pen geben, die vom KiJu beglei­tet wer­den.“ Das KiJu sor­ge dafür, dass die Ergeb­nis­se dem Gemein­de­rat wider­ge­spie­gelt wer­den.

Rund 50 Teil­neh­mer des Jugend­hea­rings haben sich bereit­erklärt, dar­in mit­zu­ar­bei­ten. Zwei Ver­tre­te­rin­nen der Schü­ler haben den Gemein­de­rä­ten, der Pres­se und der Ver­wal­tung ihren Ein­druck vom Jugend­hea­ring wie­der­ge­ge­ben und die betei­lig­ten Schü­ler haben viel Lob für ihr Enga­ge­ment von Ver­wal­tung und Stadt­rä­ten bekom­men“, so Ruf. „Die Anwe­sen­den konn­ten das ech­te Inter­es­se aller Betei­lig­ten spü­ren. Wir bedau­ern, dass die Jugend­li­chen war­ten muss­ten, bis das Jugend­hea­ring an der Rei­he war. Das war sicher­lich für die jun­gen Leu­te eine Geduld­pro­be, was wir künf­tig ver­mei­den wer­den.“

Ich hät­te noch ande­res zu tun gehabt“, sagt wie­der­um eine der Schü­le­rin­nen. „Ich hab mich gefragt, wie­so mach ich das eigent­lich?“

Lesen Sie dazu auch den Leser­brief von Elke Rei­chen­bach: https://www.nrwz.de/meinung/jugendbeteiligung-bisher-eine-farce/184479