Die Grauhaarigen bestimmen

Jugendbeteiligung an der GWRS Sulgen

Die meisten Schüler haben sich auf der linken Seite im "Atelier" versammelt, weil sie sich nicht sonderlich ernst genommen fühlen. Julia Merz (mit Mikrofon) vom JUKS³ leitete die Jugendbeteiligungsaktion an der Grund- und Werkrealschule Sulgen. Fotos: him

SCHRAMBERG  (him) –Im „Ate­lier“ der Grund- und Werk­re­al­schu­le Sul­gen (GWRS) drän­geln sich am Frei­tag­mor­gen eine gro­ße Zahl Jugend­li­cher in der lin­ken Hälf­te des Raums. Julia Merz vom JUKS³ hat­te  die Schü­ler auf­ge­for­dert, sich in der lin­ken Hälf­te zu ver­sam­meln, wenn sie das Gefühl haben, ihre Inter­es­sen wür­den in der Stadt wenig beach­tet. 

Nur eini­ge Jugend­li­che stan­den auf der ande­ren Sei­te, fühl­ten sich also beach­tet: „Wir haben jetzt eine Moun­tain­bike-Stre­cke in Wald­mös­sin­gen“, berich­te­te einer der Jun­gen. Da hät­te man doch auf die Jugend­li­chen gehört.

Schul­lei­ter Ger­hard Nöh­re heißt die Schü­ler im „Ate­lier” will­kom­men.

Seit das neue Kom­mu­nal­recht in Kraft ist, müs­sen die Städ­te und Gemein­den Jugend­li­che ange­mes­sen betei­li­gen, wenn ihre Inter­es­sen betrof­fen sind. „Das Wort ‚müs­sen‘ ist neu“, erläu­tert Merz. „Die Stadt muss euch nach eurer Mei­nung fra­gen.“ Schul­lei­ter Ger­hard Nöh­re hat­te das Pro­blem anschau­lich gemacht: „Im Rat bestim­men meist grau­haa­ri­ge Her­ren wie ich über jun­ge Leu­te.“ Das soll sich mit der Jugend­be­tei­li­gung ändern.

Julia Merz erläu­tert, wie die Jugend­be­tei­li­gung funk­tio­nie­ren soll. Foto: him

In Schram­berg geschieht das nach einem neu­en Kon­zept. In den Schu­len soll die Jugend­be­tei­li­gung star­ten. In Arbeits­grup­pen sol­len sich die Schü­ler ab der sieb­ten Klas­se mit The­men wie Frei­zeit­an­ge­bo­te oder Bus­ver­kehr, Ein­kaufs­mög­lich­kei­ten oder Schu­len befas­sen. Sie kön­nen For­de­run­gen erar­bei­ten und Vor­schlä­ge machen.

Beim Jugend-Neu­jahrs­emp­fang am 26. Janu­ar sol­len die Jugend­li­chen dann ihre Mei­nung sagen. Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Her­zog und die Gemein­de­rä­te wer­den in der „Sze­ne 64“ an der Geiß­hal­de zuhö­ren und mit den Jugend­li­chen über ihre Wün­sche und Ide­en dis­ku­tie­ren. Mot­to: „Macht euer Ding“. Dazu sind alle Jugend­li­chen und Schü­ler von 12 bis 21 aus Schram­berg ein­ge­la­den. Die Stadt­ver­wal­tung, so Merz, wer­de als eige­nes The­ma die Moder­ni­sie­rung des Ten­nen­bron­ner Frei­bads ein­brin­gen. Dabei wer­den die Jugend­li­chen sich an der Gestal­tung betei­li­gen kön­nen.

Nach dem Jugend-Neu­jahrs­emp­fang wer­den Gemein­de­rat und Stadt­ver­wal­tung die Vor­schlä­ge auf­ar­bei­ten und wenn mög­lich umset­zen. Und dann ist die Hoff­nung groß, dass bei der nächs­ten Ver­samm­lung die Mehr­zahl der Jugend­li­chen auf der „Ich- füh­le-mich-ernst-genom­men“- Sei­te steht.

Info: Das Demo­kra­tie­zen­trum Baden-Würt­tem­berg för­dert die Schram­ber­ger Jugend­be­tei­li­gung im Rah­men des Pro­gramms „Jugend BeWegt – Poli­tik kon­kret! Lokal. Wirk­sam. Ver­netzt.“ Vor zwei Wochen habe sie die Bewil­li­gung bekom­men, berich­tet Merz: „Somit sind wir Jugend BeWegt –Kom­mu­ne.

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