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Freitag, 7. August 2020
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    Arthur Junghans: Pionier des Zeitalters der Industrialisierung in Deutschland

    Ein Beitrag zum 100. Todestag des „Schwarzwälder Uhrenkönigs“

    Selten hat eine Nachricht aus Schramberg so weite Kreise gezogen wie vor 100 Jahren die Nachricht vom Tod von Arthur Junghans. Er war einer der Pioniere der Industrialisierung in Deutschland, in dessen Zeit sein Unternehmen zur größten Uhrenfabrik der Welt und Schramberg zur bedeutendsten Industriestadt des Schwarzwaldes aufstieg.

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    Auch ein Jahrhundert nach dem Tod von Arthur Junghans ist die Industriestadt Schramberg bis heute unübersehbar von Zeugnissen seines Unternehmerlebens geprägt. Von der einst so großen „Fabrikstadt“ mit über 100 Gebäuden ist im heutigen „Gewerbepark Junghans“ zwar leider nur ein kleiner Teil übrig geblieben, aber auch der unter Denkmalschutz stehende Rest aus „Weckerbau“, „Mechanik“ sowie „Hoch- und Terrassenbau“ aus der Zeit von Arthur Junghans ist noch sehr eindrucksvoll.

    Die Werkssiedlung aus „Beamtenbau“ und „Kolonie“, ebenfalls auf Initiative von Arthur Junghans gebaut, wird bis heute bewohnt. Das „Gut Berneck“, 1910/11 von Arthur Junghans für seine Familie errichtet, stellt als eine der größten Unternehmervillen aus dem Kaiserreich eine Spitzensehenswürdigkeit dar. Bei den Wasserfällen im Lauterbachtal erinnert ein stimmungsvolles Denkmal seiner Mitarbeiter an ihn.

    Tod mit 67

    Im Herbst des Jahres 1920 hätte Arthur Junghans sein goldenes Firmenjubiläum vollenden und auf 50 Jahre Betriebszugehörigkeit zurückblicken können. Umso härter traf seine Familie, seine Firma, seine Heimatstadt und die Wirtschaftswelt die Nachricht von seinem unerwarteten Tod im Alter von 67 Jahren in der Nacht vom 30. auf den 31. Januar 1920. Zuvor war es ihm noch gelungen, das Unternehmen von der Rüstungsproduktion im Ersten Weltkrieg wieder auf die Friedensproduktion umzustellen.

    Arthur Junghans (1852 – 1920)

    Die Bedeutung seiner Persönlichkeit spiegelt sich in der großen Zahl an Nachrufen in namhaften deutschen Zeitungen wie zum Beispiel in der „Illustrierten Zeitung“, in der „Frankfurter Zeitung“, in „Der Vorwärts“, im „Schwäbischen Merkur“, im „Neuen Tageblatt Stuttgart“ und in der „Württembergischen Zeitung“. Sie stimmten darin überein, dass mit dem „Schwarzwälder Uhrenkönig“ Arthur Junghans „einer der Größten der württembergischen Industrie und der deutschen Industrie überhaupt“ verstorben sei. Das „Schwarzwälder Tagblatt“ seiner Heimatstadt Schramberg überschrieb seinen Nachruf in ehrfürchtigem Pathos des schicksalhaften Augenblicks mit dem Titel: „Ein Palmzweig auf die Bahre des großen Meisters.“

    „Seine großen Taten werden dem Verstorbenen für immer einen Ehrenplatz unter den Pionieren sichern“, hieß es in der Todesanzeige der Uhrenfabriken Gebrüder Junghans A.-G., „denen Deutschland sein industrielles Emporblühen verdankt.“

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    Mit seiner Leistung, als einer der ersten Unternehmer in Deutschland eine moderne Massenproduktion aufgebaut zu haben, die zum Vorbild für andere Unternehmen wurde, gehört er in eine Reihe mit anderen Pionieren dieser Epoche wie Robert Bosch (1861 – 1942), Gottlieb Daimler (1834 – 1900), Alfred Krupp (1812 – 1887) oder Werner Siemens (1816 – 1892). Aus diesem Grund wurde ihm auch bereits zu Lebzeiten ein Porträt in dem Buch „Industrielle. Vertreter Deutscher Arbeit in Wort und Bild“ gewidmet, einer Art „Ruhmeshalle“ der Pioniere der deutschen Industrie.

