Unter der Überschrift „Kurz vorm Höhenflug“ veröffentlichte der „Schwarzwälder Bote“ am Samstag vor Silvester einen  fast seitenfüllenden Artikel über „die Entwicklung der Stadt 2018 aus astrologischer Sicht“, so die Unterzeile.

Dieser Aufmacher hat bei vielen Lesern für Kopfschütteln gesorgt. Elke und Werner Klank verfassten einen ausführlichen Leserbrief, den das Blatt in stark verkürzter Form auf der vierten Lokalseite am 2. Januar veröffentlicht hat.

Die Redaktion hatte den Zimmerner Astrologen Thomas Schmucker beauftragt, für die Stadt ein Horoskop zu stellen. "In der Regel werden Horoskope für Menschen berechnet“, heißt es dazu im Vorspann. „Doch wenn der Geburtszeitpunkt bekannt ist, kann auch für eine Stadt ein Geburtsbild erstellt werden.“ Schmucker will dann für das Blatt herausgefunden haben, dass die Tierkreiszeichen Jungfrau und Fische „für die Stadt maßgebend“ seien. 

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Schmucker behauptet, Begriffe wie „Vernunft, Ordnung, Fleiß, Vorsicht, Detail, Sparsamkeit und Realitätssinn“ würden in der Astrologie mit der Jungfrau in Verbindung gebracht. Fische würden in Zusammenhang mit "Intuition, Hilfsbereitschaft, Mitgefühl“ aber auch mit „Chaos, Hilflosigkeit und Illusionen“ gebracht.

Unter anderem daraus leitet der „geprüfte Astrologe“  ab, dass das Konzept Schulcampus und Uhren- und feinmechanische Industrie zur Jungfrau passten. Die Schließung des Krankenhauses und die „endlosen Diskussionen um Talstadtumfahrung und Schulcampus“ dagegen haben die Fische zu verantworten. Schramberg habe sich „immer zwischen den Polen Ordnung und Chaos beziehungsweise Realität und Intuition“ bewegt, will Schmucker seinem Horoskop entnehmen.

Für die Zukunft seien bis zum Sommer 2018  „vielversprechende Entwicklungen bei den anstehenden Projekten zu erwarten“, so Schmucker. Danach aber sei Wachsamkeit geboten, „da von Mitte März 2018 bis Beginn 2019 auch ein astrologischer Spannungsaspekt auf die Sonne“ wirke. Er kommt schließlich zu der unbestreitbaren Erkenntnis, „dass trotz allem Fortschritt und Realitätssinn nicht alle Unklarheiten aus der Welt geschafft werden können.“

Dass es sich bei der Astrologie um eine uralte Sterndeutekunst handelt, ist bekannt, dass es keinerlei wissenschaftliche Nachweise für die Richtigkeit ihrer Deutungen gibt, ebenfalls. Im SB-Artikel sucht man einen solchen Hinweis allerdings vergebens.

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Wir veröffentlichen den Leserbrief der  Klanks im Wortlaut, außerdem ein Schreiben an die Redaktion, nachdem der Leserbrief dort nur stark gekürzt zu lesen war.

Hier der Leserbrief:

Wir, zwei langjährige Leser „unseres“ Schwarzwälder Boten in Schramberg hätten uns ja eigentlich etwas anderes als die Werbebotschaft eines „geprüften Astrologen“ zum Jahresabschluss gewünscht. Es ist ja an Blödsinn kaum mehr zu überbieten, wenn da der Herr Astrologe schreibt, dass, „der Fünftälerstadt am 18. September 1867 die Stadtrechte zugesprochen wurden. Dieser Tag ist somit der Geburtstag Schrambergs und die Grundlage für die Berechnung eines Horoskops“.

Die Stadt sei im Zeichen der Jungfrau geboren. Bei seiner astrologischen Berechnung beschränkte sich der Astrologe auf die „Tierkreiszeichenachse Jungfrau und Fisch“ und kommt sodann unter anderem zum Schluss, dass „Bürgerschaft und Stadtverwaltung sich nicht von Fantasien und Träumen (Fische) leiten lassen sollten“. Dass wir kein Krankenhaus mehr haben, dass es mit der Talstadtumfahrung so langsam geht, all das kann der „geprüfte Astrologe“ aus der Konstellation der Sterne erklären!  Usw. usw.

Liebe Schwaboredaktion: Muss es sein, dass solcher Schwachsinn die Hauptseite der Lokalausgabe fast ausfüllt? Macht Ihr uns Leser zu Ostern gar mit einem Menschen aus Flözlingen bekannt, der aus den Gedärmen von Wölfen oder Wapitihirschen die Chancen für die Landesgartenschau voraussagt?

