Josef Andre (1879 bis 1950), Albert Bauer (1883 bis 1959) und Rudolf Linkenheil (1880 bis 1939), die sich als Gründerväter der Weimarer Republik aus Schramberg vor 100 Jahren für „Freiheit - Gleichheit - Einigkeit“ einsetzten. Grafik: Uwe Rettkowski/Foto: Stadtarchiv Schramberg

Zum 100. Jah­res­tag der „Novem­ber­re­vo­lu­ti­on“ erin­nert ein Akti­ons­bünd­nis im Land­kreis Rott­weil an die Geburt der ers­ten Demo­kra­tie in Deutsch­land. Am Frei­tag wird dazu die Aus­stel­lung „100 Jah­re Demo­kra­tie in Deutsch­land – und in Schram­berg“ im Stadt­mu­se­um Schram­berg eröff­net. Dar­über infor­miert Cars­ten Kohl­mann:

 Zwi­schen dem 9. Novem­ber 1918 und dem 19. Janu­ar 1919 wur­de in einer schick­sal­haf­ten Zei­ten­wen­de als ers­te Demo­kra­tie in der deut­schen Geschich­te die Wei­ma­rer Repu­blik gebo­ren. Die Dra­ma­tik der dama­li­gen Zeit kann man sich heu­te kaum mehr vor­stel­len. Bis in den Herbst 1918 hat­ten vie­le noch an ein sieg­rei­ches Ende des Ers­ten Welt­krie­ges geglaubt und dafür an der Front und an der Hei­mat alle Kräf­te ein­ge­setzt. Doch alles war umsonst, der Krieg war nach vier Jah­ren vol­ler Opfer ver­lo­ren.

Mit dem Zusam­men­bruch begann eine Revo­lu­ti­on, die dem jahr­hun­der­te­al­ten Zeit­al­ter der Mon­ar­chie im Deut­schen Reich ein Ende berei­te­te. Am 9. Novem­ber 1918 pro­kla­mier­te der SPD-Poli­ti­ker Phil­ipp Schei­de­mann (1865 bis 1939) von einem Fens­ter des Reichs­ta­ges in Ber­lin die Repu­blik. Am 12. Novem­ber 1918 pro­kla­mier­te der SPD-Poli­ti­ker Albert Bau­er (1883 bis 1959) von einem Fens­ter des Rat­hau­ses in Schram­berg die Repu­blik.

Am 12. Janu­ar 1919 wur­de die ver­fas­sungs­ge­ben­de Lan­des­ver­samm­lung des Frei­en Volks­staa­tes Würt­tem­berg in Stutt­gart gewählt, der aus Schram­berg der DDP-Poli­ti­ker Rudolf Lin­ken­heil (1880 bis 1939), der SPD-Poli­ti­ker Albert Bau­er und der Zen­trums­po­li­ti­ker Josef And­re (1879 bis 1950) ange­hör­ten. Zum Jubi­lä­um „100 Jah­re Demo­kra­tie in Deutsch­land – und in Schram­berg“ hat der Gra­phi­ker und Illus­tra­tor Uwe Rett­kow­ski die­sen drei ört­li­chen Grün­der­vä­tern der Wei­ma­rer Repu­blik eine Zeich­nung gewid­met, die auch in der Serie „Post­kar­ten des Stadt­ar­chivs und Stadt­mu­se­ums Schram­berg“ erscheint. Zur Aus­stel­lungs­er­öff­nung wer­den ihre heu­te in Frank­furt am Main, Leon­berg und Mün­chen leben­den Nach­kom­men erwar­tet.

