Christo – persönliche Erinnerungen einer Schrambergerin

Christo – persönliche Erinnerungen einer Schrambergerin

SCHRAMBERG  (him) –  Die Nachricht dass der Künstler Christo gestorben ist, hat bei Bärbel von Zeppelin aus Schramberg tiefe Betroffenheit ausgelöst. Seit anderthalb Jahrzehnten war von Zeppelin eine große Verehrerin von Jeanne-Claude und Christo. In wenigen Tagen wäre der „Verpackungskünstler“ 85 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass hatte von Zeppelin  einen Erinnerungsbogen gestaltet, den sie Christo schicken wollte.

Daraus entnehmen wir einige Informationen und Textpassagen für einen ganz persönlichen Nachruf: Anfang Februar 2005 war von Zeppelin  zum ersten Mal in New York. „Durch Zufall – war es Zufall? – begann in diesen Tagen der Aufbau der Gates von Christo und Jeanne-Claude.

Erste Begegnung in New York 2005

Eine „zufällige“ Begegnung mit den beiden hat mich so sehr beeindruckt, dass ich am 26./27. Februar 2005  für e i n e n Tag nach New York gedüst bin, um ‚The Gates‘ sehen zu können.“

Damals habe sie ein kurzes Video gedreht, um die ganze Pracht in Bewegung, in den tollsten Schattierungen aufnehmen zu können. „Ein prägendes Erlebnis und der Beginn meiner Begeisterung für Christo und Jeanne-Claude.“

An Ostern 2007 plante sie eine weitere Reise zu Freunden in New York und fragte bei Christo und Jeanne-Claude an, ob sie wohl die beiden in ihrem Atelier in der Howard Street besuchen dürfe. Damals  plante das Künstlerpaar das Projekt “Over The River“. Sie durfte und am Ende ihres Besuchs schenkte Christo der Schrambergerin zwei Fotobücher mit seinen Projekten, handsigniert von ihm und Jeanne-Claude.

Bärbel von Zeppelin bei einer Signierstunde mit Christo. Foto: privat

 

Dann erhielt sie die traurige Nachricht vom Tod von Jeanne Claude im November 2009. Die nächste Begegnung war  im Frühsommer 2010, als Christo im Zusammenhang mit seiner Ausstellung im Max Ernst Museum in Brühl “Wrapped” das Buch “Christo and Jeanne-Claude – Grenzverlegung der Utopie” von Werner Spies vorstellte, um an Jeanne-Claude und die Projekte zu erinnern. die die beiden in vier Jahrzehnten zusammen umgesetzt hatten.

Fotos: bvz

Es folgte im Jahr  2013 „Christo Big Air Package“ im  Gasometer Oberhausen. Das Projekt “The Floating Piers” am Lago d’Iseo vom 18. Juni bis 3. Juli 2016 habe „besonders viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen“, erinnert sich von Zeppelin, die selbstverständlich dort war. Anlässlich der  Berlinale 2017 war Christo am 12. Februar im HAU-(Hebbel am Ufer) Theater und von Zeppelin natürlich auch vor Ort.

Foto: bvz

„Ein unbeschreibliches Farbenspiel, je nach Tageszeit und Sonnenstand, insbesondere vom Wasser – per Tretboot – aus gesehen“, war für von Zeppelin dann das Projekt im Juni 2018 „London Mastaba“ auf dem Lake Serpentine. Als Christo einen danach erschienen Bildband mit dem Titel „Christo and Jeanne-Claude Barrels and The Mastaba 1958-2018“ in Berlin signierte, war von Zeppelin ebenfalls vor Ort, um sich das Werk in Berlin von Christo signieren zu lassen.

Bärbel von Zeppelin bei einer Signierstunde mit Christo. Foto: privatAm 11. April 2019 feierte der Dokumentarfilm “Christo Walking on Water“  Premiere in Berlin. „Hier hatte ich, wie sich jetzt herausstellt – die letzte Gelegenheit – meinen Bildband ‚The Gates‘ von 2005 signieren zu lassen.“

Filmankündigung.

Danach hat sie es geschafft, das Subiaco  für den Film zu begeistern und Ende September war der Streifen in Schramberg, Alpirsbach und Freudenstadt zu sehen.

Nun ist Christo Ende Mai in New York gestorben und wird sein Projekt in Paris „L’Arc De Triomphe Wrapped“  persönlich nicht mehr eröffnen können. Es soll dennoch im kommenden Jahr noch umgesetzt werden.

Bärbel von Zeppelin hatte zu Wolfgang Volz engen Kontakt, dieser hatte ihr 2005 die Adresse der Künstler gegeben und war ihr auch später beim Kontaktieren behilflich. Wolfi Volz, wie Christo ihn nannte,  sei seit Jeanne-Claudes Tod fast immer an seiner Seite gewesen.

Der Kontakt zu Volz sei  die Basis für eine recht rege Kommunikation vor allem mit Jeanne-Claude gewesen.

Foto: pm

Nach deren Tod im November 2009 habe sie den Kontakt zu Christo aufrecht  erhalten und die eine oder andere Einladung zu besonderen Anlässen  bekommen. Von Zeppelin war dann hauptsächlich bei Ausstellungen, Vorträgen und besuchte seine Projekte.

Am 31. Mai dann die nicht nur Bärbel von Zeppelin „ erschütternde Nachricht“ von seinem Tod: „Möge er ruhen in Frieden, das wünsche ich mir sehr.“

Nachtrag: Im Internet findet sich ein Zeitrafferfilm der „Floating Piers“, einer Schulfreundin von Bärbel von Zeppelin, den Link dazu hat sie uns noch geschickt.

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Quelle: NRWZ.de – veröffentlicht am 3. Juni 2020 von Martin Himmelheber (him). Erschienen unter https://www.nrwz.de/schramberg/christo-persoenliche-erinnerungen-einer-schrambergerin/265588