Bent Liebrich (rechts) erläutert im Gemeinderat die Probleme mit den Stellplätzen bei einer dreigeschossigen Bebauung. Foto: him

SCHRAMBERG –  Mit genau einer Stim­me Mehr­heit hat der Gemein­de­rat beschlos­sen, dass im Neu­bau­ge­biet Berg­a­cker IV in Ten­nen­bronn künf­tig auch drei Voll­ge­schos­se zuläs­sig sein sol­len. Auch die Begren­zung auf zwei Woh­nun­gen je Gebäu­de soll ent­fal­len.

In der Dis­kus­si­on um den Bebau­ungs­plan für das Neu­bau­ge­biet ent­spann sich eine leb­haf­te Debat­te um städ­te­bau­li­che Aspek­te, die Stell­platz­pro­ble­ma­tik und die Grund­stücks­ver­mark­tung einer­seits und den Wohn­raum­man­gel, den Flä­chen­ver­brauch und Frei­hei­ten für die Bau­her­ren ande­rer­seits.

Der Ver­wal­tungs­vor­schlag sah vor, Grund­stü­cke für klas­si­sche Ein­fa­mi­li­en­häu­ser mit zwei Voll­ge­schos­sen und maxi­mal zwei Woh­nun­gen zuzu­las­sen. Schon im Aus­schuss für Umwelt und Tech­nik war der Wunsch nach mehr Wohn­flä­che je Grund­stück auf­ge­kom­men. Stadt­pla­ner Bent Liebrich erklär­te, dass die Grund­flä­chen­zahl 0,4 für den all­ge­mei­nen Woh­nungs­bau vor­ge­schrie­ben ist und im Para­graf 13 b‑Verfahren nicht erhöht wer­den kön­ne.

Monsterbauten oder Flächen schonen?

Er zeig­te an Hand einer Gra­fik auf, dass eine drei­ge­schos­si­ge Bau­wei­se an der Stra­ße „Am Son­nen­berg“ wegen der Hang­la­ge dazu füh­ren wür­de, dass vier Geschoss­se sicht­bar wären. „Das wür­de dem Cha­rak­ter des Bau­ge­bie­tes nicht mehr ent­spre­chen.“ Auch die Stell­platz­fra­ge wür­de schwie­rig zu lösen sein, wenn deut­lich mehr Bewoh­ner je Grund­stück dort woh­nen  wür­den.

Drei Geschos­se oben wären sehr mäch­tig. Am Ratstisch(von links): Fach­be­reichs­lei­ter Uwe Weis­ser, OB Tho­mas Her­zog, Pro­to­kol­lant Rai­ner Bern­hard und Bent Liebrich. Foto: him

Bernd Rich­ter (ÖDP) for­der­te, man müs­se end­lich umden­ken und so wenig Neu­land als mög­lich ver­brau­chen und plä­dier­te des­halb für drei Stock­wer­ke.

Fach­be­reichs­lei­ter Rudolf Mager wies auf die eher klei­nen Grund­stücks­grö­ßen hin. „Wir kön­nen im Berg­a­cker nicht alles, was frü­her falsch gelau­fen ist, hei­len.“ Er emp­fahl, im Kern­ort ver­dich­tet zu bau­en.

Uli Bauknecht (CDU) warn­te vor „Mons­ter­bau­ten“. Er schlug vor, die Begren­zung auf zwei Woh­nun­gen auf­zu­ge­ben. So kön­ne auch bei nur zwei Stock­wer­ken mehr Wohn­raum geschaf­fen wer­den. Patrick Fleig (CDU) warn­te, man dür­fe den Pla­nungs­pro­zess nicht in die Län­ge zie­hen. Sein Frak­ti­ons­spre­cher Cle­mens Mau­rer beton­te, sei­ne Frak­ti­on habe immer für Frei­heits­gra­de gestrit­ten, man müs­se aber den Bedarf sehen und der sei eben ein ande­rer. „Der Köder muss dem Fisch schme­cken und nicht dem Ang­ler“, zitier­te er den frü­hen Chef von RTL Hel­mut Tho­ma. „Wir gehen von 13 Fami­li­en als Ziel­grup­pe aus.”

Josef Gün­ter (SPD-Bunt­specht) plä­dier­te für „offen hal­ten. Vie­le Gege­ben­hei­ten ändern sich.“ Nie­mand müs­se drei Geschos­se bau­en. Ande­rer­seits such­ten vie­le jun­ge Fami­li­en in Ten­nen­bronn eine Miet­woh­nung. Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Her­zog sah bei der Ver­mark­tung Schwie­rig­kei­ten, wenn drei Eta­gen erlaubt wer­den. Udo Neu­deck (Freie Lis­te) warb für Frei­heit: „Soll jeder bau­en, wie er will.“

Nach­dem geklärt war, dass eine Ände­rung vor der Offen­la­ge des Bebau­ungs­plans  kei­ne Ver­zö­ge­rung bräch­te, ließ Her­zog über den Antrag von Bernd Rich­ter, drei Stock­wer­ke, kei­ne Begren­zung bei der Zahl der Woh­nun­gen, abstim­men. Dafür stimm­ten 13 Räte, 12 votier­ten dage­gen und zwei ent­hiel­ten sich der Stim­me.

Mit die­ser Ände­rung wird nun der Bebau­ungs­plan öffent­lich aus­ge­legt. Dann wer­den die ein­ge­gan­ge­nen Anre­gun­gen geprüft, und schließ­lich wird der Rat den Plan wohl im Herbst ver­ab­schie­den. Im kom­men­den Jahr könn­te dann die Erschlie­ßung erfol­gen und 2021 die ers­ten Häu­ser gebaut wer­den.