Mit einer Online-Petition wehren sich bereits mehr als 700 Unterzeichner gegen ein geplantes Gastspiel eines Zirkus in Schramberg. Der Zirkus Rudolf Busch möchte Ende April nämlich seine Zelte auf dem Sulgen aufschlagen – und hat eine Riesenmenge negative Schlagzeilen im Gepäck. Es geht um Aggressionen, Gesetzesverstöße und ein totes Kamel. 

„Entziehung der Erlaubnis zum Gastieren des Zirkus Busch in Schramberg.“ Darum geht es aktuell gut 700 Menschen aus dem Bundesgebiet, vorwiegend aus der Region. Sie wollen mit einer Online-Petition verhindern, dass der Zirkus Rudolf Busch vom 28. April bis 1. Mai in Schramberg, auf dem Wittum-Gelände auf dem Sulgen seine Zelte aufschlägt. „Es liegen Hinweise vor, dass in der Vergangenheit gegen das Tierschutzrecht verstoßen wurde“, steht dort zur Begründung. Und es geht um weit mehr.

Diesem Zirkus scheint das Pech an den Hacken zu kleben. Oder es scheint einfach was nicht mit ihm zu stimmen. Seit Tagen füllt er die Zeitungsseiten im Zollernalbkreis. Der Zollern-Alb-Kurier (ZAK) hat das zusammengefasst. Er fragt und berichtet: „Hatte er (der Zirkus) eine Genehmigung für den Aufbau seines Zeltes direkt an der B27? Wie geht es den Tieren? Das Veterinäramt hat ein Bußgeldverfahren eingeleitet, weil der Zirkus gegen das Tierschutzgesetz verstoße und sich nicht angemeldet hatte. Bereits in der vergangenen Woche war ein Kamel nach einem Zusammenbruch in der Manege gestorben. Dann wird eine Reporterin des SWR  von Mitarbeitern des Zirkus angegriffen, dessen Pressesprecher die Berichterstattung unserer Zeitung am Freitag als Scheiß bezeichnet.“

Der Reihe nach. Zunächst wird den Zirkusmachern vorgeworfen, eigenwillig und ungenehmigt eine Verkehrsinsel im Bundesstraßenknoten in einem Balinger Industriegebiet als Festplatz genutzt zu haben. Der Zollern-Alb-Kurier zitiert Balingens Baudezernenten Michael Wagner, man sei „im wahrsten Sinne des Wortes überrollt worden – der Zirkus Rudolf Busch, noch bis Ende der Woche vor Ort, nahm die kleine Wiese widerrechtlich in Beschlag. Ohne Fragen, ohne Genehmigung.“ Die Stadt wollte dem ZAK zufolge rechtlich gegen den Standplatzbezug vorgehen, erwartete aber, dass die Zirkusleute schon weitergezogen seien, wenn ein vollstreckbarer Titel vorliege. In einer schnellen Reaktion habe das Ordnungsamt an der B 27-Abschleifung eine Geschwindigkeitsreduzierung verfügt, um das Risiko für die Zirkusbesucher zu minimieren.

Der Streit um den Standplatz war gerade ausgebrochen – der Zirkus hatte den Schwarzen Peter an die Stadtverwaltung zurück gegeben, sie habe ihn nicht auf das Messegelände gelassen, auf dem er hätte aufbauen wollen („Bei der Messe“, steht in der Ankündigung, offenbar ist ein Vertrag mit einem Landwirt und Wiesenbesitzer geschlossen worden) – da werden Vorwürfe laut, dass der Zirkus Rudolf Busch seine Tiere nicht ordnungsgemäß halte. Der ZAK, der das verbreitet, beruft sich „auf eine Vielzahl unserer Leser. Sie äußern ihren Unmut etwa geballt auf der Facebookseite unserer Zeitung.“ Es sei etwa „kaum Platz für die Tiere vorhanden, eine Sauerei ist das.“

Foto: Maya Maser
Kameldressur im Zirkus Rudolf Busch – eines der Tiere bricht zusammen, stirbt später. Foto: Maya Maser

Es folgt die bis dahin schlimmste Schlagzeile für das Familienunternehmen: „Zirkuskamel bricht zusammen und stirbt nach Vorführung in Balingen – Landratsamt bestätigt Vorfall bei Zirkus Busch“, titelt der ZAK. Gleich in der ersten Vorstellung am Freitag in Balingen sei es zu diesem „dramatischen Zwischenfall“ gekommen. Fotos der ZAK-Reporterin Maya Maser, die bei der Premiere vorbeigeschaut hatte, zeigten bereits, wie das Tier in der Manege sitze und nicht mehr den Anweisungen des Dompteurs folge. „Das Tier lag dann noch über eine halbe Stunde da“, berichtete eine Besucherin laut ZAK. Nach einer Pause hätten es die Zirkusleute schließlich mit einem Bagger auf einer Plane aus dem Zirkuszelt gezogen. Später starb das Tier. In der Folge zeigte sich der Zirkus bemüht, den Vorfall als bedauerlich, aber alltäglich darzustellen. „In der Gesundheit von Mensch oder Tier steckt man eben nicht drinnen“, wird ein Zirkussprecher zitiert. Und: „Wenn das auf einem Bauern- oder Pferdehof passiert, juckt das keinen.“

Foto: Maya Maser
Kamele bei Balingen: Standplatz des Zirkus Busch. Foto: Maya Maser

Und dann sind da Vorwürfe, dass Mitarbeiter des Zirkus zu Gewalt und Agressionen neigten. Eine SWR-Reporterin, die nach dem vermeintlich ungenehmigten Aufbau der Zelte recherchieren wollte, ist samt dem städtischen Pressesprecher, der sie begleitet hatte, Medienberichten zufolge in die Flucht geschlagen worden. Sie hätten in einem Bus des SWR Schutz vor den pöbelnden Zirkusleuten gesucht, ist zu lesen, und dieses Fahrzeug sei dann mit Matsch beworfen worden. 

Die Folge: Die Zuschauer kommen nicht mehr. Das jedenfalls sagt ein Zirkussprecher laut einem Medienbericht. Es fehle demnach auch das Geld zur Weiterreise.

„Die Nerven scheinen blank zu liegen beim Zirkus“, urteilt am Freitag dann auch der Zollern-Alb-Kurier. Und auf Kritik, die auf seiner Facebookseite laut werde, äußere er sich merkwürdig unprofessionell. „Das sind die richtigen lästern über andere und haben selber Tiere hahahahaha“, hieße es da etwa. Auf der Seite streiten sich die Facebooknutzer bereits fröhlich.

Unterdessen kommen laut dem ZAK weitere Vorfälle ans Tageslicht. So soll es bereits vor einigen Tagen schon einmal Reibereien mit Mitarbeitern des Zirkus auf einem in dem Balinger Industriegebiet gegeben haben. Und nicht nur aus einem dortigen Fast-Food-Restaurant sei zu vernehmen, „dass man heilfroh sei, wenn die Zirkusleute wieder abreisen.“ Denn die, so heißt es, machten eine Menge Ärger, will der ZAK herausgefunden haben.

Jetzt müssen sich Mitarbeiter des Zirkus auch noch vorwerfen lassen, an einer Schlägerei am Freitagnachmittag beteiligt gewesen zu sein.  Es geht laut ZAK um gefährliche, möglicherweise gar schwere Körperverletzung.

Es geht um den Streit um einen Parkplatz, der vollkommen eskaliert sein soll. Der ZAK zitiert einen Augenzeugen, der dabei gewesen sein will, „als offenbar mehrere Angehörige des Zirkus Rudolf Busch einen 50-jährigen Mann zusammengeschlagen haben.“ Die Zeitung zitiert den jungen Mann, Hasan Berberovic, der demnach schlichtend einschritt: „Ich habe noch nie in meinem Leben eine solche Skrupellosigkeit und ein solches Ausmaß der Gewalt gesehen. Als Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma habe er schon öfter Schlägereien schlichten müssen, „aber das war wirklich sehr heftig.“

Der ZAK schreibt: 

Dann plötzlich, es ist kurz vor 14 Uhr, habe eine Autofahrerin ihren Wagen auf einem vermeintlichen Behindertenparkplatz abgestellt. Ein Mann habe sie darauf aufmerksam machen wollen. Schnell habe ein Wort das andere gegeben, schildert Berberovic. Es kommt zum lautstarken Streit, die Frau beschimpft den Mann wüst. Sie fordert ihre Mitfahrerin, eine junge Frau, auf, Verstärkung zu rufen.

Die Verstärkung kommt sechs oder sieben Mann hoch, blauer Wagen, Neu-Ulmer Kennzeichen. Berberovic hatte es in den vergangenen Tagen immer wieder gesehen, stand es doch gut sichtbar auf jenem Gelände neben dem Messegelände, auf dem der Zirkus Busch seine Zelte aufgeschlagen hatte. Der Securitymann bekommt große Augen, als gleich mehrere Männer, bewaffnet mit Eisenstangen aus dem Auto steigen, von dem die Polizei später sagen wird, dass es der Wagen des Zirkuschefs ist.

