Schram­berg Die hoo­ri­gen Kat­zen der Nar­ren­stadt Schram­berg

Die hoorigen Katzen der Narrenstadt Schramberg

Die dies­jäh­ri­ge Fas­nets­post­kar­te des Stadt­ar­chivs und Stadt­mu­se­ums ist erschie­nen 

Schram­berg – Die „Hoo­rig Katz“ ist das wich­tigs­te Sym­bol der Fas­net in Schram­berg. Das Stadt­ar­chiv und Stadt­mu­se­um Schram­berg wür­di­gen sie des­halb mit einer neu­en Post­kar­te, auf der eine Col­la­ge von Rai­ner Lan­gen­ba­cher zu sehen ist.

Im Jahr 2015 wur­de zunächst auf Initia­ti­ve des Stadt­ar­chivs Schram­berg eine neue Post­kar­ten­rei­he mit Moti­ven aus der Gro­ßen Kreis­stadt Schram­berg begrün­det, die sich mitt­ler­wei­le zu der Serie „Post­kar­ten des Stadt­ar­chivs und Stadt­mu­se­ums Schram­berg“ wei­ter ent­wi­ckelt hat.

Die Post­kar­ten ver­ste­hen sich als (klei­ne) „Mar­ken­bot­schaf­ter“ der Fünf­tä­ler­stadt des Schwarz­wal­des, die sich bei Samm­lern wach­sen­der Beliebt­heit erfreu­en und als „Gruß aus Schram­berg“ auch „in der Frem­de“ eine Freu­de berei­ten. Nach und nach ent­steht aus der Serie eine „Gale­rie“ der „Mar­ke Schram­berg“, die immer wie­der einen neu­en Blick auf ihre Beson­der­hei­ten und Sehens­wür­dig­kei­ten rich­tet.

Die Serie star­te­te schon im Jahr 2015 mit einem Fas­nets­mo­tiv – einem Bild aus der Mas­ken­schnitz­werk­statt des mitt­ler­wei­le ver­stor­be­nen Stein­metz­meis­ters Sieg­fried Schaub (1936–2017). Seit­dem sind 14 wei­te­re Moti­ve erschie­nen – oft Repro­duk­tio­nen his­to­ri­scher Ansich­ten ört­li­cher Kul­tur­denk­ma­le wie der Burg­rui­ne Hohen­schram­berg, der katho­li­schen Stadt­pfarr­kir­che Maria Him­mel­fahrt oder des (ehe­ma­li­gen) Licht­spiel­hau­ses. All­jähr­lich gibt es aber auch – selbst­ver­ständ­lich – ein Fas­nets­mo­tiv.

Auf der druck­fri­schen Num­mer 16 ist eine bereits im letz­ten Jahr im Auf­trag von Micha­el Mel­vin ent­stan­de­ne Col­la­ge von  Rai­ner Lan­gen­ba­cher zu sehen. Der Schram­ber­ger Foto­gra­fen­meis­ter hat dafür meh­re­re nachts beleuch­te Kat­zen in sei­ner Hei­mat­stadt foto­gra­fiert und in einer ori­gi­nel­len Col­la­ge zusam­men­ge­stellt.

Am bekann­tes­ten – und sicht­bars­ten – ist natür­lich die „Hoo­rig Katz“ auf der Burg­rui­ne auf dem Schloss­berg. Aber auch an ande­ren Ecken und Enden der Stadt Schram­berg sind sol­che bei Nacht fun­keln­den und streu­nen­den Leucht­kat­zen zu ent­de­cken. Und sogar einen leuch­ten­den „Da-Bach-na-Fah­­rer“ hat Rai­ner Lan­gen­ba­cher bei sei­ner Foto­tour ent­deckt.

Unsittliches Motiv?

Hoo­rig, Hoo­rig isch dia Katz“ ist ein in vie­len schwä­­bisch-ale­­man­­ni­­schen Nar­ren­or­ten bekann­ter Fast­nachts­spruch, der in Schram­berg beson­ders lan­ge und tie­fe Wur­zeln hat. Der Fas­nets­spruch hat übri­gens – wie die For­schung über­zeugt ist – einen sexu­el­len Hin­ter­grund, da mit der „hoo­ri­gen Katz“ die weib­li­che Vul­va gemeint ist. Der heu­te so belieb­te Fas­nets­spruch wur­de des­halb zeit­wei­se als anstö­ßig und unsitt­lich emp­fun­den.

Im Schult­hei­ßen­amts­pro­to­koll der Gemein­de Schram­berg ist unter dem 7. Febru­ar 1856 zu lesen: „Es herrscht hier der Unfug, daß an den Faß­nachts­ta­gen von den Mas­ken den Kin­dern aller­ley unsitt­li­ches vor­ge­ru­fen wird, wel­ches sodann die Kin­der nach­ru­fen müs­sen. Nament­lich wird den Kin­dern vor­ge­ru­fen: ‚Horig ist die Katz.‘ Die­sem Unfug abzu­hel­fen wird auf Anord­nung des Gerichts in den Schu­len den Kin­dern von den Leh­rern unter­sagt, daß sie die­ses ‚Horig‘ den Mas­ken nicht mehr auf öffent­li­chen Stra­ßen nach­ru­fen dür­fen.“

Dass die­sem Ver­bot kein Erfolg beschie­den war, ist all­ge­mein bekannt. Heu­te kennt jedes Schram­ber­ger Kind die­sen Fas­net­spruch, mit dem auch der 1952 von Wal­ter Pfeif­le (1920–1999) kom­po­nier­te Schram­ber­ger Nar­ren­marsch beginnt. Bereits in den 1930er-Jah­­ren wur­de für den Umzug eine gro­ße „Hoo­rig Katz“ auf einem Wagen geschaf­fen, die über Jahr­zehn­te der Lieb­ling der Schram­ber­ger Kin­der war.

Und last but not least erhielt im Jahr 1949 auch das bis heu­te erschei­nen­de Schram­ber­ger Nar­ren­blätt­le die­sen tra­di­tio­nel­len Namen. Die dies­jäh­ri­ge Fas­nets­post­kar­te des Stadt­ar­chivs und Stadt­mu­se­ums Schram­berg setzt der „Hoo­rig Katz“ ein wei­te­res (klei­nes) Denk­mal.

Info: Die neue Post­kar­te ist zum Preis von einem Euro ab sofort im Stadt­mu­se­um Schram­berg erhält­lich Diens­tag bis Sams­tag 13–17 Uhr, Sonn- und Fei­er­tag 11–17 Uhr). Bestel­lun­gen sind auch über museum@schramberg.de oder stadtarchiv@schramberg.de mög­lich.

Diesen Beitrag teilen …

Meistgelesen

Audi-Q7-Fahrer baut schweren Unfall – und flüchtet einfach

Die Poli­zei sucht nach einem Fron­tal­zu­sam­men­stoß in Nie­dere­schach ges­tern Abend einen flüch­ti­gen Fah­rer eines schwar­zen Audi Q7. Der Wagen soll im Schwarz­wald-Baar-Kreis…

Folgen Sie uns

15,610FansGefällt mir
1,455Fol­lo­werFol­gen
1,100Fol­lo­werFol­gen

Schon gelesen?