Holzfahrrad aus Schramberg „Star der Ausstellung“

„#Waldschwarzschön“ des badischen Landesmuseums eröffnet

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Das „Semi Cruise“ aus Formschichtholz von Raphael Much (links) mit Kuratorin Heidrun Jecht bei der Eröffnung der Karlsruher Ausstellung. Foto: him

KARLSRUHE/SCHRAMBERG  (him) – Das Badische Landesmuseum in Karlsruhe hat am Gründonnerstag seine große Ausstellung „#Waldschwarzschön“ im Museum beim Markt eröffnet. Die Schau zeigt einen bunten Mix aus historischen, Schwarzwald-typischen Objekten gemeinsam mit modernem Design und Kunsthandwerk. Dabei ist auch ein Holzfahrrad des Schrambergers Raphael Much, das das Landesmuseum für seine Sammlung erworben hat.

Schon bei der Pressekonferenz vor der Eröffnung sei das „Semi Cruise“-Rad  aus Schramberg das Highlight gewesen, berichtet Ausstellungsmacherin Heidrun Jecht. Mehrere Fernsehbeiträge zeigten das Rad. Die in Karlsruhe erscheinenden „Badischen Neuesten Nachrichten“ illustrierten ihren Bericht mit dem Produkt aus Schramberg und schwärmten, bei dem Rad gingen Holz und High-Tech „eine auch optisch gelungene Liaison“ ein. Das Rad sei auch ein „Fingerzeig auf die ‚Hidden Champions‘ der Region.“ Der Direktor des Landesmuseums, Professor Eckard Köhne, versichert Much: „Ihr Rad ist der Star der Ausstellung.“

In seiner Eröffnungsrede berichtete Köhne, das Landesmuseum habe immer schon Kunsthandwerk und design gesammelt. Die Ankäufe neu zu präsentieren, sei die Idee der Ausstellung gewesen. „Design, frisch und quer gedacht.“

Die Ausstellung ist ein Beitrag des Landesmuseums im Rahmen der Heimattage Baden-Württemberg, die in diesem Jahr in Karlsruhe stattfinden. Darauf wies Martin Wacker hin, der die Heimattage  koordiniert. Da zugleich auch das Fahrrad von Freiherrn von Drais seinen 200sten Geburtstag feiere, passe  das Muchsche Rad wunderbar zum Motto: „Heimat trifft Moderne“.  Das seien keine unvereinbaren Gegensätze, wie die gut 60 ausgestellten Objekte heimischer und internationaler Designer zeigten. Findige Designer entwickelten Historisches weiter, so Wacker: „Das Holzrad passt hervorragend zu Karlsruhe.“

Auch Kuratorin Jecht hob in ihrer Einführung  hervor, dass in dem „charmanten Mix aus alt und neu“ das Schwarzwaldbild mit Kirschtorte, Bollenhut und Kuckucksuhr durcheinander gewirbelt werde. Dabei träten die alten Objekte aus dem Landesmuseum in ein Zwiegespräch mit modernem Design“. Ein Schäppel mit  Schmuck, Bürsten aus Ziegenhaar mit einem Hocker, der auf Kunststoffborsten steht  oder ein Brettstuhl des Jugendstilmalers Hans Thoma mit einem modernen Herzstuhl. Ein Hockerpaar „noch zu haben – schon vergeben“ mit roten und schwarzen Bollen von Doris Gaßmann spielt auf die Bedeutung der Bollen an.

Würdiger Nachfolger der Draisine

In einer Vitrine sind fünf Kuckucksuhren zu sehen, von klassisch über schrill und eine aufs nötigste reduzierte Uhr von Rombach und Haas aus Schonach. Außergewöhnlich eine in der japanischen Papierfalttechnik Origami gefaltete Kuckucksuhr des Amerikaners Robert L. Lang.

Bierflaschen als „Heilige Drei Könige“ und die Holzklötzchenkrippe. Foto: him

Weitere Beispiele mit Humor: Eine minimalistische Krippe aus Holzklötzen und eine unorthodoxe Krippe aus Bierflaschen neben einer traditionellen Kastenkrippe oder das Tannenzäpfle-Bier dessen goldfarbene Krause wieder an einer modernen Vase auftaucht.

Dass bei den Karlsruher Heimattagen ein Fahrrad nicht fehlen darf, betonte auch Kuratorin Jecht mit Blick auf das in einer kleinen Schramberger Manufaktur gefertigte Holzfahrrad: „Ein wahrhaft würdiger Nachfolger der Draisine.“ Dies und viele andere Beispiele zeigten, dass das gestaltende Handwerk zukunftsfähig sei und „einen Gegenpol zur digitalisierten und automatisierten Welt“ darstelle. Raphael Much freut sich natürlich über die positive Resonanzauf sein Holzfahrrad, das die NRWZ übrigens im Sommer 2013 erstmals vorgestellt hatte: „Ich finde natürlich toll, dass eines meiner Räder jetzt im Museum steht“, so der Schreinergeselle, der in Schramberg seinen Beruf gelernt und beim Bootsbau in Portugal die Holz-Technik zum Bau von Fahrradrahmen entwickelt hat.

Info:

Die Ausstellung „#Waldschwarzschön“ des badischen Landesmuseums  ist bis zum 7. Januar 2018 im Museum beim Markt, Karl-Friedrich-Straße 6 in Karlsruhe zu sehen. Dienstag bis Donnerstag von 11 bis 17 Uhr,  Freitag bis Sonntag und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr.