Das Gebäude auf einer Postkarte um 1925. Foto: Sammlung Carsten Kohlmann (Oberndorf a.N.)

SCHRAMBERG (him) – Ein Haus mit einer beweg­ten Geschich­te steht bald nicht mehr: Das Haus am Stein­bruch beim Rap­pen­fel­sen ent­ker­nen der­zeit Abbruch­spe­zia­lis­ten.

Schon innen ent­kernt. Das ehe­ma­li­ge Haus von Mar­tin Popp. Foto: him

Das Gebäu­de gehört heu­te der Betrei­ber­fir­ma des Stein­bruchs. Nach­dem in den letz­ten Jah­ren die Mie­ter immer häu­fi­ger wech­sel­ten und es „in die Jah­re gekom­men“ sei, soll es nun abge­bro­chen wer­den, war aus der Fir­ma zu erfah­ren: „Wir brau­chen es nicht.“

Gebaut hat es 1892 der Mecha­ni­ker Mar­tin Popp. Er leb­te von 1863 bis 1934, so Stadt­ar­chi­var Cars­ten Kohl­mann. Auf ihn  gehe auch der „sinn­rei­che Gedenk­stein über der Ein­gangs­tür zurück“. Die­sen möch­te Kohl­mann nach dem Abbruch mög­lichst ins Archiv als Erin­ne­rungs­stück über­neh­men.

Dort im Archiv fin­det sich ein Schrift­stück aus dem Jahr 1952 von Leon­hard Popp, dem Sohn des Erbau­ers. Sein Vater stamm­te aus Ober­fran­ken und sei als Wan­der­ge­sel­le nach Schram­berg gekom­men. Bei der Uhren­fa­brik May­er und Söh­ne habe er Arbeit gefun­den. Er hei­ra­te­te Adel­heid Kunz und fand einen Bau­platz an der badisch-würt­tem­ber­gi­schen Gren­ze für ein Eigen­heim. 1910 habe er sich selbst­stän­dig gemacht. Sein Vater habe die Was­ser­kraft des Esel­bachs genutzt, um über ein Was­ser­rad Maschi­nen anzu­trei­ben, schreibt Leon­hard Popp. In sei­ner Werk­statt ver­kauf­te und repa­rier­te Popp seni­or Näh­ma­schi­nen und Fahr­rä­der: „Er war der ers­te Hoch­rad­fah­rer Schram­bergs.“ Auch eine Tank­stel­le rich­te­ten die Popps in den 20er Jah­ren hier ein.

Nach dem Tod des Vaters 1934 habe er, Leon­hard, die Fir­ma wei­ter­ge­führt und gemein­sam mit sei­nem Bru­der Alfons ab 1938 eine Auto­re­pa­ra­tur­werk­statt mit Zünd­app- und NSU-Ver­tre­tung auf­ge­baut. Dar­aus ist das heu­te im Stadt­teil Sul­gen behei­ma­te­te Auto­haus Popp ent­stan­den.

Haus Popp: Sei­ne letz­te Stun­de hat geschlagen.…Foto: rm

Spä­ter war das Gebäu­de gegen­über der Klär­an­la­ge die Hei­mat des „Kol­lek­tivs“ um Alfred Goe­bel. Er hat­te sich jun­ger Arbeits­lo­ser ange­nom­men, die wäh­rend der Uhren­kri­se in den 80er Jah­ren kei­ne Chan­ce auf einen nor­ma­len Arbeits­platz  hat­ten. Sie betrie­ben eine Werk­statt und ein Möbel­la­ger für gebrauch­te Möbel. Dar­aus ent­stand das „Selbst­hil­fe­werk für jun­ge Arbeits­lo­se“, eine Gemein­schafts­ak­ti­on der katho­li­schen und evan­ge­li­schen Kir­chen­ge­mein­den.  Immer wie­der wech­sel­ten danach die Mie­ter. Bis vor eini­ger Zeit hat­te ein Bewoh­ner mit Karot­ten zu tun. Jeden­falls stan­den häu­fig Lie­fer­wa­gen vol­ler Karot­ten neben dem Haus. Jetzt kommt das Ende. In Kür­ze wird der letz­te Rest des Hau­ses von Mar­tin Popp ver­schwun­den sein – genau 125 Jah­re hat es gestan­den.