Michael Melvin steckt dem Neu-Elfer Maximilian Neudeck die Elfernadel ans T-Shirt. Es freuen sich Säckelmeister Arno Jauch (links hinten) und Kritzelmeister Michael Widmaier (rechts hinten).Fotos: him

SCHRAMBERG  (him) –  Gut besucht war die tra­di­tio­nel­le Mit­glie­der­ver­samm­lung der Nar­ren­zunft Schram­berg am 11. Novem­ber in der Brau­stu­be. Dabei mach­te sich der Krit­zel­meis­ter unter ande­rem dar­über lus­tig, dass der Zunft­meis­ter sei­ne Reden meist vom Vor­jahr recy­cle und nur paar Namen und Zah­len ände­re. Naso­wa­sabe­rauch. Das wür­de ein Zei­tungs­mensch nie machen.

Die 108. Mit­glie­der­ver­samm­lung brach­te zwei Über­ra­schun­gen, eine zu Beginn und eine am Schluss. Über­ra­schung eins war die Begrü­ßung von Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Her­zog durch Zunft­meis­ter Micha­el Mel­vin. Er berich­te­te auch, dass die Wirts­leu­te Bär­bel Baje­r­ke und Mar­kus Lau­be „eine der letz­ten Hoch­bur­gen der Fas­net“ die Brau­stu­be aus Alter­grün­den auf­ge­ben wol­len.

Neben vie­len ande­ren dank­te Mel­vin auch Ingrid Reb­mann, die zum Jah­res­en­de aus der Stadt­ver­wal­tung aus­schei­den wird. „Sie war ein sagen­haf­ter Dienst­leis­ter.“ Er habe sie bei der Haupt­ver­samm­lung mit „Blu­men­strauß und Küss­le“ ver­ab­schie­den wol­len. „Aber sie will auch noch einen Wurst­sa­lat“, ver­kün­de­te Mel­vin unter dem Geläch­ter der Nar­ren, und wer­de also zur Ordens­ver­lei­hung kom­men.

Wie es sich gehört, bedank­te sich Mel­vin bei allen, die die Schram­ber­ger Fas­net – „das größ­te Volks­fest uns­rer Stadt“ – mög­lich machen und beglei­ten. Von den Musi­kern über die Hilfs­diens­te, die Stadt­ver­wal­tung, den Bür­ger­ver­ei­ni­gun­gen, den Nar­ren­blätt­le­ma­chern bis zu sei­nen Elfer­rats­kol­le­gen.

Krit­zel­meis­ter Micha­el Wied­mai­er bekam Lob für sei­nen Vor­trag. Sei Jah­res­rück­blick vom Abstau­ben über das Nar­ren­tref­fen in Gen­gen­bach („strah­len­des Wet­ter“) bis zum Tri­bü­nen­ab­bau, sei sehr gut gewe­sen, es gebe „kei­nen Grund für Muf­fen­sausen und Hosen­flat­tern“.

Kas­sen­be­richt von Säckel­meis­ter Arno Jauch war knap­per gehal­ten, dafür zah­len­mä­ßig üppi­ger. Dank des schlech­ten Wet­ters sei­en weni­ger Abzei­chen ver­kauft wor­den als im Jahr zuvor. Ins­ge­samt habe die Nar­ren­zunft gut  90.000 Euro Umsatz gemacht. Unter dem Strich sei­en etwa 1416 Euro geblie­ben. Der Ver­ein ver­fü­ge über etwa 17.000 Euro liqui­de Mit­tel und ste­he „auf abso­lut gesun­den Füßen“.

Nach­dem der Kas­sen­prü­fer Franz Rapp dem Säckel­meis­ter beschei­nigt hat­te, er füh­re die Kas­se her­vor­ra­gend, erfolg­te die von Rapp bean­trag­te Ent­las­tung ein­stim­mig.

OB Tho­mas Her­zog

Die Ent­las­tung des Elfer­rats bean­trag­te Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Her­zog. Er lob­te den Ein­satz bei der Lan­des­gar­ten­schau­be­wer­bung mit der „Son­der­bach­na­fahrt“. Eine  „tol­le Wer­bung für die Nar­ren­zunft“.  Die Ent­las­tung erfolg­te wie­der­um ein­stim­mig. Bein den Wah­len wähl­ten die Mit­glie­der  Franz Rapp  wie­der für zwei Jah­re als Kas­sen­prü­fer.

