Seit zehn Jahren praktisch unverändert: die Fahrzeugzahlen an der B 462 zwischen Schramberg und Sulgen. Grafik: BASt

Seit Jahr­zehn­ten kämpft die Stadt Schram­berg für die Tal­um­fah­rung. Eines der wich­tigs­ten Argu­men­te lau­tet, die Obern­dor­fer Stra­ße in Schram­berg sei ein „Nadel­öhr“ auf der Stre­cke zwi­schen Rhein­ebe­ne und Neckar­tal oder  A 6 und A 81. Die Ver­kehrs­be­las­tung durch Schwer­last­ver­kehr und Autos neh­me immer wei­ter zu, des­halb müs­se die Tal­um­fah­rung drin­gend gebaut wer­den.

Doch stim­men die­se Zah­len? Vor zwei Wochen berich­te­te die NRWZ, dass die Lan­des­an­stalt für Umwelt Baden-Würt­tem­berg (LUBW) an ihrer Zähl­stel­le an der Ein­mün­dung der Goe­the­stra­ße in die Obern­dor­fer Stra­ße seit 2015 rück­läu­fi­ge Zah­len ver­zeich­ne: von 14.700 über 14.300 auf 13.500 Fahr­zeu­ge pro Tag  im Jahr 2017.

 Die Prognosen lauteten ganz anders

Das wider­spricht allen bis­he­ri­gen Annah­men. So gin­gen Gut­ach­ter von Modus­con­sult im Jahr 2005  davon aus, dass der Stra­ßen­ver­kehr bis zum Jahr 2025 um 20 Pro­zent anstei­gen wer­de. („Stra­ßen­ver­kehrs­pro­gno­se 2025, Baden-Würt­tem­berg“). Auf Schram­berg bezo­gen kamen Wis­sen­schaft­ler der­sel­ben Fir­ma 2009 auf eine Stra­ßen­be­las­tung von 16.200 Kfz/24h im Jahr 2010, nach­zu­le­sen im Luft­rein­hal­te­plan für die Obern­dor­fer Stra­ße aus dem Jahr 2010.

aus: Luft­rein­hal­te­plan Schram­berg

Für das Jahr2020  habe das Büro Modus­con­sult 2003 in einem Gut­ach­ten für die Obern­dor­fer Stra­ße gar „19.500 Kfz/24h pro­gnos­ti­ziert“, heißt es dort wei­ter.

Die Wirk­lich­keit sieht ganz anders aus: auf der B 462 wird nicht erst seit 2014 durch die LUBW der Ver­kehr gezählt. Die Bun­des­an­stalt für Stra­ßen­we­sen (BASt) betreibt seit 2007 eine Dau­er­zähl­stel­le  kurz vor der Abfahrt Sul­gen.

Das Ver­blüf­fen­de: Seit 2007 sind die Zah­len prak­tisch unver­än­dert geblie­ben. Bei den Fahr­zeu­gen ins­ge­samt bewegt sich die Anzahl um 13.200, davon sind schwe­re LKWs um 1000 pro Tag. Klei­ne Del­len gab es 2009  mög­li­cher­wei­se wegen der Wirt­schafts­kri­se und 2014 wegen der Bau­ar­bei­ten an der Bun­des­stra­ße in die­sem Jahr.

Die BASt-Zah­len stim­men nicht exakt mit denen der LUBW über­ein, aber die LUBW-Zähl­stel­le befin­det sich in 3,1 Kilo­me­ter Ent­fer­nung zur Dau­er­zähl­stel­le der BASt, so deren Spre­cher Chris­to­pher Ger­hard auf Nach­fra­ge der NRWZ. Und die Spre­che­rin der LUBW Tat­ja­na Erkert ergänzt: „Dazwi­schen lie­gen eini­ge Wohn­ge­bie­te, dies kann zu einer nicht zu unter­schät­zen­den Dif­fe­renz füh­ren.“ Auch sei­en die Abwei­chun­gen nicht sehr gra­vie­rend. Sie län­gen 2015 bei gut sie­ben und  2016 bei gut vier Pro­zent. Für 2017 sei­en die BASt-Zah­len erst Mit­te des Jah­res ver­füg­bar, so Spre­cher Ger­hard.

Ver­kehrs­zah­len bun­des­weit: Auf Bun­des­stra­ßen kein Anstieg seit 1990. Gra­fik: BASt

Schram­berg und die B 462 sind übri­gens  nichts Beson­de­res: Die BASt hat für das gesam­te Bun­des­ge­biet und für alle Bun­des­stra­ßen und Auto­bah­nen seit den fünf­zi­ger Jah­ren Daten erho­ben. Bei den Auto­bah­nen stei­gen die Zah­len kon­ti­nu­ier­lich. Auch bei den Bun­des­stra­ßen ging es bis 1990 nach oben. Aber seit 1992 blei­ben sie auf den Bun­des­stra­ßen prak­tisch unver­än­dert: 9000 Fahr­zeu­ge pro Tag.