Die Geschichte des Oberlehofs

Die Geschichte des Oberlehofs

Da das Heimathaus wegen der Coronapandemie nun schon viele Wochen geschlossen bleiben muss versucht die Heimathausgruppe unter der Rubrik „Forum Heimathaus – Geschichtsspuren unserer Heimat“ “ Beiträge zur Tennenbronner Vergangenheit zu veröffentlichen.

In den nächsten drei Folgen hat Alfred Kunz unter der Überschrift „Vererbt, vertauscht, verkauft, verschwunden“ die Geschichte der Schwarzenbacher beziehungsweise Schachenbronner Höfe des Oberlehofes, des Jungbauernhofes und des Hansmichhelhofes aufgearbeitet. Zwei dieser Höfe sind an ihren ursprünglichen Standorten verschwunden, wurden aber an anderer Stelle in Tennenbronn beziehungsweise St. Georgen wieder aufgebaut. Der dritte Hof wurde 2008 beispielhaft renoviert und steht heute als besonderes Schmuckstück im oberen im Schachenbronn.

Der Oberlehof im Schwarzenbachtal

Zu den interessantesten Kapiteln der Tennenbronner Hofgeschichte gehört das Schicksal jener Bauernhöfe, die einst zu den Großen der Region gezählt haben, die aber irgendwann aus der Tennenbronner Landschaft verschwunden sind. Noch heute kennt man ihre Namen. Zur Reihe dieser legendären Höfe gehört auch der abgegangene Oberlehof im Schwarzenbach:

Die Geschichte des Oberlehofes reicht weit zurück. Nach dem Ende der Ramstein-Falkensteiner Zeit im oberen Schiltachtal gehörte er als württembergischer Lehenshof zum hornbergischen Stab Tennenbronn. Das Hornberger Lagerbuch, das aus dem Jahr 1591 stammt, gibt Auskunft. Demnach gehörten zu diesem Hof im Schwarzenbach eine Behausung mit Scheuer und Speicher, eine Hausmahlmühle, Wiesen, Äcker, Wald. Über den Winter waren 20 Stück Vieh zu erhalten. Zu Martini hatte der Hof an die württembergische Herrschaft auf Schloss Hornberg jährlich 19 Schilling an Geld, 4 Simmri (Körbe) Hafer, 2 Stück Fasnachtshühner, 4 Stück Sommerhühner, 4 Laib Käse und 2 Sohm (Ballen) Heu zu liefern. Beim Generationenwechsel auf dem Hof waren zusätzlich 2 Fälle (= die 2 besten Stück Vieh ) zu geben.

Ein Vergleich des alten Lagerbuchs mit späteren Lagerbucherneuerungen zeigt, dass sich über Jahrhunderte hinweg auf dem Oberlehof nicht viel verändert hat. Die Angaben 1716 stimmen fast wörtlich überein mit denen, die schon 1591 gegolten haben. Der frühest bekannte Eigentümer des Oberlehofes zu Beginn des 16. Jahrhunderts ist Ehrhard im Schwarzenbach. Seine Nachfolger waren um 1591 herum Bastian Weisser, nach ihm Thomas Haas, dann Hans Schilling. Im 18. Jahrh. lebten auf dem Hof mehrere Generationen Aberle, beginnend mit Endris Aberle („Oberle“), dem Namensgeber des Hofes.

Wechselhafte Geschichte

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kaufte der aus dem Grafenloch stammende Georg Hildebrandt das Anwesen. Dessen Tochter Anna Maria heiratete 1827 den Großbauernsohn aus dem unteren Schachenbronn Hansmichel Müller. Dieser war viele Jahre lang Bauer im Oberlehof, wurde dann Bürgermeister von Ev. Tennenbronn (1844 – 1851) und war ab 1852 Löwenwirt im Dorf. Nach und nach tauchen in der Liste der Eigentümer durch Einheirat oder Verkauf neue Namen auf. Kleinere Teile des Hofs wurden für den Bau von Taglöhnerhäusern abgetrennt. Dies änderte sich um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Damals reihten sich Ereignisse aneinander, die schließlich zum Ende des traditionsreichen Hofes führten.

