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Montag, 17. Februar 2020

Die Fasnet: „Das größte Volksfest unsrer Stadt“

Narrenzunft mit 108. Mitgliederversammlung +++ aktualisiert

SCHRAMBERG  (him) –  Gut besucht war die traditionelle Mitgliederversammlung der Narrenzunft Schramberg am 11. November in der Braustube. Dabei machte sich der Kritzelmeister unter anderem darüber lustig, dass der Zunftmeister seine Reden meist vom Vorjahr recycle und nur paar Namen und Zahlen ändere. Nasowasaberauch. Das würde ein Zeitungsmensch nie machen.

Die 108. Mitgliederversammlung brachte zwei Überraschungen, eine zu Beginn und eine am Schluss. Überraschung eins war die Begrüßung von Oberbürgermeister Thomas Herzog durch Zunftmeister Michael Melvin. Er berichtete auch, dass die Wirtsleute Bärbel Bajerke und Markus Laube „eine der letzten Hochburgen der Fasnet“ die Braustube aus Altergründen aufgeben wollen.

Neben vielen anderen dankte Melvin auch Ingrid Rebmann, die zum Jahresende aus der Stadtverwaltung ausscheiden wird. „Sie war ein sagenhafter Dienstleister.“ Er habe sie bei der Hauptversammlung mit „Blumenstrauß und Küssle“ verabschieden wollen. „Aber sie will auch noch einen Wurstsalat“, verkündete Melvin unter dem Gelächter der Narren, und werde also zur Ordensverleihung kommen.

Wie es sich gehört, bedankte sich Melvin bei allen, die die Schramberger Fasnet – „das größte Volksfest unsrer Stadt“ – möglich machen und begleiten. Von den Musikern über die Hilfsdienste, die Stadtverwaltung, den Bürgervereinigungen, den Narrenblättlemachern bis zu seinen Elferratskollegen.

Kritzelmeister Michael Wiedmaier bekam Lob für seinen Vortrag. Sei Jahresrückblick vom Abstauben über das Narrentreffen in Gengenbach („strahlendes Wetter“) bis zum Tribünenabbau, sei sehr gut gewesen, es gebe „keinen Grund für Muffensausen und Hosenflattern“.

Kassenbericht von Säckelmeister Arno Jauch war knapper gehalten, dafür zahlenmäßig üppiger. Dank des schlechten Wetters seien weniger Abzeichen verkauft worden als im Jahr zuvor. Insgesamt habe die Narrenzunft gut  90.000 Euro Umsatz gemacht. Unter dem Strich seien etwa 1416 Euro geblieben. Der Verein verfüge über etwa 17.000 Euro liquide Mittel und stehe „auf absolut gesunden Füßen“.

Nachdem der Kassenprüfer Franz Rapp dem Säckelmeister bescheinigt hatte, er führe die Kasse hervorragend, erfolgte die von Rapp beantragte Entlastung einstimmig.

OB Thomas Herzog

Die Entlastung des Elferrats beantragte Oberbürgermeister Thomas Herzog. Er lobte den Einsatz bei der Landesgartenschaubewerbung mit der „Sonderbachnafahrt“. Eine  „tolle Werbung für die Narrenzunft“.  Die Entlastung erfolgte wiederum einstimmig. Bein den Wahlen wählten die Mitglieder  Franz Rapp  wieder für zwei Jahre als Kassenprüfer.

Wahlen zum Elferrat

Eine Überraschung gab es bei den Wahlen der Elferräte: Mit Maximilian Neudeck präsentierte Melvin ein neues Gesicht. Der 1989 geborene bringe eine „nachhaltige Verjüngung des Elferrates“.  Er sei trinkfest und fast verheiratet, lobte Melvin die Vorzüge des Aspiranten.  Ganz besonders wichtig: Anders als sein Vater Udo brauche es für Maximilian keine Sonderanfertigungen: „Wir haben ein paar alte Kittel im Fundus, die ihm passen dürften.“

Nachdem das geklärt war, schritt Ehrenzunftmeister Hubert Dold zur Wahl der Elferräte, die turnusmäßig zur Wiederwahl anstanden: Jürgen Bihlmaier, Stefan Link, Tobias Wernz, Michael Melvin, Udo Neudeck und neu Maximilian Neudeck. Sie wurden allesamt per Handzeichen ohne Gegenstimmen (wieder)gewählt.

Michael Melvin bestätigt

Michael Melvin

Nach der Pause, in der die Elferräte  Melvin in seinem Amt als Zunftmeister bestätigten, ging er auf das Gaststättensterben. Neben der Braustube wollten dem Vernehmen nach auch die Wirtsleute des „Spunden“ aufhören und  stehe das Bruckbeck zum Verkauf. Er fragte, wo man künftig all die Veranstaltungen zur Fasnet abhalten wolle. „Wir können den gesellschaftlichen Wandel nicht aufhalten.“ Die Zunft könne die Gasthäuser aber nicht ersetzen. Er werde die Vereine anschreiben und auffordern über die Fasnet Zelte aufzustellen. Privatleute sollten Besenwirtschaften anbieten.

(Aktualisierung: Im Nachgang zur Versammlung der Narrenzunft gab es einen Kontakt mit dem „Bruckbeck“-Team um Harald Spörl. Auch dort wusste man, dass im Städtle über einen Verkauf spekuliert wird. Im Moment gibt es aber keine Überlegungen in Sachen Verkauf. Vielmehr wolle Spörl mit seinem Team das „Bruckbeck“ weiter führen.)

Der erfolgreiche Wechsel der Da-Bach-na-Fahrer in die Szene 64 sei ein Zeichen für den Wandel. Auch beim Zunftball wolle er über Veränderungen nachdenken, weil immer weniger Besucher kämen.

Um den Nachwuchs zu fördern, werde er beantragen, dass die Zunft je zwölf kleine Bach-Na-Fahrer und Bruele beschafft, um sie an Kinder auszuleihen. Auch im Elferrat gehe es langfristig um eine Verjüngung. Künftig werde Karsten Birbaum den Umzug organisieren. Er dankte Christoph Huber, der diese Aufgabe jahrelang inne hatte.

Noch gar net gfragt

Unter Verschiedenes gab es dann noch eine „Überraschung“: Melvin lässt sich bei einer Politschwindelei ertappen. Hubert Dold fragt. „Was ist mit dem Narrenmuseum?“ Und Michael Melvin antwortet, es sei dazu ein Gespräch mit Oberbürgermeister Thomas Herzog und Museumsleiter Carsten Kohlmann und natürlich Dold selbst geplant. Aber bisher gebe es noch keinen Termin: „Der OB, du weisch, hat sehr viel zu tun…“ Da fällt ihm Herzog ins Wort: „Du hosch mi doch noch gar ned gfragt…“ Erwischt.

Und dann war auch schon eine Abordnung der Stadtmusik bereit. Trommelwirbel, Narrenmarsch. Die Fasnet kann kommen.

 

 

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