    Markterfolg auch dank Ideenklau

    Arthur Junghans wurde am 19. Oktober 1852 in Schramberg als fünftes von insgesamt acht Kindern des Fabrikgründers Erhard Junghans (1823 – 1870) und seiner Ehefrau Luise Junghans (1821 bis 1910) geboren. Von 1872 bis 1874 kundschaftete er als Industriespion die führenden Uhrenfabriken in den USA aus und sorgte nach seiner Rückkehr für einen Technologietransfer durch Maschinen und Spezialisten, mit denen er die Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt erreichte. Die von ihm aufgebaute Mechanik – in der auch der bedeutende Ingenieur Albert Hirth (1858 – 1935) zeitweise tätig war – stand an der Spitze des Maschinenbaus in Deutschland.

    Die von der Fachwelt zunächst wegen ihrer einfachen Konstruktion abgelehnten Uhren setzten sich schließlich aufgrund ihres guten Preis-Leistungs-Verhältnisses doch auf dem Markt durch, auch durch eine nachhaltige Markenbildung und eine erfolgreiche Werbung („Junghans-Stern“).

    Den Erfolg musste sich Arthur Junghans indes mit seinem etwas älteren Bruder, dem Kaufmann Erhard Junghans (1849 – 1923) teilen, den die Mutter mit der Gesamtleitung betraut hatte. Die Beziehung der beiden Brüder war nicht spannungsfrei. 1897 zog sich Erhard Junghans ins Privatleben zurück. Voller Konflikte war auch die Beziehung zu seinem Schwager Paul Landenberger (1848 – 1939), der 1875 einen Konkurrenzbetrieb gegründet hatte (Hamburg-Amerikanische Uhrenfabrik).

    Rüstungsproduktion im ersten Weltkrieg

    Als alleiniger Generaldirektor baute Arthur Junghans das Unternehmen nach dem Vorbild von US-Konzernen weiter aus, in dem er Junghans zum Vollsortimenter für Groß- und Kleinuhren (Taschenuhren) und zu einem Rüstungsproduzenten (Zünder) machte, andere Firmen aufkaufte und Filialen im In- und Ausland gründete. Schließlich wandelte er im Jahr 1900 das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft um und ließ mit den Rüstungsgewinnen im Ersten Weltkrieg monumentale Neubauten errichten, um den Anspruch der größten Uhrenfabrik der Welt auch architektonisch zu repräsentieren.

    Das „Gut Berneck“ von Arthur Junghans in den 1920er-Jahren

    Hier war – so zeigte es auch das „Gut Berneck“ – das Reich des „Schwarzwälder Uhrenkönigs“. Im Lauf der Zeit  erhielt er mehrere hochrangige Ehrungen: 1898 Kommerzienrat, 1902 Geheimrat, 1911 Ehrendoktor der Technischen Hochschule Stuttgart und 1917 Ehrenbürger der Stadt Schramberg.

    Verheiratet war Arthur Junghans seit 1874 mit Maria Luise Hauff (1852 – 1917) aus Reutlingen. Der Ehe wurden acht Kinder geschenkt: Erwin Junghans (1875 – 1944), Oscar Junghans (1876 – 1927), Gertrud Junghans, verheiratete Kielmeyer (1879 – 1953), Walther Junghans (1882 – 1920), Erika Junghans, verheiratete von Zeppelin (1884 – 1975), Siegfried Junghans (1887 – 1954), Helmut Junghans (1891 – 1964) und Maja Junghans, verheiratete Weiss (1892 – 1938).

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    Zu seinem Tod berief Stadtschultheiß Eugen Ritter (1880 – 1940) eine Trauersitzung des Gemeinderates ein. Zur Feuerbestattung auf dem Pragfriedhof in Stuttgart fand sich eine große Trauergemeinde ein. Die sterblichen Überreste von Arthur Junghans wurden in der Urnenhalle seiner Familie beim „Gut Berneck“ beigesetzt. Sein 100. Todestag ist ein Grund, sich an Leben und Werk dieses Pioniers des Zeitalters der Industrialisierung in Deutschland neu zu erinnern.

     

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