Wahlen zum Elferrat

Eine Über­ra­schung gab es bei den Wah­len der Elfer­rä­te: Mit Maxi­mi­li­an Neu­deck prä­sen­tier­te Mel­vin ein neu­es Gesicht. Der 1989 gebo­re­ne brin­ge eine „nach­hal­ti­ge Ver­jün­gung des Elfer­ra­tes“.  Er sei trink­fest und fast ver­hei­ra­tet, lob­te Mel­vin die Vor­zü­ge des Aspi­ran­ten.  Ganz beson­ders wich­tig: Anders als sein Vater Udo brau­che es für Maxi­mi­li­an kei­ne Son­der­an­fer­ti­gun­gen: „Wir haben ein paar alte Kit­tel im Fun­dus, die ihm pas­sen dürf­ten.“

Nach­dem das geklärt war, schritt Ehren­zunft­meis­ter Hubert Dold zur Wahl der Elfer­rä­te, die tur­nus­mä­ßig zur Wie­der­wahl anstan­den: Jür­gen Bihl­mai­er, Ste­fan Link, Tobi­as Wernz, Micha­el Mel­vin, Udo Neu­deck und neu Maxi­mi­li­an Neu­deck. Sie wur­den alle­samt per Hand­zei­chen ohne Gegen­stim­men (wieder)gewählt.

Michael Melvin bestätigt

Micha­el Mel­vin

Nach der Pau­se, in der die Elfer­rä­te  Mel­vin in sei­nem Amt als Zunft­meis­ter bestä­tig­ten, ging er auf das Gast­stät­tenster­ben. Neben der Brau­stu­be woll­ten dem Ver­neh­men nach auch die Wirts­leu­te des „Spun­den“ auf­hö­ren und  ste­he das Bruck­beck zum Ver­kauf. Er frag­te, wo man künf­tig all die Ver­an­stal­tun­gen zur Fas­net abhal­ten wol­le. „Wir kön­nen den gesell­schaft­li­chen Wan­del nicht auf­hal­ten.“ Die Zunft kön­ne die Gast­häu­ser aber nicht erset­zen. Er wer­de die Ver­ei­ne anschrei­ben und auf­for­dern über die Fas­net Zel­te auf­zu­stel­len. Pri­vat­leu­te soll­ten Besen­wirt­schaf­ten anbie­ten.

(Aktua­li­sie­rung: Im Nach­gang zur Ver­samm­lung der Nar­ren­zunft gab es einen Kon­takt mit dem „Bruckbeck”-Team um Harald Spörl. Auch dort wuss­te man, dass im Städt­le über einen Ver­kauf spe­ku­liert wird. Im Moment gibt es aber kei­ne Über­le­gun­gen in Sachen Ver­kauf. Viel­mehr wol­le Spörl mit sei­nem Team das „Bruck­beck” wei­ter füh­ren.)

Der erfolg­rei­che Wech­sel der Da-Bach-na-Fah­rer in die Sze­ne 64 sei ein Zei­chen für den Wan­del. Auch beim Zunft­ball wol­le er über Ver­än­de­run­gen nach­den­ken, weil immer weni­ger Besu­cher kämen.

Um den Nach­wuchs zu för­dern, wer­de er bean­tra­gen, dass die Zunft je zwölf klei­ne Bach-Na-Fah­rer und Brue­le beschafft, um sie an Kin­der aus­zu­lei­hen. Auch im Elfer­rat gehe es lang­fris­tig um eine Ver­jün­gung. Künf­tig wer­de Kars­ten Bir­baum den Umzug orga­ni­sie­ren. Er dank­te Chris­toph Huber, der die­se Auf­ga­be jah­re­lang inne hat­te.

Noch gar net gfragt

Unter Ver­schie­de­nes gab es dann noch eine „Über­ra­schung“: Mel­vin lässt sich bei einer Polit­schwin­de­lei ertap­pen. Hubert Dold fragt. „Was ist mit dem Nar­ren­mu­se­um?“ Und Micha­el Mel­vin ant­wor­tet, es sei dazu ein Gespräch mit Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Her­zog und Muse­ums­lei­ter Cars­ten Kohl­mann und natür­lich Dold selbst geplant. Aber bis­her gebe es noch kei­nen Ter­min: „Der OB, du weisch, hat sehr viel zu tun…“ Da fällt ihm Her­zog ins Wort: „Du hosch mi doch noch gar ned gfragt…“ Erwischt.

Und dann war auch schon eine Abord­nung der Stadt­mu­sik bereit. Trom­mel­wir­bel, Nar­ren­marsch. Die Fas­net kann kom­men.