„… als Rennfahren gefährlich war.“

Sonderausstellung „Siegreich auf NSU Prinz, NSU TT und NSU/Wankel Spider“ im Schramberger Auto- und Uhrenmuseum eröffnet

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NSU-Freunde und –fahrer vor einem der legendären Renn-Spider (von links): Ulrich Latus, Kurt Brixner, Siegfried Spiess, Hartmut Jundt, Hans Müller und Schrambergs OB Thomas Herzog. Fotos: him

SCHRAMBERG  (him) –  Großer Andrang herrschte am Freitagabend im Auto– und Uhrenmuseum bei der Eröffnung der Sonderausstellung „Siegreich auf NSU Prinz, NSU TT  und NSU/Wankel Spider“.

Gekommen waren etwa 150 Besucher. Neben den NSU-Spezialisten, etlichen Gemeinderäten und Museumsfreunden auch einige Schramberger Firmenchefs, Alt-OB und Ehrenbürger Herbert O. Zinell. Und natürlich die alten Haudegen und Rennfahrer wie Siegfried Spiess, Kurt Brixner oder Hans Müller aus Dauchingen.

Oberbürgermeister Thomas Herzog erinnerte an die Frühzeit des Automobils. Damals um 1895 hätten sich Pioniere wie Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach immer wieder in Schramberg bei Arthur Junghans getroffen, der ein großer Autofan war. Zusammen hätten sie „die Straßen um Schramberg unsicher gemacht“.

OB Thomas Herzog

Als sich Maybach eines Tages an einer Zündvorrichtung eine schwere Verbrennung zuzog, hätte Junghans gemeinsam mit Daimler eine sicherere Zündspule entwickelt, die später Robert Bosch zur Serienreife brachte. Insofern habe Schramberg durchaus mit der Geschichte des Autos zu tun.

Die Begrüßung der Gäste übernahm der Vorsitzende des deutschen NSU-WANKEL-Spider Clubs, Ulrich Latus. Dieser hatte auch seine Tochter, die Saxophonistin Sabrina Latus und den Keyboarder Robin Schmidt mitgebracht, die die Gäste mit loungigen Klängen zwischen und nach den Reden bestens unterhielten.

Latus erinnerte daran, dass der Spider von NSU das weltweit erste Auto mit Wankelmotor war. „Um die Tauglichkeit des Motors zu belegen, wurde er im Motorsport eingesetzt.

Ulrich Latus

Vor einigen Jahren hätten Hartmut Jundt und er begonnen, sich für die NSU-Rennsportgeschichte zu interessieren und seien dabei auf Siegfried Spiess und Karlheinz Panowitz gestoßen. Siegfried Spiess begrüßte er im Museum, Panowitz sei schon 1980 gestorben. Viele andere dem Motorsport verbundene frühere Fahrer, Mechaniker und Betreuer hieß er willkommen, die mit dem Namen NSU eng verbunden seien.

„Museum ist ein Juwel“

Die Idee zur Sonderausstellung in Schramberg sei im Zusammenhang mit der Maico-Schau vor zwei Jahren entstanden. Damals habe er das Schramberger Museum erstmals besucht und war begeistert. Als er Museumsleiter Harald Burger seine NSU-Idee vorstellte, sei „der Zündfunke sofort übergesprungen“, erinnert er sich. Er dankte den zahlreichen Leihgebern für ihre Unterstützung und den Museumsleuten für ihren Einsatz. Den Vertretern der Stadt versicherte er abschließend: „Mit diesem Museum haben Sie ein Juwel.“

Hartmut Jundt vom NSU-WANKEL-Spider Club blickte auf die Motorsportgeschichte zurück. Vor 50 Jahren hatten Panowitz und Spiess ihre großen Erfolge mit dem Wankelmotor, der damals gerade zehn Jahre alt war. NSU hatte wegen des Niedergangs der Motorräder ab Mitte der 50er Jahre wie viele andere Hersteller auf den Bau von Kleinwagen gesetzt. „Um zu überleben, setzte NSU auf ein sportliches Image.“ Das Unternehmen aus Neckarsulm schuf eigene Klassen, vergab besondere Preise und gewährte Rennfahrern 40 Prozent Rabatt auf Ersatzteile.

Hartmut Jundt

So kamen auch Panowitz und Spiess zu NSU. Während Panowitz eher ein Lebemann war („trotz vieler Erfolge war sein Geldbeutel immer leer“), sei Spiess der Tüftler und Konstrukteur gewesen – und bis heute geblieben. Er entwickelte Motoren für die Formel 3. Dort begannen Leute wie Michael Schumacher Nick Heidfeld oder Joachim Winkelhock ihre Karrieren. Teile aus seiner Firma „genießen Kultstatus“, so Jundt.

… und Sex sicher“

Mit der Professionalisierung im Motorsport Anfang der 70er Jahre verloren die Amateure ihre Chancen. NSU war Ende der 60er Jahre von Audi übernommen worden. Die alten Spider waren ab Mitte der 70er Jahre  nicht mehr wettbewerbsfähig. Die Autos wurden sicherer, die Fahrer trugen Sturzhelme und feuerfeste Kleidung. Der britische Rennfahrer Jackie Steward habe einmal über die Jahre davor gesagt, es sei eine Zeit gewesen „when racing was dangerous, and sex was safe.“

An diese Zeit erinnert die Ausstellung bis zum 10. September.

Info: Das Auto und Uhrenmuseum im Gewerbepark H.A.U an der Oberndorfer Straße ist von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet.