Ostumfahrung Sulgen: alles offen

Ausschuss vertagt Entscheidung

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Heiko Kerlein und Susanne Muhal vom Esslinger Büro Spieth erläutern die drei Varianten für die mögliche Ostumfahrung. Foto: him

SCHRAMBERG  (him) – Zum ersten Mal über drei mögliche Varianten für eine Ostumfahrung Sulgen hat der Ausschuss für Umwelt und Technik am Donnerstag debattiert. Und das vor großer Zuhörer-Kulisse. Nachdem die lokalen Medien über die Pläne anhand der Ausschuss-Vorlage berichtet hatten, waren die Anwohner offenbar alarmiert.

Da halfen Oberbürgermeister Thomas Herzogs einleitenden Worte, wonach es sich lediglich „um eine Machbarkeitsstudie“ handle, „noch keine Entscheidung fallen“ werde und man „noch ganz am Anfang“ stünde, wenig. In der Sitzung äußern durften die Anwohner sich nicht. Dafür ist die Bürgerfragestunde vorgesehen – und die steht erst am Donnerstag im Rat auf der Tagesordnung.

Im Laufe der Diskussion fragte denn auch ÖDP-Stadtrat Bernd Richter, weshalb die betroffenen Bürger nicht zuvor informiert worden seien. Herzog sprach von einem Dilemma. Der Gemeinderat habe Anspruch, als erstes informiert zu werden. Auch wisse er nicht, welche Variante  der Rat bevorzugen werde. Wen also solle er informieren? Herzog versprach: „Wenn es konkret wird, gibt es Bürgerinformationen.“

Zunächst hatten Heiko Kerlein und Susanne Muhal vom Esslinger Büro Spieth die drei Varianten und die Straßenpläne vorgestellt. (NRWZ.de berichtete über die Vor- und Nachteile bereits.) Ziel sei, den erwarteten zusätzlichen Verkehr durch weitere Wohnbebauung und Industrieansiedlung aus dem Ortskern mit dem Bärenplatz heraus zu bekommen.

Plan: Stadt Schramberg

Die drei Varianten landen alle von der Hardt-Straße kommend, die Mariazeller Straße überquerend  an der Rottweiler Straße. Die erste Variante nah beim Berufsschul- und Kreissporthallenparkplatz. Die zweite etwa beim Feuerwehrgerätehaus und die dritte weiter Richtung Dunningen. Unklar ist, wie die Ostumfahrung dann durch das künftige neue Gewerbegebiet Schießäcker verlaufen soll.

„Aus planerischer Sicht wäre die mittlere Variante die optimale“, so Kerlein. Auch die Stadtverwaltung fände diese die beste, weil dann gleichzeitig die Erschließung des neuen Industriegebiets über diese Straße erfolgen könnte.

Im Ausschuss waren die Meinungen geteilt. Ralf Rückert (Freie Liste) plädierte für die Ostvariante, weil diese die Menschen am wenigsten belaste.

Johannes Grimm (CDU) sah in keiner Variante eine Entlastung für den Ortskern Sulgen. Ihm war wichtig: „Wie kriegen wir den Verkehr auf die Talumfahrung?“ Er sah die Belange der Bürger zu wenig berücksichtigt.

Enteignungen ausgeschlossen

Richter fragte, ob nur gebaut werde, wenn die Stadt alle Grundstücke  bekomme oder ob auch an Enteignungen gedacht werde. Das wies OB Herzog von sich. Die Stadt werde über den „freihändigen Verkauf“ versuchen, an die nötigen Grundstücke zu kommen. Denkbar sei auch ein Umlegungsverfahren. „Die Stadt ist bislang immer diesen Weg gegangen. Seit den 80er Jahren gab es keine Enteignungen mehr.“ Das könne in der Konsequenz „aber auch bedeuten, dass etwas nicht kommt.“

Da die Planer den weiteren Straßenverlauf Richtung Umgehungsstraße B 462 und einen möglichen Anschluss dort noch nicht im Plan-Programm hatten, sollen sie bis zur Gemeinderatsitzung am Donnerstag dafür Vorschläge machen. Ob ein Anschluss an die Bundesstraße möglich wird, werde bis dahin aber kaum zu klären sein, so Kerlein.

Eine Anbindung zwischen der Brücke der Seedorfer Straße und dem Anschluss an der Heuwies, wie aus den Reihen von SPD-Buntspecht vorgeschlagen, sei nicht möglich, erklärte Kerlein, weil die Strecke zwischen den Anschlussstellen zu kurz sei.

Emil Rode (Freie Liste) brachte einen direkten Anschluss einer östlichen Variante an der Heuwies ins Gespräch. Damit würde man aber die Erschließung des Industriegebiets verhindern, so Herzog. CDU-Stadtrat Uli Bauknecht sah die meisten Synergieeffekte bei der mittleren Variante. Man sollte überlegen, ob nicht ein Anschluss  über die Seedorfer Straße an die Bundesstraße machbar wäre. Dann, so sein Fraktionskollege Jürgen Kaupp, könne man die Zufahrt an der Heuwies aufgeben.

Viele Ideen, alle noch nicht zu Ende gedacht. Deshalb gab es noch keine Beschlussempfehlung für den Gemeinderat, der sich am Donnerstag ab 19 Uhr  unter anderem mit dem Thema befassen wird.

Und während drinnen sich die Ausschussmitglieder mit dem nächsten Thema befassten, versammelten sich etliche der Anwohner um den fraktionslosen Stadtrat Jürgen Reuter, der dem Ausschuss nicht angehört, auf dem Rathausplatz. Dem Vernehmen nach beklagten sie, dass sie nicht vorab von der Stadt über die Pläne informiert worden seien.