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Montag, 9. Dezember 2019
Start Rott­weil www.facebook.com/stadtrottweil, oder: Die Ver­wal­tung auf kaum bekann­tem Ter­rain

www.facebook.com/stadtrottweil, oder: Die Verwaltung auf kaum bekanntem Terrain

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ROTTWEIL, 5. Novem­ber (gg) – Knapp 25.000 Ein­woh­ner hat die Stadt Rott­weil. Kei­ne 250 davon mögen sie – in Form eines Likes auf dem Face­book-Auf­­­tritt der Stadt­ver­wal­tung. Bevor wir das als mick­ri­ges Pro­zent schmä­hen, schau­en wir lie­ber mal nach vor­ne: Ab Dezem­ber will die Ver­wal­tung im sozia­len Netz durch­star­ten, hat Ober­bür­ger­meis­ter Ralf Broß ver­spro­chen. Wie? Ja, even­tu­ell wie der bereits erfolg­rei­che Kol­le­ge aus Schram­berg.

Achim Ring­wald teilt ger­ne. Und zwar täg­lich: News aus dem Städt­le, die der Schwarz­wäl­der Bote oder die NRWZ aktu­ell ver­öf­fent­licht haben. Die Mel­dun­gen stellt er in den Face­book-Account der Stadt Schram­berg ein und teilt so die Mel­dun­gen der ört­li­chen Redak­tio­nen mit der Welt. Alle paar Stun­den eine. Dazwi­schen pos­tet Ring­wald News aus der Stadt­ver­wal­tung, Ver­an­stal­tungs­hin­wei­se und, manch­mal, auch Anek­do­ten und lus­ti­ge Bil­der aus dem All­tags­le­ben einer Behör­de.

Schramberg ist bereits erfolgreich

Das kommt bei den Nut­zern an: Beein­dru­cken­de knapp 1700 Freun­de hat die Stadt Schram­berg so über die Jah­re auf ihrer Face­book­sei­te ver­sam­melt. Ring­wald macht Face­book in Teil­zeit, neben sei­ner eigent­li­chen Arbeit bei der Stadt­ver­wal­tung.

Am Mitt­woch gab es in der Gemein­­de­­rats-Aus­­­schus­s­­sit­zung der Stadt Rott­weil noch wenig ver­hal­ten höh­ni­sches Geläch­ter über den Schram­ber­ger FB-Auf­­­tritt. Da war gera­de die – inzwi­schen ver­al­te­te – ver­gleichs­wei­se gerin­ge Zahl von 700 Face­book­freun­den für Schram­berg an die Wand gewor­fen wor­den. Da konn­ten die Räte und die Zuschau­er aus der Rott­wei­ler Ver­wal­tung aber noch nicht wis­sen, dass ihre eige­ne Stadt noch viel schlech­ter abschnei­det.

Im Tru­bel droh­te auch unter­zu­ge­hen, dass Face­book-Exper­­te Micha­el Pre­de­schly vom Zweck­ver­band Kom­mu­na­le Infor­ma­ti­ons­ver­ar­bei­tung Reu­t­­lin­gen-Ulm, Kiru gera­de gro­ßes Lob parat hat­te für den Schram­ber­ger Ring­wald. Die­ser betreue einen der bes­ten, jeden­falls einen der aktivs­ten kom­mu­na­len Face­book-Accounts im gan­zen Land.

Initialzündung nach ruhiger Phase

Nun könn­te der bei der Stadt­ver­wal­tung Rott­weil Zustän­di­ge, Medi­en­re­fe­rent Tobi­as Her­mann, also in Schram­berg nach­fra­gen, wie man einen erfolg­rei­chen Auf­tritt macht. Er wür­de erfah­ren, dass sehr viel Arbeit dahin­ter steckt. Mehr, als die Stadt Rott­weil in den ver­gan­ge­nen Jah­ren bereit war, zu inves­tie­ren. ‘Wir pos­ten ab und zu ein aktu­el­les Bild, pas­send zu den Jah­res­zei­ten’, so Her­mann über die bis­he­ri­gen Akti­vi­tä­ten. Mot­to: ‘Da der gol­de­ne Herbst gera­de Pau­se macht, hier mal ein schö­nes Bild vom Was­ser­turm!’ Am erfolg­reichs­ten: ein Foto vom gera­de los­ge­gan­ge­nen Nar­ren­sprung an einem Mon­tag­mor­gen.

Doch ges­tern erfolg­te die Initi­al­zün­dung. Her­mann will mehr, mit ihm bläst OB Broß ins Horn: ‘Ab Dezem­ber sind wir von der Stadt auf Face­book erreich­bar.’ Dann soll der neue, zusätz­li­che Kanal genutzt wer­den, der für die Stadt ein noch kaum bekann­ter Pfad ist, der aber von so vie­len Leu­ten schon beschrit­ten wird. ‘Sie kom­men an Face­book nicht vor­bei’, urteilt etwa Pre­de­schly.

Der FB-Exper­­te erklärt: Immer weni­ger Leu­te wür­den eine Tages­zei­tung lesen, geschwei­ge denn abon­nie­ren. Fragt er, der auch an einer Fach­hoch­schu­le lehrt, sei­ne Stu­den­ten, ob sie eine Zei­tung abon­niert hät­ten, dann reckt fast nie­mand mehr den Arm. Die eine, die das zuletzt noch getan hat­te, habe anschlie­ßend gleich zuge­ge­ben, dass sie dar­in eigent­lich nur Din­ge ein­wi­cke­le.

Darum will die Stadtverwaltung bei Facebook aktiv sein

Eine Stadt­ver­wal­tung erreicht also auf dem Weg über die Tages­zei­tung immer weni­ger Men­schen. Fazit: ‘Face­book ist ein attrak­ti­ver Kanal zur direk­ten Bür­ger­an­spra­che’, so Pre­de­schly. Übri­gens: Die ört­li­chen Rott­wei­ler Redak­tio­nen, Grad­mes­ser viel­leicht für das, was lokal so geht, brin­gen es zur­zeit auf knapp 4000 (Schwarz­wäl­der Bote RW) und hof­fent­lich bald 5000 Likes (die NRWZ).

Neben den bis­her bestehen­den FB-Auf­­­trit­­ten von KiJiu, Stadt­bü­che­rei und Volks­hoch­schu­le will nun auch die Ver­wal­tung ins­ge­samt prä­sen­ter sein. Her­mann stellt sich das so vor: Die ohne­hin von ihm getex­te­ten Pres­se­mit­tei­lun­gen will der Pres­se­spre­cher der Stadt – in gekürz­ter Form und mit einem Bild ver­se­hen – auf FB pos­ten. ‘Mini­mum ein bis zwei News pro Woche’, ver­spricht er. Ergän­zend kom­men knap­pe Ser­vice-Infos aus der Ver­wal­tung, etwa zu aktu­el­len Stra­ßen­sper­run­gen. Oder Kon­zert­fo­tos und die Gewin­ner des jüngs­ten Blu­men­schmuck­wett­be­werbs. ‘Mit dem Smart­pho­ne kann man schnell ein Bild machen, kurz was dazu schrei­ben, und das dann pos­ten’, erklärt Her­mann.

Was auch bereits klar ist: Soll­te es Reak­tio­nen der Nut­zer geben, Bei­trä­ge und Kom­men­ta­re auf der städ­ti­schen Face­book­sei­te, ‘dann wol­len wir uns nicht gleich in die Dis­kus­si­on stür­zen’, bestimmt Her­mann. Er will die Mei­nungs­äu­ße­run­gen lau­fen las­sen, bis sie Gren­zen über­schrei­ten und dann gege­be­nen­falls reagie­ren. Eben­so aber will er auf wert­vol­le Hin­wei­se von Online­be­su­chern ant­wor­ten. Das Enga­ge­ment für den Auf­tritt ’soll sich in Gren­zen hal­ten’, gab etwa OB Broß vor.

Er, der Stadt­chef, kann sich übri­gens auch offi­zi­el­le Stel­lung­nah­men zu städ­ti­schen The­men vor­stel­len – wie man sie etwa in der Sache mit dem Eck­hof-Schnit­zel-Gas­t­haus tage­lang ver­misst hat.

Im Dezember geht’s richtig los

Die Stadt­ver­wal­tung star­tet im Dezem­ber nun einen Pro­be­lauf, der ein hal­bes Jahr dau­ern soll. Danach wird abge­rech­net. Her­mann möch­te dann 500 bis 1000 Fans erreicht haben. Das erscheint mög­lich. Aktu­ell klet­tert die Zahl der FB-Freun­­­de deut­lich, auch etwa, nach­dem die NRWZ die Sei­te der Stadt ver­linkt hat.

Online hat die NRWZ auch schon gefragt: ‘Was wür­det ihr euch von der Stadt­ver­wal­tung auf ihrer FB-Sei­­te erwar­ten? Wann wür­det ihr zu Fans?’ Die aller­ers­te Ant­wort ist eine, die auch der Exper­te gege­ben hat­te, ganz unab­hän­gig davon. So schreibt Annet­te Mayr mit einem Smi­ley: ‘Nun, da darf ich doch gleich mal auf die tol­le Sei­te der Stadt Schram­berg ver­wei­sen.’

 

 

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