Vier der Männer, so schildert es Berberovic, legen ihre Eisenstangen weg, schlagen dann unvermittelt auf den 50-jährigen Mann ein. Der geht zu Boden, die Täter treten weiter auf ihn ein. Berberovic, der zwischenzeitlich zu Hilfe geeilt ist, bekommt ebenfalls einen Schlag ab, genau wie die Mitarbeiterin des Imbissstands, die ebenfalls helfen wollte. „Ich bin nicht schlimm verletzt, meine Sorge gilt allein dem Opfer, das eine Kopfverletzung erlitten hat“, sagt er. Rettungskräfte hatten die beiden am Nachmittag zusammen in die Klinik gebracht. „Der 50-Jährige war ansprechbar, wie schwer er verletzt ist, wissen wir noch nicht genau“, sagte Polizeisprecher Michael Aschenbrenner am Abend.

Das war immer noch nicht die letzte Schlagzeile um den Familienbetrieb. „Feuerwehr und Polizei bei Zirkus Busch in Balingen“, heißt diese, und der ZAK schreibt: Am späten Freitagabend hat auf dem Gelände des Zirkus gegenüber des Messegeländes ein Strohballen gebrannt. Ursache: unklar. Auf Facebook wird vermutet, dass es ein selbsternannter „Gerechtigkeitshelfer“ gewesen sei.

1 Kommentar

  1. Auf der einen Seite sollten diese Zirkusleute (NICHT alle!) für ihr miserables Verhalten und ihre Taten entsprechende Konsequenzen zu spüren bekommen, aber auf der anderen Seite sieht man auch klar und deutlich (auch in den Medien), wie es überhaupt erst dazu kommt: Aufgrund der permanenten Hetze von sogenannten „Tierrechtlern“ (NICHT mit Tierschützern verwechseln!) und der Leichtgläubigkeit von Fachlaien.

    Es würde mich inzwischen nicht mal mehr wundern, wenn ein Großteil dieser „Zeugenaussagen“ bloß die üblichen falschen Verdächtigungen von besagten „Tierrechtlern“ sind, welche sich dadurch bekanntlich bloß versprechen den Ruf ihrer „Hassobjekte“ zu schaden. Das sind diese übrigens nicht deshalb, weil sie tatsächlich „alle“ Tiere „quälen“ würden, nein, die „Hassobjekte“ von sogenannten „Tierrechtlern“ entsprechen lediglich nicht dem Weltbild / der Ideologie von „Tierrechtlern“ – Das ist alles.
    – Für diese Leute ist das leider Grund genug um Mitmenschen permanentes öffentliches „Rufmorden“, „Verleumden“, „Shitstorming“, „Mailbombing“ usw. anzutun – meist ohne jeglichen konkreten Beweise oder wahrheitsgemäße Berichterstattung.

    Falls ihr wissen wollt, wie weit diese „Tierrechtler“-Szene bereit sind zu gehen, empfehle ich euch mal zu recherchieren, wie das grundsätzliche Niveau, die Stimmung in „Tierrechtler“-Gruppen, -Vereinen oder auf Facebook ist – aber ganz besonders, solltet ihr in Erfahrung bringen, was vor ca. 10 Jahren in Großbritannien so alles abging.
    – Zum einen wird diese Thematik im „ZDFzoom“-Bericht „Aus Liebe zum Tier“ vom 22.10.2015 aufgegriffen, zum anderen beschreibt auch der Spiegel im Artikel „Tierversuche: Die Rächer der Ratten“ (12.11.2007) quasi das, was mit dem aktuellen Erstarken der rechten Szene sowie den „Tierrechtlern“ in Deutschland so langsam bzw. immer mehr auf uns zukommt, Stichworte:
    – Erpressung
    – Angst schüren
    – Terror der Tierschutzextremisten
    – Brände legen
    – Briefbomben verschicken
    – Büros von Firmen besetzen
    – Geräte zerstören
    – Rufmord betreiben
    – Bombendrohungen
    – Sprengsätze unter Autos
    – mit Tränengas und Knüppeln bearbeiten
    – Drohung
    – illegale Straßenstände
    – Geld versickert in kriminelle Aktionen
    – tätliche Angriffe
    – Leichenraub
    – Klima der Angst
    – Todeslisten
    – Demokratie in Gefahr

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