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Stimmung im Keller? Gehen Sie trotzdem einkaufen. Vor Ort.

(Meinung). Die Läden haben wieder geöffnet. Wir haben das vor gut 14 Tagen mit Freude vermeldet. Da war Erleichterung zu spüren, Aufschwung....

Rathaus Lauterbach erhält AMEGAN Desinfektionsspender

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Mittwoch, 27. Mai 2020
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    Auf den Punkt gebracht: Mit Schokolade geht mehr

    Testmaterialien für Taubblinde und Hörsehbehinderte entwickelt

    In Zusammenarbeit mit der Stiftung St. Franziskus Heiligenbronn entwickelt eine Gruppe von Sonderpädagogen an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg Testmaterialien. Mit deren Hilfe können Lehrer oder Erzieher feststellen, ob und in welchem Maße bei Kindern und Jugendlichen mit zusätzlichen komplexen Behinderungen eine Taubblindheit und Hörsehbehinderung vorliegt. Darüber berichtet die Stiftung in einer Pressemitteilung:

    An einen Lampenschirm lässt der Kunststofftrichter denken, den Ines Weber mitgebracht hat. Das milchig weiße Gebilde hat im Zusammenspiel mit einer Taschenlampe tatsächlich mit Licht zu tun, wenn auch nicht mit der Bündelung, sondern der Verteilung der Strahlen. Der so genannte Nef-Trichter ist Teil eines Werkzeugkastens, den die bei der Stiftung St. Franziskus Heiligenbronn angestellte Sonderpädagogin ihren Kollegen des Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum Sehen (SBBZ) vorstellt.

    Weber demonstriert, wie die große Öffnung vor das Gesicht einer sehbehinderten Person gehalten wird, während eine weitere Person die punktförmige Lichtquelle außen auf der Schirmoberfläche entlangführt. Der Blick durch die kleine Öffnung des Trichters ermöglicht zu erkennen, ob und in welchem Umfang die Testperson auf das Lichtfeld reagiert.

    Die Sonderpädagogin und Spezialistin für taubblinde Kinder und Jugendliche ist Teil einer Forschungsgruppe an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Unter der Leitung der ersten Professorin für Taubblindenpädagogik, Professor Dr. Andrea Wanka, entwickelt das Team dort Testverfahren, die Lehrern und Erziehern ermöglichen, festzustellen, ob bei Kindern und Jugendlichen neben einer geistigen oder körperlichen Behinderung eine zusätzliche Taubblindheit und Hörsehbehinderung vorliegt, und wie stark ausgeprägt diese ist.

    Je nach Ergebnis können sie dann individuell beraten und gefördert werden. „Wir wollen Handwerkszeug für Lehrer und Fachleute entwickeln, das eine schnelle Identifizierung einer Taubblindheit oder Hörsehbehinderung ermöglicht“, umreißt Weber das Hauptziel ihrer Arbeit mit dem Titel Identifizierung von Kindern und Jugendlichen mit Taubblindheit und Hörsehbehinderung (IKI-TAU). „Das ist wichtig, um zu sehen, ob die Kinder das passende Bildungsangebot erhalten.“

    Erste Tests an 30 Kindern

    Bei einer ersten Testreihe an 30 Kindern in drei sonderpädagogischen Einrichtungen der Nikolauspflege in Stuttgart erprobte die achtköpfige Gruppe aus Sonderpädagogen und Studenten im vergangenen Oktober bereits am Markt befindliche Testgeräte zur Messung des Gesichtsfeldes und der Sehschärfe: besagten Nef-Trichter, weiße Tafeln mit einem strichförmigen Gesichtsschema oder schwarzweiß gestreifte Paddles in Form von Tischtennisschlägern.

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    Um das Hörvermögen einzuschätzen, konzipierte die Gruppe gemeinsam mit einem Heidelberger Unternehmen eigens eine App. Sie arbeitet mit Alltagsgeräuschen wie dem Brummen eines Staubsaugers oder dem Klappern von Geschirr genauso wie mit Lieblingsmusik. Alle Geräusche, Stimmen, Töne oder Melodien können in unterschiedlichen Lautstärken abgespielt werden.

    Es gehe vor allem darum, Geräusche zu produzieren, die Kinder kennen und benennen können und die unabhängig von Sprache und Sprachverständnis sind, erklärt Weber. Vor allem sollten die Tests interessant und abwechslungsreich sein, um nicht zu ermüden. Vieles bereits Erprobte sei zu langweilig oder müsse weiterentwickelt werden, stellt sie fest.

    So zeigten sich Kinder an schwarzen Punkten auf gelben Tafeln solange uninteressiert, bis auf dem schwarzen Punkt eine Schokolade auftauchte. Zudem müssten die Testwerkzeuge für die hörsehbehinderten Kinder auch zum Anfassen interessant sein. Etwa durch verschiedenartige Oberflächen. Solche so genannten taktilen Elemente machen Dinge leichter begreiflich. Auch hier entwickeln die Heidelberger Sonderpädagogen und Studenten bereits bestehende Materialien weiter.

    Anregungen aus der Praxis

    In Heiligenbronn wollen sich Ines Weber und ihre Teamkollegin Lea Maurer neue Anregungen von Kollegen aus der Praxis holen. Schließlich ist die Stiftung St. Franziskus Heiligenbronn landesweit das einzige Kompetenzzentrum für Menschen mit Taubblindheit. 18 Sonderpädagogen aus den Sonderpädagogischen Bildung- und Beratungszentren Sehen in Heiligenbronn und Baindt mit der Spezialisierung für taubblinde und hörsehbehinderte Kinder lädt Weber ein, ihre Erfahrungen aus dem Unterrichtsalltag in die Überlegungen der Forschungsgruppe einfließen zu lassen.

    Dietmar Stephan, Schulleiter des SBBZ Sehen Heiligenbronn ist froh über diese intensive Zusammenarbeit mit Professor Wanka. Die Grundlagenforschung sei immens wichtig, um die Gruppe der Taubblinden – in Deutschland geschätzt zwischen 2500 und 13.000 Menschen – genauer zu erfassen und zu unterstützen. Er verweist etwa auf einen jungen Afghanen, der vor wenigen Jahren nach Heiligenbronn kam. Bereits in seinem Herkunftsland und auch in Deutschland wurde Abdullah als geistig behindert eingestuft und jahrelang ungünstig gefördert.

    In Heiligenbronn erhielt der junge Mann erstmals auf ihn und seine Behinderungen zugeschnittenen Unterricht. Inzwischen hat er den Sprung in die Bildungseinrichtung der Werkstatt für Menschen mit Sinnesbehinderung in Heiligenbronn geschafft. Solche Erfolgsgeschichten demonstrieren den Stellenwert der Forschung, die Ines Weber und ihre Kollegen betreiben, um letztlich Eltern, Erzieher und Betreuer passend zu beraten und den Kindern die bestmögliche Förderung zukommen zu lassen.

     

     

     

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