Der schönste deutsche Fußballplatz“

Vor 60 Jahren wurde das Schwarzwaldstadion im Raustein eingeweiht

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Die erste Postkarte des neuen Rausteinsportplatzes in SchrambergFoto: Franz Kasenbacher (Stadtarchiv Schramberg)

Der Rau­steins­port­platz in Schram­berg wur­de in sei­ner Blü­te­zeit von Sepp Scher­bau­er als schöns­ter deut­scher Fuß­ball­platz gefei­ert. Mor­gen ist es 60 Jah­re her, dass das beein­dru­cken­de Schwarz­wald­sta­di­on mit einem gro­ßen Fest ein­ge­weiht wur­de.

Der bekann­te Sport­jour­na­list aus Reut­lin­gen kam damals zu einer gro­ßen Repor­ta­ge über die Fünf­tä­ler­stadt Schram­berg und ihre Spiel­ver­ei­ni­gung 08, die in der Zeit­schrift „Der Fuß­ball­trai­ner“ 8 (1959) erschie­nen ist. Der ehe­ma­li­ge Schram­ber­ger Her­mann Rei­chert, der heu­te in Walds­hut-Tien­gen lebt, aber sich als Schult­heiß der Bür­ger­ver­ei­ni­gung Frei­amt Tös nach wie vor für sei­ne alte Hei­mat­stadt enga­giert, hat das wert­vol­le Zeit­zeug­nis im letz­ten Jahr dem Stadt­ar­chiv Schram­berg über­las­sen.

Das Ber­neck­tal erschien Sepp Scher­bau­er mit sei­nem Ensem­ble aus Ber­neck­sport­platz, Frei­bad, Eis­lauf- und Roll­schuh­platz, Schüt­zen­haus und Rau­steins­port­platz als ein wah­res „Sport­tal“ der Fünf­tä­ler­stadt des Schwarz­wal­des. Am meis­ten begeis­ter­te ihn der in die­ser Zeit gebau­te Rau­steins­port­platz: „Ein­ge­bet­tet in dicht bewal­de­te Ber­ge prä­sen­tiert sich die­ses Klein­od als ein wah­res Sport­ler­pa­ra­dies […] aber, ver­ehr­te Leser, fah­ren Sie selbst ins Ber­neck­tal und schau­en Sie sich die­sen schöns­ten deut­schen Fuß­ball­platz an.“

Das Ehrenbuch

Das „Ehren­buch“ des Rau­steins­port­plat­zes, gestif­tet von Bür­ger­meis­ter Dr. Kon­stan­tin Hank, in dem alle Spen­der ver­zeich­net wur­den Foto: Schüt­zen­ge­sell­schaft Schram­berg 1564

Im Schüt­zen­haus wird bis heu­te ein beson­de­rer Zeit­zeu­ge aus der Geschich­te des Rau­steins­port­plat­zes ver­wahrt. Es han­delt sich um ein „Ehren­buch“ in wein­ro­tem Ein­band, das von dem dama­li­gen Bür­ger­meis­ter Kon­stan­tin Hank (1907–1977) gestif­tet wur­de, um die Geschich­te des „Wald­sport­plat­zes Rau­stein über dem Ber­neck­tal in Schram­berg“ der Nach­welt zu über­lie­fern. Ehren­ober­schüt­zen­meis­ter Hubert Dold hat es zum 60. Geburts­tag des Rau­steins­port­plat­zes dem Stadt­ar­chiv Schram­berg zugäng­lich gemacht und damit den Anstoß für einen Rück­blick auf sei­ne Geschich­te gege­ben.

Bür­ger­meis­ter Dr. Kon­stan­tin Hank bei der Ein­wei­hung des Rau­steins­port­plat­zes am 31. Mai 1958 Foto: Franz Kasen­ba­cher (Stadt­ar­chiv Schram­berg)

Der Bau des Schwarz­wald­sta­di­ons war das ers­te gro­ße Pro­jekt in sei­ner zwan­zig­jäh­ri­gen Amts­zeit von 1954 bis 1974, in der durch sein her­aus­ra­gen­des Kön­nen in der Ent­wick­lung der Stadt gro­ße Fort­schrit­te erreicht wur­den, die Schram­berg schließ­lich auch zum 1. Janu­ar 1972 in die Grup­pe der Gro­ßen Kreis­städ­te des Lan­des Baden-Würt­tem­berg auf­stei­gen lie­ßen. In der Mit­te der 1950er-Jah­re hat­te auch in der Indus­trie­stadt Schram­berg ein Jahr­zehnt nach dem Zwei­ten Welt­krieg das „Wirt­schafts­wun­der“ der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land begon­nen, mit des­sen Kraft zahl­rei­che Pro­jek­te rea­li­siert wer­den konn­ten, wel­che die ört­li­che Infra­struk­tur und das städ­ti­sche Anse­hen mit beacht­li­chem Erfolg ver­bes­ser­ten. Der Rau­steins­port­platz galt damals auch als Zei­chen, „dass Schram­berg aus sei­ner Resi­gna­ti­on her­aus­ge­fun­den hat.“

