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Montag, 25. Mai 2020
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    Alfred Kunz „übersetzt“ das Hornberger Lagerbuch von 1716

    Transkription des zweitältesten Buches im Tennenbronner Ortsarchiv

    Durch die Transkription des Hornberger Lagerbuches von 1716 ermöglicht Alfred Kunz von der Heimathausgruppe Tennenbronn allen Geschichtsinteressierten einen einfacheren Einstieg in die historischen Besitzverhältnisse des Stabes Hornberg in Tennenbronn. Robert Hermann hat uns einen Artikel über das Buch und seine Bedeutung zur Verfügung gestellt:

    Ein Lagerbuch ist ein Verzeichnis über Besitzrechte und der damit verbundenen Einkünfte einer Herrschaft oder Verwaltungseinheit. Es fungierte als ein zentrales Dokument zur Klärung der Rechtsverhältnisse zwischen Herrschaft und Untertanen. Als Verzeichnis der Besitzrechte einer Herrschaft und der zu erbringende Leistungen und Steuern ihrer Untertanen, war es die Basis für eine geordneten Verwaltung. Als Synonym zum Begriff „Lagerbuch“ wurde im Mittelalter auch der Ausdruck „Urbar“ verwendet.

    Lagerbücher als wichtige historische Quellen

    In Württemberg gab es seit dem 15. Jahrhundert Lagerbücher. Sie wurden durch die Verwaltungsbeamten der zum Herzogtum Württemberg gehörenden Ämter angefertigt.  Hornberg war ab 1534 eines dieser Ämter. Dazu gehörten bis 1810 die Städte Hornberg und Schiltach, die Dörfer Reichenbach, Gutach, Kirnbach, Tennenbronn, Hinterlehengericht, Sulgau, Buchenberg, Weiler und Burgberg.

    Während das Original des Lagerbuchs in der Kellerey Hornberg aufbewahrt wurde, ging je eine Abschrift in die herzogliche Kammer nach Stuttgart und ein entsprechender Auszug des Lagerbuchs an den jeweiligen örtlichen Stabsvogt, der für das Eintreiben der Steuern verantwortlich war.

    Das Gesamtwerk bestehend aus Transkription (120 Seiten) und Originalen (354 Seiten)

    Wenn sich die Besitzverhältnisse auf den Höfen änderten, wurde der Name des Hofbesitzers im Lagerbuch gestrichen und durch den des Nachfolgers ergänzt. Da es sich um gebundene Bücher handelte, war die Möglichkeit solcher Korrekturen begrenzt. Die Lagerbücher mussten deshalb von Zeit zu Zeit von Grund auf aktualisiert werden, was mit dem Begriff „Erneuerung“ bezeichnet wurde. Als früheste Version des Hornberger Lagerbuchs gilt das Güterverzeichnis von 1491. Eine umfassende Lagerbucherneuerung fand im Jahr 1591 statt, auf dessen Inhalt sich die Ausgabe von 1716 immer wieder beruft.

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    Zwei Lagerbücher für Tennenbronn

    Im Archiv des Tennenbronner Rathauses wurden bis 2012 je ein Exemplar der Ausgabe von 1591 und von 1716 aufbewahrt. Die Ausgabe von 1591 ist zwischenzeitlich im Stadtarchiv Schramberg archiviert. Die handgeschriebenen Volianten tragen den Titel: „Extractus der hochfürstlich–Wirtembergischen Kellerey Hornberg Lagerbuchs über den Stab Tennenbronn Hornberger Ambts“.

    Darin sind die jeweiligen Lehensnehmer im Stab Tennenbronn sowie deren Güter und Zinsabgaben genauestens vermerkt. Außerdem enthalten sie Hofbeschreibungen, Auszüge aus älteren Urkunden und allgemeine Angaben zu den geltenden Rechtsverhältnissen.

    Komplizierte Verhältnisse

    Um die Situation im alten Tennenbronn richtig zu verstehen, ist es wichtig, die territorialen Verhältnisse zu kennen, die im oberen Schiltachtal vom Mittelalter an bis in die Neuzeit hinein geherrscht haben. Diese Verhältnisse sind äußerst kompliziert, da sich auf Tennenbronner Boden Jahrhunderte lang unterschiedliche politische Zuständigkeiten überschnitten haben.