Nach dem frühen Tod des Tennenbronner Löwenwirts Michel Langenbacher im Sommer des Jahres 1851 wurde vom damaligen Bürgermeister Christian Storz die Zwangsversteigerung des Löwen-Anwesens angeordnet. Als diese am 15. Januar 1852 stattfand, war es der Oberlehofbauer Hansmichel Müller, der den Löwen ersteigerte. Er bekam den Zuschlag für 8030 Gulden, musste aber alle auf dem Hof liegenden Verbindlichkeiten übernehmen. Da er schon vor dem Kauf des Löwen durch seine vorausgegangene Tätigkeit als Bürgermeister ein angesehener Mann war, sollte der mit dem Wechsel vom Schwarzenbach in den Löwen verbundene soziale Aufstieg nicht der Grund gewesen sein, sich auf dieses teure Immobiliengeschäft einzulassen.

Möglicherweise sah er sich als ehemaliger Bürgermeister verpflichtet, dafür zu sorgen, dass der traditionell evangelische Löwen nicht in katholische Hände kam. Die Witwe des verstorbenen Wirts, Helene Hils, war katholisch. Was immer das Motiv des Hansmichel Müller gewesen ist, sein Weggang aus dem Schwarzenbach brachte einen Stein ins Rollen, der zum Niedergang und letztendlich zum Verschwinden des Oberlehofes führte.

Schulden

Man kann davon ausgehen, dass sich Hansmichel Müller Geld leihen musste, um den Löwenhof – einen der größten Höfe Tennenbronns – ersteigern zu können. Sein Hof im Schwarzenbach, wurde entsprechend belastet. Hansmichels Tochter Barbara und deren Ehemann Johann Hildbrandt, die in der Nachfolge des Hansmichel den Oberleshof bewirtschafteten, bekamen dies in den folgenden Jahren zu spüren. Die Verhältnisse auf dem Hof im Schwarzenbach, die generell nicht einfach waren, verschlimmerten sich, als im September 1854, zwei Jahre nachdem er Löwenwirt geworden war, Barbaras Vater Hansmichel Müller und wenig später Barbaras Ehemann Johann Hildbrandt verstarben. Die Witwe, eine 24 jährige Frau mit zwei minderjährigen Kindern, blieb alleine auf dem Hof zurück. Sobald es ihr nach Ablauf des Trauerjahrs möglich war, heiratete sie Christian Weisser, den Sohn des Altbürgermeisters Gottlieb Weisser aus dem Kirnbach.

In der Folge bewirtschafteten Barbara und ihr zweiter Mann Christian fast 10 Jahre lang den Oberlehof. Dann aber folgte der Umbruch. Wie es dazu kam, ist unklar. Waren es wirtschaftliche Schwierigkeiten, mit denen der Hof zu kämpfen hatte oder waren andere Gründe ausschlaggebend? Fakt ist: Laut dem Grundbuch der Gemeinde Ev. Tennenbronn tauschten Christian Weisser vom Oberlehof und Georg Heinzmann, Eigentümer des benachbarten Jungbauerhofs, am 17. Februar 1864 ihre Höfe.

Wenige Jahre später, im August 1866 beziehungsweise im November 1871 verkauften beide Bauern ihre Höfe an die Evangelische Stiftungsverwaltung, was das Ende der beiden bäuerlichen Betriebe bedeutete. Die landwirtschaftlichen Flächen wurden vom neuen Eigentümer mit Wald bepflanzt. Beide Hofgebäude wurden abgerissen und an anderer Stelle wieder aufgebaut. Was die Hintergründe dafür waren, dass die beiden Höfe, die ja zu den „Großen Höfen“ in der Region gehört haben, in fremde Hände gekommen und abgegangen sind, wird im Folgebeitrag der „Geschichtsspuren“ nachgegangen.

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Quelle: NRWZ.de – veröffentlicht am 22. April 2021 von Gastbeitrag. Erschienen unter https://www.nrwz.de/schramberg/die-geschichte-des-oberlehofs/312173