Die­ses Werk möge zukünf­ti­gen Genera­tio­nen zei­gen, was Gemein­schafts­sinn und Lie­be zur Hei­mat­stadt ver­mag“, hat Bür­ger­meis­ter Kon­stan­tin Hank in die­sem „Ehren­buch“ der Nach­welt hin­ter­las­sen. Der heu­ti­ge Leser ist von dem mitt­ler­wei­le weit­ge­hend ver­schwun­de­nen Idea­lis­mus der Stadt, ihrer Fir­men und ihrer Bür­ger in der Tat beein­druckt. „Im gemein­schaft­li­chen Zusam­men­wir­ken aller Bevöl­ke­rungs­krei­se“ ent­stand von 1955 bis 1958 eine weit­hin ein­ma­li­ge Sport­an­la­ge, deren Kos­ten zu einem Drit­tel von der ein­hei­mi­schen Wirt­schaft auf­ge­bracht wur­de. Die Spen­der aus der ört­li­chen Indus­trie wur­den von den Uhren­fa­bri­ken Gebrü­der Jung­hans AG ange­führt. Den Vor­sitz des För­de­rungs­aus­schus­ses über­nahm Direk­tor Arthur Jung­hans (1903–1998) vom Stadt­ver­band für Lei­bes­übun­gen, Gene­ral­di­rek­tor und Ehren­bür­ger Hel­mut Jung­hans (1891–1964) den Ehren­vor­sitz.

Die zweite Sportstätte

Über den Bau einer zwei­ten Sport­an­la­ge wur­de in Schram­berg mit sei­nen damals etwa 3000 akti­ven Sport­lern und etwa 3000 Schü­lern schon lan­ge dis­ku­tiert. Ein Gut­ach­ten der Bau­be­ra­tungs­stel­le des würt­tem­ber­gi­schen Lan­des­sport­bun­des kam 1954 zu dem Ergeb­nis, dass der 1924 ein­ge­weih­te Ber­neck­sport­platz nicht das für Ver­bands­spie­le erfor­der­li­che Maß auf­wei­sen kön­ne und des­halb „für den Sport­be­trieb voll­stän­dig unzu­rei­chend“ sei. Am 3. Febru­ar 1955 wur­de der aller­dings nicht unum­strit­te­ne Rau­steins­port­platz vom Gemein­de­rat grund­sätz­lich beschlos­sen und am 28. Okto­ber 1955 mit dem Bau begon­nen.

Das Gelän­de wur­de von Graf Ehren­bür­ger Cajetan von Bis­sin­gen und Nip­pen­burg (1870–1956) und sei­nem Nef­fen Graf Franz von Bis­sin­gen und Nip­pen­burg (1892–1970) gekauft. Für die Schaf­fung der Sport­an­la­ge waren rie­si­ge Erd­be­we­gun­gen erfor­der­lich. Die Kos­ten galop­pier­ten davon und erhöh­ten sich von den ursprüng­lich ange­nom­me­nen 300.000 DM auf schließ­lich 607.292 DM bei der End­ab­rech­nung.

Der Rau­steins­port­platz wird wei­ter­hin genutzt – wenn auch deut­lich weni­ger, seit der Ber­neck­sport­platz einen Kunst­ra­sen hat. Archiv-Foto: him

Zur Eröff­nung des Wald­sport­plat­zes wur­de – auch als Höhe­punkt der Jubi­lä­en „100 Jahr Tur­ner­schaft Schram­berg“ und „50 Jah­re Spiel­ver­ei­ni­gung 08“ – am 31. Mai 1958 ein glanz­vol­les Fest ver­an­stal­tet. In der fah­nen­ge­schmück­ten Stadt sam­mel­te sich ein gro­ßer Fest­zug aus allen ört­li­chen Sport­ver­ei­nen und Schu­len, die vor 2000 Zuschau­ern ein bun­tes Pro­gramm zeig­ten. Die sport­li­chen Höhe­punk­te waren ein Hand­ball­spiel zwi­schen der Tur­ner­schaft Schram­berg 1858 und dem Turn­ver­ein Frei­burg-Zäh­rin­gen sowie ein Fuß­ball­spiel zwi­schen der Spiel­ver­ei­ni­gung 08 Schram­berg und dem 1. FC Frei­burg.  Bür­ger­meis­ter Kon­stan­tin Hank wur­de als ers­ter mit der erst­mals  ver­lie­he­nen Gol­de­nen Pla­ket­te des Stadt­ver­ban­des für Lei­bes­übun­gen geehrt.

Auf dem Rau­steins­port­platz spiel­ten dann nam­haf­te deut­sche und aus­län­di­sche Clubs wie der 1. FC Nürn­berg, der HSV, der VfR Mann­heim und die Wald­hof-Buben, die Young-Fel­lows aus Zürich und die Miner­va Bern. Mitt­ler­wei­le ist es auf dem einst­mals „schöns­ten deut­schen Fuß­ball­platz“ jedoch so ruhig und still gewor­den, dass 60 Jah­re spä­ter mit sei­ner Zukunft eini­ge Fra­ge­zei­chen ver­bun­den sind.

Nicht mehr ganz zeit­ge­mäß: die Duschen. Stadt­rat Emil Rode bei einem Orts­ter­min des Gemein­de­rats im März 2017. Archiv-Foto: him

 

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