Renate Much vor dem Schramberger Rathaus. Foto: him

SCHRAMBERG  (him) –  Nach zwölfeinhalb Jahren im Schramberger Gemeinderat scheidet SPD-Stadträtin Renate Much am 23. März auf eigenen Wunsch aus dem Gemeinderat aus. Die NRWZ hat sie zu den Gründen, ihren Erfahrungen und  ihrer Bilanz befragt.

NRWZ: Laut Gemeindeordnung können Gemeinderäte nach zehn Jahren ohne Begründung aus dem Gemeinderat ausscheiden. Dennoch würde uns interessieren, weshalb Sie das Gremium jetzt verlassen.

Renate Much: Nach der Auflösung des Lokalen Familiennetzes 2015 habe ich eine Vollzeitstelle im Bereich Arbeit mit Suchtkranken in der Nähe von Lossburg angenommen. Damit verbunden ist ein hoher Zeitaufwand für die Fahrt und die inhaltliche Weiterbildung. Auch bin ich inzwischen zweifache Oma, und meine Enkel leben in Wien und in Portugal. Um hierfür mehr Zeit zu haben, habe ich mich nach langem Zögern entschlossen, den Rat zu verlassen.

Was war für Sie die größte Überraschung in ihrer Zeit als Gemeinderätin?

Much: Dass ich überhaupt Gemeinderätin geworden bin. Ich kandidierte zum ersten Mal auf der SPD-Liste und kam als Nachrückerin von Karin Birkel, die ihr Mandat aus beruflichen Gründen nicht annehmen konnte, gleich in den Rat.

Worüber haben Sie sich am meisten gefreut?

Much: Dass ich den Prozess der Eingemeindung von Tennenbronn begleiten konnte. Im Laufe dieser Monate habe ich Tennenbronn richtig gut kennengelernt. Und es freut mich, dass die damals doch sehr umstrittene  Eingemeindung ein Erfolg geworden ist.

Woran hat sich das gezeigt?

Much: Zum Beispiel beim Bürgerfest im Bernecktal, als wir 2011 fünf Jahre Eingemeindung gefeiert haben. Dieses Fest haben BDU, der SPD-Ortsverein, die Buntspechte und meine Fraktion gemeinsam mit der Stadt- und der Ortsverwaltung auf die Beine gestellt.

Renate Much nach der Eröffnung des Berneckfests. Archivfoto: him

Das Schöne war das bunte Miteinander und das große Engagement der Vereine aus allen Stadtteilen. Dass dann etwa 5000 Menschen diesen autofreien Tag im Bernecktal miteinander gefeiert haben, war einfach nur schön.

Nach diesen langen Jahren, welche Entwicklung ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Much: Die rasante Entwicklung im Bereich der Kinderbetreuung. Zu Beginn meiner Ratszeit  beschränkte sich zum Beispiel die außerunterrichtliche Betreuung weitgehend auf Angebote des Kinderschutzbundes im Rahmen des Lokalen Familiennetzes und des Fördervereins der Peter-Meyer-Schule. Heute hat jede Schule in irgendeiner Form ein Ganztagsangebot.

…ähnlich sieht es auch bei den Kleinen aus…

Much: Richtig. Krippenplätze waren 2004 noch eine Seltenheit. Inzwischen gehören sie zum Standardangebot der Stadt und der Kirchengemeinden.

Sie haben sich besonders um Kinder, Jugendliche und Familien gekümmert. Das hatte ja auch mit Ihrem Beruf zu tun?

Much: Sicher, ich habe 15 Jahre das Lokale Familiennetz auf dem Sulgen geleitet. Da habe ich den zunehmenden Bedarf der Ganztagsbetreuung erlebt und den Prozess hin zur offenen Ganztagsschule mit gestaltet. Ich habe hautnah die Probleme der Eltern und Kinder erlebt und das in meiner Arbeit im Rat eingebracht.

Welche Erfolge haben Sie da mit Ihrer Fraktion erreicht?

Much: Wir haben einen Familienpass beantragt, der allen einkommensschwächeren Familien vergünstigten Zugang zu  Freizeit- und Bildungsangeboten ermöglichen sollte. Er wurde letztlich nicht eingeführt. Aber die Diskussion darüber trug dazu bei, dass Familien bei vielen Angeboten der Stadt und  Vereinen ganz unbürokratisch Ermäßigungen erhalten können. Ähnlich war es bei unserem Antrag zur Weiterentwicklung Schrambergs zur „bespielbaren Stadt“. Auch diese Diskussion hat geholfen, dass im öffentlichen Raum zunehmend Spielpunkte eingerichtet werden.

Wenn Sie zurückschauen, welche Spuren hat die Arbeit im Rat bei Ihnen hinterlassen?

Much: Die Komplexität unseres Gemeinwesens und der politischen Entscheidungsprozesse macht die Arbeit im Rat sehr arbeitsintensiv und verantwortungsvoll. Sie ist aber auch  lehrreich und bereichernd. Ich habe dabei unsere Stadt, viele Vereine und bürgerschaftlich engagierte Leute näher kennen und schätzen gelernt.

Und welche Spuren haben Sie in der Stadt hinterlassen?

Much: Als Minderheitenfraktion ist es nicht so einfach, große Dinge  durchzusetzen. Aber bei vielen Entscheidungen habe ich die Ergebnisse mitgestalten können. Ich denke an die Haushaltskonsolidierung 2009, das Stadtentwicklungskonzept 2020, die Gestaltung des Parks der Zeiten und der neuen Mitte. Und natürlich denke ich ans  Hallenbad auf dem Sulgen, dessen Name auf ein „Brainstorming“ mit meinem Lebensgefährten zurückgeht.

Bei der badschnass-Eröffnung im Sommer 2015. Archiv-Foto. him

Info : Renate Much ist 58 Jahre alt, verwitwet und hat drei erwachsene Söhne und zwei Enkel. Sie ist Sozialpädagogin und arbeitet in einer Einrichtung für suchtkranke Menschen. Sie lebt mit dem Fragesteller seit gut zweieinhalb Jahren zusammen.