Der Angeklagte mit seinem Verteidiger Kristian Frank. Foto: Moni Marcel

ROTTWEIL/SCHRAMBERG (mm) – „Es tut mir sehr leid, ich möch­te mich ent­schul­di­gen!”: Der mut­maß­li­che Bank­räu­ber vom Sul­gen zeig­te sich zum Auf­takt der Ver­hand­lung am Frei­tag reu­ig. Der 24-Jäh­ri­ge hat­te am Abend vom 22. Dezem­ber letz­ten Jah­res mit einer Plas­tik­pis­to­le, die aller­dings, so die Staats­an­walt­schaft in ihrer Ankla­ge, täu­schend echt aus­sah, einen Ange­stell­ten bedroht und Geld von ihm ver­langt.

Er habe kei­nen Zugriff ohne Kol­le­gen, habe der Mit­ar­bei­ter erwi­dert, und dem Räu­ber das an der The­ke vor­han­de­ne Münz­geld ange­bo­ten. Was dem offen­bar aber nicht reich­te, und so habe er ihm dann einen Sta­pel Zehn- und Zwan­zig-Euro-Schei­ne und eine Geld­ta­sche mit Dol­lars, Pfund und Fran­ken in die dar­ge­bo­te­ne Plas­tik­tü­te gesteckt. Ins­ge­samt etwa 7500 Euro habe der Ange­klag­te so erbeu­tet.

Die Poli­zei kam ihm bald auf die Schli­che, denn die Über­wa­chungs­ka­me­ras hat­ten alles gefilmt. Und der Ange­klag­te hat­te, das gab er zu, zuerst Angst gehabt, sei­ne Tat aus­zu­füh­ren. Er sei daher beim ers­ten Betre­ten der Bank an den Auto­ma­ten im Vor­raum gegan­gen, um Geld abzu­he­ben. Geld, das er nicht bekam, denn sein Kon­to war leer. Das war auch der Grund, dass der bis dahin umbe­schol­te­ne Maschi­nen­an­la­gen­füh­rer zum Bank­räu­ber wur­de.

Drogensüchtig

Er war abhän­gig von Koks, Mari­hua­na, Aphet­ami­nen und zudem noch spiel­süch­tig. Sei­ne Sucht habe sich immer wei­ter gestei­gert, am Ende habe er etwa ein Gramm Koks am Tag geschnupft und meh­re­re Joints geraucht, außer­dem sei er fast täg­lich in den Spiel­sa­lon gegan­gen.

Sein Ein­kom­men reich­te schon län­ger nicht mehr, um sei­ne Sucht zu finan­zie­ren: Zwei Kre­di­te, die er übers Inter­net bekom­men hat­te, auf­ge­braucht. Das Spar­buch sei­ner Freun­din hat­te er auch leer­ge­räumt. Als die Ban­ken Druck mach­ten und er die Dar­le­hen nicht mehr bedie­nen konn­te, beschloss er dann, die Bank auf dem Sul­gen zu über­fal­len.

Er habe in der Zei­tung von einem frü­he­ren Über­fall dort gele­sen, und so sei er auf die Idee gekom­men. Dass sei­ne Reue echt ist, zeigt die Tat­sa­che, dass er von sei­nem Vater 6000 Euro gelie­hen hat, um Scha­dens­er­satz und Schmer­zens­geld zu zah­len. Und auch sei­ne Per­spek­ti­ve sieht nicht schlecht aus. Immer­hin hat er sei­ner lang­jäh­ri­gen Freun­din aus dem Gefäng­nis her­aus per Brief einen Hei­rats­an­trag gemacht.

Er wol­le sein Leben in den Griff bekom­men, etwas Geld auf die Sei­te brin­gen und dann hei­ra­ten. Er sei sehr glück­lich, dass sei­ne Freun­din den Antrag ange­nom­men habe. Sei­ne Fami­lie ste­he hin­ter ihm, besu­che ihn regel­mä­ßig, und auch die Freun­din kom­me immer wie­der zu Besuch.

Als Kleinkind nach Deutschland gekommen

Sein Lebens­lauf sieht im Grun­de nicht schlecht aus: In Syri­en gebo­ren, kam er als Klein­kind mit der Fami­lie nach Deutsch­land, der Vater hat­te poli­ti­sche Pro­ble­me, erzähl­te er. Ein guter Haupt­schul­ab­schluss, danach besuch­te er eine zwei­jäh­ri­ge kauf­män­ni­sche Schu­le. Fand dann aller­dings kei­nen Aus­bil­dungplatz, wes­halb er bei einer Zeit­ar­beits­fir­ma anfing und deutsch­land­weit Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen mon­tier­te. Dann die Aus­bil­dung zum Maschi­nen­an­la­gen­füh­rer, spä­ter kam er in einen gro­ßen Sul­ge­ner Betrieb, der ihn über­nahm und ihm Auf­stiegs­mög­lich­kei­ten bot.

Die Opfer leiden bis heute

Wel­che Fol­gen sei­ne Tat für die Bank­an­ge­stell­ten hat, wur­de bei der Zeu­gen­ver­neh­mung deut­lich. Der bedroh­te Bank­an­ge­stell­te hat das Gesche­hen offen­bar rela­tiv gut ver­kraf­tet, eine Mit­ar­bei­te­rin, die es mit­er­le­ben muss­te, kön­ne heu­te nicht mehr allei­ne an der Ser­vice­the­ke arbei­ten, erzähl­te ihr Chef.

Die­ser lei­det selbst nach wie vor unter der Tat, er schaue sich mehr­fach um, wenn er abends als letz­ter die Bank ver­las­se. Und jedes­mal, wenn er im Büro sit­ze und es im Schal­ter­raum laut wer­de, schie­ße ihm der Gedan­ke an einen wei­te­ren Bank­über­fall durch den Kopf. Immer­hin wur­de die klei­ne Bank auf dem Sul­gen schon ein­mal Opfer eines Bank­über­falls. Und das mache schon Angst, „wer weiß, ob da nicht mal einer schießt!”, so der Fili­al­lei­ter.

Am 27. Juli wird der  Pro­zess fort­ge­setzt.