Die Geburt der Weimarer Republik

Am 19. Janu­ar 1919 folg­te die Wahl der ver­fas­sungs­ge­ben­den Natio­nal­ver­samm­lung des Deut­schen Rei­ches in Wei­mar, in die der Zen­trums­po­li­ti­ker Josef And­re ent­sandt wur­de. Die Par­tei­en der „Wei­ma­rer Koali­ti­on“ hat­ten in der Bür­ger­schaft der Indus­trie­stadt Schram­berg einen star­ken Rück­halt, die ohne­hin auf eine beacht­li­che Demo­kra­tie­ge­schich­te zurück­bli­cken kann, die bereits im Vor­märz und in der Revo­lu­ti­on von 1848/49 begon­nen hat. Der Geburt der Wei­ma­rer Repu­blik vor 100 Jah­ren ist auch das Frau­en­wahl­recht zu ver­dan­ken. Bei den Kom­mu­nal­wah­len am 25. Mai 1919 wur­den The­re­sia Bant­le (1884 bis 1973) für das Zen­trum und Ber­ta Kuhnt (1872 bis 1929) für die SPD als ers­te Frau­en in den Gemein­de­rat der Stadt Schram­berg gewählt.

Zum Geden­ken an die Novem­ber­re­vo­lu­ti­on hat sich auf Initia­ti­ve des SPD-Kreis­ver­ban­des Rott­weil ein Akti­ons­bünd­nis gebil­det, das mit einer Aus­stel­lungs- und Vor­trags­rei­he im Land­kreis Rott­weil an die Geburt der Wei­ma­rer Repu­blik vor 100 Jah­ren erin­nert. In Schram­berg wer­den das Stadt­ar­chiv und Stadt­mu­se­um in einer Son­der­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Schloss der Gra­fen von Bis­sin­gen und Nip­pen­burg einen anschau­li­chen Ein­druck von der lokal­ge­schicht­li­chen Dimen­si­on der dama­li­gen Zeit ver­mit­teln. Aus einer Pri­vat­samm­lung wer­den weit­ge­hend unbe­kann­te Post­kar­ten­mo­ti­ve der dama­li­gen Zeit gezeigt, ergänzt um eini­ge zeit­ge­nös­si­sche Pres­seil­lus­tra­tio­nen.

Ausstellungseröffnung am Freitag

Zur Aus­stel­lungs­er­öff­nung am Frei­tag, 23. Novem­ber, 19 Uhr spre­chen Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Her­zog und SPD-Orts­ver­eins­vor­sit­zen­der Mir­ko Wit­kow­ski. Der SPD-Orts­ver­ein Schram­berg hat auch die Paten­schaft für den Bei­trag der Gro­ßen Kreis­stadt Schram­berg zu der Aus­stel­lungs- und Vor­trags­rei­he im Land­kreis Rott­weil über­nom­men.

Muse­ums­lei­ter und Stadt­ar­chi­var Cars­ten Kohl­mann wird zusam­men mit dem Stu­den­ten Lorenz Kam­me­rer von der Uni­ver­si­tät Frei­burg und der Schü­le­rin Sarah Glo­cker vom Gym­na­si­um Schram­berg in einem atmo­sphä­ri­schen Zeit­bild das Gesche­hen vor 100 Jah­ren in Erin­ne­rung rufen. Micha­el Por­zelt wird die Aus­stel­lungs­er­öff­nung mit poli­ti­schen Lie­dern aus alter und neu­er Zeit musi­ka­lisch umrah­men. Die gesam­te Bür­ger­schaft ist zu die­ser Gedenk- und Fei­er­stun­de zum 100. Geburts­tag der Demo­kra­tie in Deutsch­land und in Schram­berg ein­ge­la­den.

Info: Die Aus­stel­lung „100 Jah­re Demo­kra­tie in Deutsch­land – und in Schram­berg“ wird am Frei­tag, 23. Novem­ber, 19 Uhr, im Stadt­mu­se­um Schram­berg eröff­net und ist mit einer Pau­se vom 29. Novem­ber bis 5. Dezem­ber wie­der vom 6. Dezem­ber bis auf wei­te­res im Stadt­mu­se­um Schram­berg zu sehen. Die neue Post­kar­te ist vom 23. Novem­ber an im Stadt­ar­chiv und Stadt­mu­se­um Schram­berg für einen Euro erhält­lich.