Zentraler Faktor Bildung

Ärztin sprach über „Gesundheitsrisiko Armut“ / Infoabend des Kinderfonds

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Gut besucht: Info-Veranstaltung des Kinderfonds in der Peter-Meyer-Schule. Fotos: him

SCHRAMBERG  (him) –   Neben der materiellen Armut litten viele Menschen auch unter Bildungsarmut. Beides zusammen erhöhten das Risiko, chronisch krank zu werden, enorm, so die Erfahrung von Dr. Sibylle Schellhorn-Glomb vom Gesundheitsamt Rottweil.

Auf Einladung des Schramberger Kinderfonds sprach Dr. Schellhorn-Glomb über „Armut als Gesundheitsrisiko“.  Armut sei ein relativer Begriff, in Afrika oder Rumänien stelle sie sich anders dar als bei uns. In der EU gelte als armutsgefährdet, wer weniger als 60 Prozent eines Durchschnittsnettoeinkommens zur Verfügung habe.

Dr. Sibylle Schellhorn-Glomb

Der Zusammenhang von Armut und Gesundheit werde derzeit breit diskutiert, sei aber an sich nichts Neues. Seit je sei klar: „Armut ist ein Gesundheitsrisiko.“ Schon im Altertum wussten die Mediziner, dass zur Gesunderhaltung drei Säulen wichtig sind: eine gesunde Lebensweise, richtige Ernährung und viel Bewegung. Bei allen drei hapere es, wenn Menschen unter Armut leiden, so die Medizinerin, die beim Gesundheitsamt für die Kinder und Jugendlichen verantwortlich ist.

Wer arm ist, könne am gesellschaftlichen Leben nicht oder nicht ausreichend teilnehmen. Arbeitslosigkeit sei in Deutschland immer noch die häufigste Ursache für Armut. Gleichzeitig führe Bildungsarmut eher in Arbeitslosigkeit: „Wer wenig kann, wird als erstes entlassen.“

„Funktioneller Analphabetismus“

Sie beobachte bei vielen Menschen ohne Ausbildung „funktionellen Analphabetismus“: Die Menschen können zwar lesen, verstehen den Sinn der Texte aber nicht. Behördenbriefe würden deshalb nicht beantwortet, eigentlich mögliche und den Familien zustehende Hilfen nicht beantragt. Ein Teufelskreis.

Hinzu komme die schlechte soziale Mobilität in Deutschland: „Wer arm ist, hat es schwer da wieder herauszukommen.“  Wer arm ist, bewege sich wenig, verbringe seine Zeit vor dem Fernseher. Viele ernährten sich von Fertiggerichten, weil sie gar nicht mehr kochen könnten. Alkohol und Nikotin kämen hinzu. Bei Langzeitarbeitslosen steige das Risiko einer Depression mit Auswirkungen auf die ganze Familie.

Schellhorn-Glomb rät, früh anzusetzen: In den Kindergärten sollten die Erzieherinnen dem Bewegungsdrang der Kinder Raum geben. Sie sollten Obst und Gemüse und unbekanntere Lebensmittel kennen und kochen lernen. „Das sind Fähigkeiten, die aus ärztlicher Sicht notwendig sind.“

Ansetzen müsse die Gesellschaft bei der Bildung, ist Schellhorn-Glomb überzeugt: „Bildung ist der zentrale Faktor. Kinder aus bildungsfernen Familien haben schlechte Voraussetzungen.“  Das seien langwierige Prozesse, kurzfristige Lösungen sehe sie nicht.

Mit einem Geschenkkorb aus dem Weltladen dankte die Vorsitzende des Kinderfonds Dorothee Golm der Referentin und versprach, der Fonds werde sich weiter für benachteiligte Kinder einsetzen und schauen, „wo sind ihre Stärken, wie können wir ihr Selbstbewusstsein fördern.“

 

 6000 Euro gut investiert

In Vertretung des erkrankten Kassenwarts Wilfried Schenk berichtete die Vorsitzende des Kinderfonds Golm, dass der Fonds im vergangenen Jahr etwa 6000 Euro ausgegeben habe: „Für die soziale Gerechtigkeit gut angelegt.“ Geholfen habe der Fonds beim Schulfrühstück, bei Schullandheimfahrten, bei Vereinsmitgliedsbeiträgen oder Musikunterricht an der Musikschule.

Dorothee Golm

„Wir konnten allen Anfragen gerecht werden“, freut sich Golm. Diese kamen von den Eltern, den Schulsozialarbeitern oder Lehrerinnen. Der Fonds bezahle dann direkt die Rechnungen, sodass sichergestellt sei, dass das Geld auch wirklich den Kindern zu Gute komme. Weitere 600 Euro hat der Kinderfonds mit seinem Weihnachtsstand eingenommen. Diese bekommt der Förderverein  der Peter-Meyer-Schule für  die Renovierung einer Küche im „Doppelpunkt“.

Info: Die Kontonummer des Schramberger Kinderfonds lautet 742 313 bei der Kreissparkasse Rottweil BLZ  642 500 40