    Das einst einheitliche Herrschaftsgebiet der Herren von Ramstein/Falkenstein, das sich ursprünglich über alle Täler und Höhen des oberen Schiltachtales erstreckt haben dürfte, wurde im Laufe des Mittelalters mehrfach zerteilt und in seiner territorialen Zugehörigkeit verändert. Nach der Gründung der Benediktinerabtei St. Georgen (anno 1085) und dem Verkauf der ramstein-falkensteinischen Besitzungen an unterschiedliche neue Eigentümer (einerseits Württemberg, andererseits Hans von Rechberg) entwickelte sich ab dem 15. Jahrhundert eine sehr unübersichtliche Grenzsituation.

    Durch die Drucklegung von zwei eigenständigen Büchern ist ein Vergleich der Texte problemlos möglich.

    Teile Tennenbronns gehörten zum württembergischen „Hornberger Stab“, ein anderer Teil gehörte zum „Schramberger Stab“ und somit zu Vorderösterreich und wieder ein anderer Teil gehörten zum „Klosteramt St. Georgen“.

    Das Hornberger Lagerbuch „über den Stab Tennenbronn“ erfasst nur die Tennenbronner Höfe, die dem Amt Hornberg, also einem Teil des sogenannten „gemeinsamen Stabs Tennenbronn“ zugehörten. Die Höfe und Hofbesitzer des Tennenbronner Amtes Schramberg und des Klosteramtes St. Georgen werden im Hornberger Lagerbuch zwar erwähnt, aber nicht ausführlich beschrieben.

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    Blick in die Vergangenheit wird einfacher

    Mit der Transkription von Alfred Kunz von der Heimathausgruppe Tennenbronn wurde das zweitälteste Buch des Tennenbronner Archivs nun in eine für alle lesbare Form übertragen. Sie bietet allen Interessierten einen einmaligen Blick in die Vergangenheit Tennenbronns ohne die mühsame „Übersetzung“ der handschriftlichen Eintragungen in Süterlinschriftzeichen.

    Da das Hornberger Lagerbuch von 1716 nicht nur die Höfe des hornbergischen Stabs mit ihren Abgaben an Naturalien, Tieren und Steuern auflistet, welche die damaligen Besitzer an die Herrschaft zu leisten hatten, sondern auch die alten Hofbezeichnungen, die Hofgrenzen und alte Gewannbezeichnungen verwendet, ist es eine äußerst interessante und wichtige Quelle um die Geschichte Tennenbronns zu erkunden und zu erfassen.

    Alfred Kunz zählt zu den wichtigsten Heimatforschern Tennenbronns und hat mit der Transkription einen weiteren wichtigen Beitrag für Geschichtsinteressierte geschaffen. Das Foto zeigt ihn bei einem Vortrag der Heimathausgruppe.

    Das Gesamtwerk besteht aus zwei Büchern. Zum einen aus der Transkription mit den übersetzten Texten und einer später datierten Gemarkungskarte im Anhang, welche zur Orientierung bei den im Lagerbuch beschriebenen Höfen dienen kann. Ergänzend zur Transkription werden in einem zweiten eigenständigen Buch die Originalseiten des Hornberger Lagerbuches von 1716 abgebildet. Dem Leser ist somit der parallele Blick sowohl in die Transkription als auch in die Originalseiten mit ihrer graphischen Gestaltung möglich.

    Die Heimathausgruppe Tennenbronn würde sich sehr freuen, wenn die Transkription dazu beitragen könnte, die Lust und Freude an der weiteren Erforschung unserer Geschichte zu wecken. Zusätzlich können die Bücher, nach den Coronabeschränkungen, auch in der Präsenzbibliothek des Heimathauses ausgeliehen werden. Interessierte können sich gerne an den Vorsitzenden der Heimathausgruppe Tennenbronn Robert Hermann wenden.

     

     

     

     

     

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