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Dienstag, 10. Dezember 2019
Start Schram­berg ”Die schö­nen Sachen, die wir ver­lo­ren haben“

”Die schönen Sachen, die wir verloren haben“

„Jung­hans Meis­ter“ eine per­so­ni­fi­zier­te Design / Geschich­te im „deut­schen Früh­ling“ in Est­land

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SCHRAMBERG/TALLINN  (vz) –Eine beson­de­re Bezie­hung hat ein Pro­fes­sor aus Est­land zu Schram­berg. Wir haben in der NRWZ schon ein­mal einen Bericht von Dr. Vol­ker Zieg­ler zu die­sem The­ma ver­öf­fent­licht. Nun war Zieg­ler erneut in Est­land und hat dar­über die­sen Bericht ver­fasst:

„Zeit­mes­ser und – ins­be­son­de­re Uhren, weck­ten und wecken bei Men­schen schon immer eine tech­ni­sche, eine ästhe­ti­sche und eine emo­tio­na­le Fas­zi­na­ti­on. Beson­ders der Letz­ten, der emo­tio­na­len Fas­zi­na­ti­on, ist wohl Pro­fes­sor Rait Labot­kin aus Est­land als Uhren­samm­ler erle­gen. Bei der Betrach­tung sei­ner „schö­nen Sachen“ und beson­ders sei­ner „Jung­hans – Meis­ter – Uhren“ erwach­te in ihm das Inter­es­se an der Per­son, den bio­gra­phi­schen Hin­ter­grün­den, an der Moti­va­ti­on – kurz, am Leben des Desi­gners.

Die Idee zur Rea­li­sie­rung reif­te bei der Begeg­nung des Soh­nes von Anton Zieg­ler mit ihm, anläss­lich sei­ner gran­dio­sen Aus­stel­lung der Jung­hans – Uhren­samm­lung 2016 in der est­ni­schen Uni­ver­si­täts­stadt Tar­tu – dem frü­he­ren Dor­pat. Kon­kret wur­de sie bei sei­nem Gegen­be­such bei Vol­ker Zieg­ler im Schwarz­wald im ver­gan­ge­nen Okto­ber.

Rait Labot­kin ahn­te wohl, dass sich hin­ter dem Gestal­ter von Uhren ein Mensch mit viel­fäl­ti­gen Facet­ten und Fähig­kei­ten ver­birgt. Ange­sta­chelt von der Auf­mun­te­rung sei­nes est­ni­schen Kol­le­gen und Freun­des, hat Vol­ker Zieg­ler des­halb ver­sucht, die Per­son sei­nes Vaters und ihr wech­sel­vol­les Leben, anhand von Bil­dern, Doku­men­ten und Zita­ten aus sei­ner Zeit dar­zu­stel­len. Labot­kin füg­te die Abbil­dun­gen sei­ner Lieb­lings­uh­ren aus sei­ner umfang­rei­chen Samm­lung hin­zu.

Er ver­stand es in der Ver­gan­gen­heit auch, das Inter­es­se sei­ner est­ni­schen Lands­leu­te für die Uhren­the­ma­tik zu wecken. Das Ergeb­nis ist ein zwei­spra­chi­ges Buch als Gemein­schafts­pro­dukt einer unge­wöhn­li­chen Koope­ra­ti­on zwi­schen einem Est­län­der, der jah­re­lang eine Lei­den­schaft pfleg­te, die ihn mit einem Indus­trie­zweig in Baden- Würt­tem­berg ver­band und einem Baden-Wür­t­­te­m­ber­ger aus Schram­berg, der ein wenig die­se Lei­den­schaft teilt.

Die­ses Pro­jekt pass­te exakt in ein Kul­tur­fes­ti­val, wel­ches tra­di­tio­nell jähr­lich als „Deut­scher Früh­ling“ mit kul­tu­rel­len Ver­an­stal­tun­gen, Kon­zer­ten und Aus­stel­lun­gen  in Est­land gefei­ert wird. Das Fes­ti­val wird jeweils von der deut­schen Bot­schaft und dem Goe­the­in­sti­tut orga­ni­siert. Da in die­sem Jahr das Bun­des­land Baden-Wür­t­­te­m­berg Part­ner­land des Fes­ti­vals ist, wur­de die Buch­vor­stel­lung in die fest­li­chen Eröff­nungs­fei­ern inte­griert.

