Misst seit 2008 die Luftschadstoffe: Messstation in der Oberndorfer Straße. Archiv-Foto: him

Wenn nichts Außer­ge­wöhn­li­ches in den letz­ten paar Tagen des Jah­res geschieht, sin­ken die Stick­stoff­di­oxid­mess­wer­te in der Obern­dor­fer Stra­ße zum ers­ten Mal unter die magi­sche Gren­ze von 40 Mikro­gramm pro Kubik­me­ter Luft.

„Die Aus­wer­tung der bis heu­te (19.12.2017) ver­öf­fent­lich­ten Stick­stoff­di­oxid­mess­wer­te (NO2) für die Mess­sta­ti­on Schram­berg Obern­dor­fer Stra­ße ergibt einen vor­läu­fi­gen Jah­res­mit­tel­wert für NO2 von 36µg/m3, womit der für NO2 gel­ten­de über das Kalen­der­jahr gemit­tel­te Immis­si­ons­grenz­wert von 40 µg/m3 ein­ge­hal­ten wäre“, teilt der Spre­cher des Regie­rungs­prä­si­di­ums Frei­burg Mar­kus Adler auf Nach­fra­ge der NRWZ mit.

In den Jah­ren 2008 bis 2013 schwank­te der Wert immer um 52 Mikro­gramm. Des­halb sahen sich das Lan­des­um­welt­mi­nis­te­ri­um und das Regie­rungs­prä­si­di­um wegen EU-Regeln gezwun­gen, einen Luft­rein­hal­te­plan für Schram­berg auf­zu­stel­len. Die­ser Plan aus dem Jahr 2010 sah vor, dass eine Umwelt­zo­ne für ganz Schram­berg ein­ge­rich­tet wird. Ab Juli 2013 war Schram­berg für Autos mit roter Pla­ket­te tabu, seit Febru­ar 2015 dür­fen auch Fahr­zeu­ge mit gel­ber Pla­ket­te hier nicht mehr fah­ren.

Schadstoff-Werte gehen generell zurück

Die Stick­stoff­di­oxid­wer­te san­ken ab 2014 auf Wer­te um 43 Mikro­gramm, lagen aber immer noch über dem gefor­der­ten Grenz­wert von 40 Mikro­gramm je Kubik­me­ter Luft. Des­halb gilt seit gut einem Jahr auf einem Abschnitt der Obern­dor­fer Stra­ße „Tem­po 30“. Auch davon erhoff­ten sich die Behör­den einen leich­ten Rück­gang beim Stick­stoff­di­oxid.

Was nun zu den erfreu­li­chen Rück­gän­gen geführt hat, da wol­len sich die Fach­leu­te im Regie­rungs­prä­si­di­um nicht fest­le­gen. „Es gibt eine gene­rel­le Ten­denz, dass die  Schad­stoff­wer­te im Land abneh­men“,  heißt es. Es sei wohl ein gan­zes Bün­del von Fak­to­ren, die da zusam­men kom­men. Meteo­ro­lo­gi­sche Ände­run­gen bräch­ten jähr­li­che Schwan­kun­gen mit sich. Auch die Umwelt­zo­ne und Tem­po 30 hät­ten sicher bei­getra­gen. Wich­tig sei aber auch der Flot­ten­wech­sel bei LKWs in den ver­gan­ge­nen Jah­ren gewe­sen. Die Last­zü­ge, die vor zehn Jah­ren auch in der Obern­dor­fer Stra­ße unter­wegs waren, sei­en inzwi­schen durch wesent­lich sau­be­re­re Fahr­zeu­ge ersetzt. Daher der gene­rel­le Trend zu nied­ri­ge­ren Wer­ten.

LKWs sauberer als Autos

Dass die LKWs über so viel effi­zi­en­te­re Rei­ni­gungs­ver­fah­ren ver­füg­ten, lie­ge auch dar­an, dass die euro­päi­sche Uni­on bei den dicken Brum­mern rich­tig ent­schie­den hat. Anders als bei den umstrit­te­nen Labor­tests bei Autos müs­sen die LKW-Her­stel­ler die Abgas­wer­te auf der Stra­ße ein­hal­ten und das nach­wei­sen. Das führt  zu so gro­tes­ken Ergeb­nis­sen, dass ein 20-Ton­nen-LKW heu­te weni­ger Schad­stof­fe aus­stößt als so man­cher Klein­wa­gen mit Die­sel-Motor.

Wie nun die ver­schie­de­nen Fak­to­ren dazu bei­getra­gen haben, dass der Grenz­wert an der Obern­dor­fer Stra­ße unter­schrit­ten wird, las­se sich der­zeit kaum seri­ös fest­stel­len: „Freu­en wir uns ein­fach drü­ber“, heißt es in Frei­burg. „Das Ziel ist erreicht, wir brau­chen in Schram­berg nichts wei­ter zu unter­neh­men.“

 Schram­bergs Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Her­zog will erst die end­gül­ti­gen Zah­len abwar­ten, ergänzt aber: „Wenn es zutrifft, dann freut es uns natür­lich, dass die Schad­stoff­be­las­tung gerin­ger gewor­den ist.“

Eine Abschaf­fung von Tem­po 30 und Umwelt­zo­ne hält man im Regie­rungs­prä­si­di­um für wenig wahr­schein­lich. Die Umwelt­zo­ne wird auf abseh­ba­re Zeit bestehen blei­ben, ist zu hören. Und für Tem­po 30 spre­che neben der Schad­stoff­re­du­zie­rung auch der Lärm­schutz, um den sich Schram­berg ver­stärkt küm­mern müs­se.

Die aktu­el­len Mess­da­ten fin­den sichhttp://udo.lubw.baden-wuerttemberg.de/public/