Um was handelt es sich denn bei der Astrologie (nicht zu verwechseln mit der Wissenschaftsdisziplin Astronomie!) In Wikipedia steht zum Thema: Die Astrologie ist die Deutung von Zusammenhängen zwischen astronomischen Ereignissen bzw. Gestirnskonstellationen und irdischen Vorgängen. Es wird also aus diesen Zusammenhängen vom Astrologen z.B. behauptet, dass die Konstellation der „Gestirne“ im Universum Einfluss hat auf kommunalpolitische Vorgänge.

So zum Beispiel Schwierigkeiten bei der Talstadtumfahrung, schwierige Planung des Schulcampus oder die Schließung unseres Krankenhauses! Und das alles auf der Basis des Datums, an dem der König von Württemberg am 18. 9. 1867 Schramberg zur Stadt erklärte! Oder andersrum: Hätte der württembergische König Schramberg schon im Januar zur Stadt erklärt, so hätten wir wahrscheinlich noch ein Krankenhaus, hätten bereits eine Talumfahrung und die Räte im Stadtrat müssten nicht noch länger über den Schulcampus beraten!

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Das hätte dem König aber auch damals einer sagen können!

Aber im Ernst, die Astrologen behaupten, ohne dabei rot zu werden, dass die Konstellation von Gestirnen im Universum, die meist hunderte und tausende und mehr Lichtjahre von der Erde entfernt sind, Einfluss auf die Menschen, oder gar auf die Kommunalpolitik in Schramberg haben. Wir meinen, die Astrologen so unter andrem auch der „geprüfte Astrologe“ im Schwabo, können ja jeden Nonsens glauben. Dass sie diesen Nonsens dann auch noch seitenfüllend im Schwabo bringen dürfen, muss nicht sein.

PS: Nach Aussage von Herrn Carsten Kohlmann, Archivar der Stadt Schramberg erhielt Schramberg die Stadtrechte am Samstag, 7. September 1867 und nicht erst am Mittwoch den 18. September 1867. So was Blödes, jetzt muss der Herr Astrologe, womöglich nochmals alles neu berechnen.

Werner Klank und Elke Ringl-Klank

Nachdem das Blatt diesen Brief nur unvollständig veröffentlicht hatte, schrieben Klanks einen weiteren Leserbrief am 2. Januar, der bis dato nicht veröffentlicht wurde:

Im Deutschunterricht lernt man, wie ein Aufsatz aufgebaut werden sollte. Deshalb waren wir etwas verwundert, was ihre Redaktion aus unserem Leserbrief gemacht hat. Die Einleitung fehlt (der Leser muss ja einen Bezug haben), im Hauptteil wurde zusammenhangslos gekürzt und der Schluss fehlte auch.

Es ist natürlich das Recht der Redaktion Leserbriefe zu kürzen. Wir werden aber den Verdacht nicht los, dass gerade die Teile, die mit der Redaktion zu tun haben, herausgestrichen wurden. Zum Beispiel warum ein solcher „Schwachsinn“ wie die Einwirkung von Astrologie auf kommunales Geschehen fast eine Seite des Lokalteils bekommt.

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Der Schwabo sollte seinen Auftrag, die Leser auf anspruchsvollem Niveau zu informieren, ernst nehmen und mit Kritik souveräner umgehen. Herausstreichen von Passagen, die nicht gefallen ist der falsche Weg.

Werner Klank und Elke Ringl-Klank

(Nachtrag der NRWZ-Redaktion: Astrologe Schmucker schreibt zwar in seinem Horoskop für Schramberg,  er habe als „Geburtstag“ der Stadt Schramberg den 18. September 1867 gewählt, unter seiner Grafik steht allerdings der „07.09.1867 12?00 Uhr“.  Das Fragezeichen lässt tief blicken, denn kein Mensch weiß, wann der König tatsächlich den Stadterhebungserlass unterschrieben hat. Für die Astrologen ist der genaue Geburtszeitpunkt aber ganz wichtig. Auf seiner Homepage rät Schmucker: "Ihre Geburtszeit können Sie auf dem Standesamt Ihres Geburtsortes erfragen." Um 12 Uhr an jenem Septembertag hat König Wilhelm möglicherweise etwas ganz anderes gemacht, war beim Mittagessen, einer Mätresse oder auf der Jagd. Der Sonne, dem Mond und den Sternen dürfte das im Übrigen ziemlich wurscht gewesen sein.)

 

 

 

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