In der Haupt­stadt Tal­linn, vor gro­ßem Publi­kum, dem est­ni­schen Kul­tur­mi­nis­ter der Staats­se­kre­tä­rin Petra Olschow­ski, in Ver­tre­tung der Minis­te­rin The­re­sia Bau­er aus der Baden–Württemberger Lan­des­re­gie­rung und ande­ren pro­mi­nen­ten Gäs­ten erwähn­te Dr. Chris­toph Eich­horn – Bot­schaf­ter Deutsch­lands – die­ses Buch­pro­jekt als beson­ders bei­spiel­haft für die­sen Anlass.

Im Rah­men einer Fei­er im deut­schen Kul­tur­in­sti­tut in Tor­pat fand andern­tags die eigent­li­che Buch­vor­stel­lung statt. In einer klei­nen Aus­stel­lung prä­sen­tier­te  Labot­kin den Teil sei­ner „Schät­ze“, die zum The­ma pass­ten. Ger­ma­nis­tik­stu­den­ten aus der dor­ti­gen Uni­ver­si­tät stell­ten zunächst das Bun­des­land Baden–Württemberg aus land­schaft­li­cher, kul­tu­rel­ler und kuli­na­ri­scher Sicht vor.

Es folg­te zur Auf­lo­cke­rung eine Tanz­per­for­mance und dann der Vor­trag: „Uhren­de­sign im Span­nungs­feld von Kunst und Zeit­ge­schmack“, in dem Vol­ker Zieg­ler anhand von Zita­ten und Doku­men­ten den Zwie­spalt und die Balan­ce erläu­ter­te, dem der Desi­gner Anton Zieg­ler in sei­ner Zeit aus­ge­setzt war. Der Ver­such mit berühm­ten ande­ren „Form­päps­ten“ sei­ner Zeit zu koope­rie­ren, war erst mit Max Bill erfolg­reich. Er hat­te das tech­ni­sche Ver­ständ­nis für Uhren und traf den redu­zier­ten Stil, den  Die­ter Rams vor­her so erfolg­reich bei den „Braun-Pho­­no­ge­rä­­ten“ ein­ge­führt hat­te. Der wirt­schaft­li­che Erfolg der schö­nen Bill–Modelle ließ aber Jah­re auf sich war­ten.

Das Publi­kum, im Saal der ori­gi­na­len Jugend­stil­vil­la ging begeis­tert mit. Es bestand aus der deutsch­spra­chi­gen Com­mu­ni­ty der Stadt, meh­re­ren Ärz­ten des Uni­ver­si­täts­kli­ni­kums, vie­len  Jugend­li­chen und an der Sache inter­es­sier­ten Men­schen. Vie­le erwar­ben das Buch und hol­ten sich bei den Autoren eine per­sön­li­che Signa­tur. Die Lei­te­rin des Kul­tur­in­sti­tuts, Frau Ploo­vits, bedank­te sich für den Bei­trag aus dem dies­jäh­ri­gen deut­schen „Part­ner­land“ mit einem Erin­ne­rungs­ge­schenk.

Die Kon­tak­te mit den Lei­tern des Kli­ni­kums bei der  Fei­er hat­ten zur Fol­ge, dass andern­tags noch eine Kli­nik­vi­si­te  der Besu­cher ermög­licht wur­de. Dabei hat­ten Vol­ker Zieg­ler und sein beglei­ten­der Sohn Mar­cel die Chan­ce  hoch­mo­der­ne Kli­nik­ab­tei­lun­gen zu sehen. Ins­be­son­de­re die orthopädisch–traumatologische Abtei­lung beein­druck­te den Enkel Anton Zieg­lers als Fach­mann sehr und war Anlass für eine leb­haf­te Fach­dis­kus­si­on.

Das in Est­land erschie­ne­ne Buch: „Die schö­nen Sachen, die wir ver­lo­ren haben“ ist in Deutsch­land noch nicht im Han­del. Inter­es­sier­te kön­nen sich aber an den Autor wen­den.

 

 

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