13.7 C
Landkreis Rottweil
Montag, 24. Februar 2020

Carl Haas: Ein Unternehmen im Umbau

OB Herzog besichtigt neuen Reinraum / Siegel „bester Arbeitgeber 2017“ für Sulgener Unternehmen

SCHRAMBERG (him) – Unternehmensumbau, sowohl ganz praktisch als auch im übertragenen Sinne – das beschäftigt den Geschäftsführer von Carl Haas Dr. Thorsten Gerberich, seit er bei der Kern-Liebers Tochter angefangen hat. Bei einem Besuch von Schrambergs Oberbürgermeister Thomas Herzog und Wirtschaftsförderer  Manfred Jungbeck machte er das ein ums andere Mal deutlich.

Anlass für den Besuch war ein neuer Reinraum. Den hat das Unternehmen in der großen Werkhalle auf dem Lienberg eingebaut. Auf knapp 200 Quadratmeter Fläche fertigen die Mitarbeiter nun unter besonderen Bedingungen Teile für die Medizintechnik: „In unserem Reinraum holen wir nicht nur Partikel sondern auch Keime aus der Luft“, erläutert Gerberich eine der Besonderheiten. Dies sei für die Medizintechnik wichtig. Der für die Medizintechnik verantwortliche Manager Uwe Stoll ist stolz auf den neuen Reinraum.

Blick in den vollklimatisierten Reinraum.

Aber auch die Herstellerfirma nutze ihn inzwischen als Referenzobjekt. Haas hat sich auf Führungsdrähte spezialisiert, die in der minimal-invasiven Chirurgie gebraucht werden. Etwa beim Einsetzen von Stents bei Herzinfarktpatienten. Aber auch Steinfangkörbchen für die Urologie  werden hier gefertigt.

„Operation am offenen Herzen“

Der Umbau der Werkshalle sei ähnlich wie ein Tetris-Spiel gewesen, erzählt Gerberich: Man habe die verschiedenen Maschinen und Arbeitsplätze auf dem Papier hin und her geschoben, bis es passte. Der eigentliche Einbau erfolgte, während nebenan die Produktion weiterlief. „Das war wie eine Operation am offenen Herzen…“

Auch in den anderen Bereichen ordnete Gerberich die Produktion neu, sodass sich die Mitarbeiter gegenseitig besser unterstützen können. Außerdem ließ er neue LED-Leuchten installieren und das Kabelgewirr unter der Hallendecke ordnen. Das Ganze sei in einem dreiviertel Jahr über die Bühne gegangen, erläuterte er den staunenden Gästen.

Thorsten Gerberich erläutert OB Herzog die Arbeitsweise eines Produktionsautomaten. Fotos: him

Eine weitere Baustelle ist die neue Abteilung Industrial Engineering, die Gerberich derzeit einrichtet. Sie soll die tragende Säule im Unternehmen werden, wenn sie in etwa fünf Jahren vollständig arbeitet. All diese Investitionen seien nur dank des Mutterkonzerns Kern-Liebers zu stemmen gewesen, versichert Gerberich. „Allein wäre das nicht machbar, so viel zu investieren.“

Neue Werte

Neben den Umbauten in der Produktion hat sich Gerberich vorgenommen, auch in den Köpfen einen Umbau zu bewerkstelligen: „Wertorientierte Führung“ nennt er das. 230 Rädchen sollten sich im Gleichklang drehen. Die Mitarbeiter sollen eigenmotiviert auf ein gemeinsames Ziel hinwirken. An dieser Wertorientierung arbeite man mit allen Führungskräften und dem Betriebsrat. „Wir schenken dem Personalwesen wieder mehr Beachtung.“ Auf einer großen Tafel in der Werkhalle sind diese Werte und entsprechende Verhaltensweisen festgehalten. Viele Mitarbeiter haben mit ihrer Unterschrift bestätigt, dass sie damit übereinstimmen.

Der Umbau scheint zu wirken. Das Unternehmen wächst nämlich wieder. Insgesamt beschäftigt Carl Haas nun etwa 240 Leute, etwa 150 davon in Schramberg. „Wir hatten auch schon andere Schlagzeilen“, erinnert Stoll. Gute Leute zu finden, werde immer schwerer. Deshalb müsse auch das Umfeld stimmen. Schramberg sei „eine attraktive Gegend“, versicherte OB Herzog, „und dazu leisten wir als Stadt unseren Beitrag.“

Preiswürdig

Der Umbau beim Personalwesen hat sich nun bei einem Wettbewerb schon ausgezahlt. Das Unternehmen erhält das Siegel „bester Arbeitgeber 2017“. An dem Wettbewerb hätten sich etwa 600 Unternehmen beteiligt und Carl Haas landete auf dem siebten Platz. Darauf ist Gerberich besonders stolz.

 

Mehr auf NRWZ.de