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Donnerstag, 6. August 2020
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    Blinder Läufer Matthias Meier startet erstmals beim Tria-Team-Run

    Bei der Handicap-Runde als Teil des Teams der Stiftung St. Franziskus Heiligenbronn dabei

    Beim Laufen hat Matthias Meier schon einige Wettkampferfahrung, stand bereits einmal auf dem dritten Platz des Siegertreppchens. Nun misst sich der Blinde beim Tria Team-Run in Schramberg erstmals mit Läufern, die ebenfalls eine Behinderung haben. Gemeinsam mit seinem Laufpartner Martin Schneiderhan startet er am 14. September bei der Handicap-Runde als Teil des Teams der Stiftung St. Franziskus Heiligenbronn, wie es in einer Pressemitteilung heißt.

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    Wenige Tage vor dem Schramberger Team-Run sind Matthias Meier und Martin Schneiderhan aufgeregt. Schließlich ist es das erste Mal, dass sich beide an einem Lauf für Menschen mit Behinderung beteiligen. Auch die Streckenlänge von 1,5 Kilometern ist neu für das eingespielte Laufteam. Gewohnt sind sie Wettkampfläufe von sechs bis zehn Kilometern Länge, bei denen Sehende gegeneinander antreten. Nach 2000 Metern seien sie gerade mal warmgelaufen, sagt Schneiderhan. „Das wird wirklich spannend, da müssen wir ordentlich Gas geben und uns vorher gut einlaufen“, erklärt er seine Taktik.

    Maier und Schneiderhan laufen seit mehreren Jahren gemeinsam. Beide eint die Freude an der Bewegung in Natur und Wald. „Die Luft dort ist einfach herrlich, das gefällt uns beiden gut“, erläutert Schneiderhan ihre Motivation. Erstmals getroffen haben sie sich beim wöchentlichen Lauftreff in Waldmössingen, wo Maier damals mit einem anderen Partner trainierte. Als dieser sich verletzte und ausfiel, übernahm Schneiderhan die Rolle des Begleiters für den Läufer ohne Sehvermögen. Immer wieder nehmen allerdings auch andere aus der Gruppe Meier an die Hand. Das sorge für Abwechslung.

    Was für Sehende nur schwer vorstellbar ist – blind über Stock und Stein zu rennen – ist für Meier Alltag. Seine Augen können zwar Dinge sehen, sein Gehirn aber kann diese Bilder nicht verarbeiten. Er gilt deshalb als blind. Wenn Meier auch Übung im Freilandspurten hat, so bleibt ein Waldlauf für ihn eine anspruchsvolle Aktivität mit gewissen Risiken. Straucheln über Wurzeln oder Unebenheiten bleibt da nicht aus. Doch der 37-Jährige hatte bis dato Glück: Ein paar kleinere Blessuren und ein Ellenbogenbruch ist die Bilanz seiner Stürze. Schneiderhan bestätigt das: „Bisher sind wir gut davon gekommen, wenn man vom Sturz beim Firmenlauf in VS-Schwenningen vor einem Jahr absieht“, fasst der 44-Jährige die Erfahrungen von mehrmaligen wöchentlichen Trainings und vier gemeinsam erlebten Wettkämpfen zusammen.

    Schneiderhan und Meier verbringen aber nicht nur einen Teil ihrer abendlichen Freizeit Seite an Seite, sie verbindet auch der gemeinsame Arbeitgeber. Seit elf Jahren arbeitet der Waldmössinger Schneiderhan als Techniker bei der Stiftung St. Franziskus Heiligenbronn. Meier lebt in der Wohngruppe St. Johann in Heiligenbronn, wo der gebürtige Obersimonswälder im Förder- und Betreuungsbereich Theresa arbeitet.

    Dem gemeinsamen Start in Schramberg sehen die zwei Männer leicht nervös entgegen: „Die Aufstellung bei den bisherigen Wettkämpfen war immer etwas anstrengend, weil die Mitläufer alle Stöcke haben“, erklärt Schneiderhan. „Wir achten nun darauf, immer weit vorne zu stehen, wir sind sowieso schneller“, fügt er schmunzelnd hinzu. „Beim AOK-Firmenlauf in Sulz haben wir Ende Juli alle überholt, obwohl wir recht weit hinten standen. Das war unser bisher schönster Lauf.“

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    Doch in Schramberg sind die Startbedingungen neu. Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen treten dort gegeneinander an. Das ist ungewohnt für das Duo. Dennoch haben sie sich bewusst für den Handicap-Run entschieden. „Ich wollte mich einmal mit Behinderten beim Laufen messen, das hatte ich bisher noch nicht“, erklärt Meier ihre Überlegungen. „Ich freue mich, wenn wir in Schramberg sturzfrei durchkommen und einen guten Platz erreichen“, so seine Hoffnung. Deutlich optimistischer ist sein Begleiter: Er sieht beide im ersten Drittel, „vielleicht ist auch mehr drin“. Doch wichtig ist den beiden Läufern, einfach mitzumachen, die Atmosphäre mit Musik und begeisterten Zuschauern zu genießen. Und die Gemeinschaft mit den Mitläufern: „Die spornen uns immer an, dann läuft es gleich noch besser.“

    Maier und Schneiderhan sind Teil eines größeren Teams der Stiftung St. Franziskus Heiligenbronn, das am Samstag in unterschiedlichen Kategorien antritt. Die Stiftung unterstützt ihre Mitarbeiter durch die Finanzierung des Startgeldes und freut sich über jeden, der sich am Lauf beteiligt. Auf Anregung der Stiftung hin richtete der veranstaltende Verein Tria Schramberg auch den Handicap-Run für Menschen mit Behinderung ein. Alle Teilnehmer am diesjährigen Tria Team-Run starten am kommenden Samstag ab 13.30 Uhr auf dem ehemaligen Junghans-Gelände in der Schramberger Geißhalde. Zusammen mit der Szene 64 wird vor, während und nach dem Lauf für Partystimmung gesorgt sein.

     

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